Zu Fuß auf Pilgerfahrt Wallfahrt von Meppen nach Rulle hat begonnen

Auszug der Pilger zur Fußwallfahrt von Meppen nach Rulle. Foto: Manfred FickersAuszug der Pilger zur Fußwallfahrt von Meppen nach Rulle. Foto: Manfred Fickers
Manfred Fickers

Meppen. Singend und betend haben sich wieder Pilger von Meppen aus zu Fuß zum Wallfahrtsort Rulle auf den Weg gemacht.

Wallfahrtsziel für die Region wurde Rulle durch das Blutwunder des Jahres 1347. Ein aus der Kirche entwendetes Hostien-Ziborium soll damals nach zwei Wochen in einem Dornenbusch wiedergefunden worden sein, umgeben von brennenden Kerzen. Beim Öffnen fand man die fünf Hostien in Fleisch und Blut verwandelt, so die Überlieferung. 

Die ältesten Aufzeichnungen über Pilger aus dem Emsland sind mehr als 300 Jahre alt. 1892 wurde durch den damaligen Adjunkt Johannes Freese in Meppen der Ruller Wallfahrtsverein ins Leben gerufen, der alljährlich die fünftägige Pilgertour organisiert. Er hat 300 Mitglieder und kümmert sich nicht allein um die jährliche Fußwallfahrt. Unter anderem unterstützt der Ruller Wallfahrtsverein den Missionskreis Pater Wernke, der im derzeit von Naturkatastrophen heimgesuchten südafrikanischen Staat Mosambik Aufbauarbeit leistet.

Für Ansgar Temmen ist es die erste Fußwallfahrt, die er als Vereinsvorsitzender begleitet. Denn bei der Mitgliederversammlung in diesem Jahr hatte er den langjährigen Vorsitzenden Hermann Fehnker abgelöst. Nach dem Aussendungsgottesdienst mit Pastor Frank Rosemann wird das Gepäck in die Begleitfahrzeuge verladen. Ein Pferdewagen steht bereit, er wird diejenigen mitnehmen, die beim Gehen Probleme bekommen haben.




Kurz vor sieben Uhr sammeln sich die Pilger hinter der Gruppe mit dem 2017 restaurierten Vortragekreuz, zwei Bannern und der zum 125-jährigen Bestehen des Vereins  neu angeschafften Pilgerfahne. Eine Seite des Tuchs zeigt den gewundenen Weg zwischen Meppen und Rulle mit der Propsteikirche St. Vitus, der St.-Bartholomäus-Kirche in Schwagstorf und der St.-Johannes-Kirche in Rulle. Denn die gut 80 Kilometer Wegstrecke sind nur mit einer Übernachtung in Schwagstorf zu bewältigen. Mit Pausen wird von sieben bis 19 Uhr gewandert.




Unter dem Geläut der Glocken der Propsteikirche geht es um sieben Uhr los. Über die Kuhstraße und die Kanalstraße ziehen die Pilger singend und betend stadtauswärts. Die Texte und Lieder stehen im Pilgerbuch, dass jeder Wallfahrer mit auf den Weg bekommen hat. Am ersten Tag werden über Helte, Bawinkel, Gersten, Lengerich, dem Fürstenauer Wald rund 40 Kilometer bis nach Schwagstorf zurückgelegt, wo man in Privatquartieren übernachtet.

Am zweiten Tag sind es noch mal fast 40 Kilometer über Merzen und Linter bis nach Rulle. Abends wird dort  in der St.-Johannes-Kirche in Rulle der sakramentale Segen empfangen. Am 1. Mai feiern die Teilnehmer eine Wallfahrtsprozession und erholen sich, bevor es am Donnerstag auf den Rückweg nach Schwagstorf geht. Über Lengerich und Bawinkel geht es am nächsten Tag weiter Richtung Meppen. Am Freitag gegen 17.45 Uhr wollen die Pilger am Gasthof Röckers in Helte eine Pause einlegen. Um 19.15 Uhr werden sie an der Propsteikirche St. Vitus in Meppen erwartet.

Traditionell schließen sich unterwegs Pilger aus Haselünne, Bawinkel und weiteren Orten an, so dass deutlich mehr als 100 Frauen und Männer an den fünf Tage aktiv dabei sind. Der Wallfahrtsverein bietet zudem Interessenten an, mal einen Tag zum Ausprobieren mitzuwandern. Die Wallfahrt hat viele treue Teilnehmer. Annelene Ewers erzählt, dass sie zum 30. Mal mitmacht. "Nur in wenige Jahren habe ich darauf verzichtet, zum Beispiel als meine Meisterprüfung war."


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