Realistische Perspektiven entwickeln Caritas und SKM im Emsland bieten Flüchtlingen Rückkehrberatung

Von PM

Die ergebnisoffene Rückkehrberatung ermöglichen der Caritasverband für den Landkreis Emsland und der SKM nun gemeinsam. Das Foto zeigt (von links) Marcus Drees und Marina Galster (Caritasverband für den Landkreis Emsland) mit Nicole Jager und Arnold Esters vom SKM. Foto: Jürgen Eden (Caritasverband für den Landkreis Emsland)Die ergebnisoffene Rückkehrberatung ermöglichen der Caritasverband für den Landkreis Emsland und der SKM nun gemeinsam. Das Foto zeigt (von links) Marcus Drees und Marina Galster (Caritasverband für den Landkreis Emsland) mit Nicole Jager und Arnold Esters vom SKM. Foto: Jürgen Eden (Caritasverband für den Landkreis Emsland)

Meppen. Mit ihrer neuen Rückkehrberatung wollen der Caritasverband für den Landkreis Emsland und der Sozialdienst katholischer Männer (SKM) abgelehnte Asylbewerber ergebnisoffen und unabhängig beraten. Ziel soll es dabei auch sein, realistische Perspektiven für eine Rückkehr in die Herkunftsländer zu entwickeln.

Das Projekt wird vom niedersächsischen Innenministerium gefördert. Mit diesem Mosaikstein bietet die Caritas künftig gemeinsam mit dem SKM zusätzliche Beratungen und Hilfen für Menschen ohne Bleibeperspektive, sprich: abgelehnte Asylbewerber, an.

„Wir möchten damit als neutrale Stellen in belastenden Situationen ergebnisoffen und unabhängig beraten“, sagt Marcus Drees, Geschäftsführer des Caritasverbands für den Landkreis Emsland. Wer sich für eine Rückkehr in sein Heimatland entschließe, solle die Möglichkeit erhalten, Deutschland in einem würdevollen Rahmen verlassen zu können.

Traumata vermeiden

Der Caritasverband im Emsland ist seit April als Projektpartner offiziell mit dieser neuen Aufgabe betraut und für das nördliche Emsland und das südliche Ostfriesland zuständig. Dazu hat die Sozialarbeiterin Marina Galster ihr Büro in der Caritas-Beratungsstelle in Sögel bezogen. Geflüchtete aus dem mittleren und südlichen Emsland werden bereits seit Jahresbeginn von Nicole Jager vom SKM betreut.

Die meisten Flüchtlinge, die in die Beratungsstellen kommen, haben abgelehnte Asylanträge - und alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Laut einer Pressemitteilung von Caritasverband und SKM leben sie in der Region ohne Zukunftsperspektive und müssen mit einer Abschiebung rechnen. „Abschiebungen sind immer ein traumatisches Erlebnis, insbesondere dann, wenn Kinder beteiligt sind. Die freiwillige Ausreise wirkt dem entgegen“, so Jager. Andere wollen zurück zu ihren Familien ins Heimatland, weil sich die Situation dort geändert hat oder weil sie Heimweh haben.

Ergebnisoffene Beratung

Die ersten Familien wurden bereits auf die Rückreise vorbereitet oder haben das Land verlassen. „Die Menschen bekommen durch unsere ergebnisoffene Beratung neue Wege aufzeigt und damit eine Perspektive“, sagt Jager. In einem konkreten Fall wurden Kontakte zu Beratungsstellen im Heimatland hergestellt, die Schulanmeldung vorbereitet und Wohnraum vermittelt. Die Beraterinnen stehen den Rückkehrwilligen im gesamten Prozess zur Seite. Sie unterstützen die Flüchtlinge bei der Beschaffung der erforderlichen Dokumente, stellen Förderanträge und organisieren die Rückreise. Sie stimmen sich dabei mit den beteiligten Institutionen und Behörden ab.

Dass zwei Träger gemeinsam ein derartiges Projekt stemmen, sei bisher einmalig in Niedersachsen, verdeutlichte SKM-Geschäftsführer Arnold Esters. In der engen Kooperation zwischen den Trägern aus verschiedenen Bereichen der Migrationsarbeit sieht er einen großen Vorteil: „Wir kennen die Geflüchteten bereits häufig aus der Migrationsberatung und haben auch das Vertrauen der Flüchtlinge."

Umfassende Information

Bei der Rückkehrberatung geht es nicht nur darum, Optionen für eine Rückkehr aufzuzeigen, sondern alle bestehenden Möglichkeiten und Perspektiven anzusprechen. Das Ziel sei, die Klienten so umfassend zu informieren, dass sie eine selbstbestimmte Entscheidung treffen können, erklärt Esters.

Viele der jetzigen Flüchtlinge werden in Zukunft in ihre Heimat zurückkehren wollen. Esters verweist auf seine Erfahrungen zur Jahrtausendwende, als ein Großteil der Balkanflüchtlinge nach dem Ende der Kampfhandlungen in die ehemaligen jugoslawischen Länder zurück wollte: „Wenn sich die Sicherheitslage im Bürgerkriegsland Syrien irgendwann einmal entspannen sollte, werden möglicherweise viele Schutzsuchende den Wunsch äußern, in ihr Heimatland zurückzukehren. Auch darauf muss man vorbereitet sein.“ Dies benötige entsprechende Beratungsstrukturen in Deutschland als auch Netzwerkpartner im Heimatland.

Interessenten, besonders auch ehrenamtliche Helfer, können sich an die Beratungsstelle des SKM (für Meppen und Lingen) oder die Caritas-Beratungsstelle Sögel (nördliches Emsland) wenden.


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