Kinder werden anderweitig untergebracht Rattenhaus in Meppen: Warum hilft keiner der Familie?

Rattenkot findet sich unter dem Fußboden im Erd- und im Dachgeschoss des Hauses in Meppen-Helte. Foto: Carola AlgeRattenkot findet sich unter dem Fußboden im Erd- und im Dachgeschoss des Hauses in Meppen-Helte. Foto: Carola Alge

Meppen. Der Fall der Großfamilie, die in Meppen-Helte inmitten von Rattendreck und vermutlich auch Nagern, die ihn verursacht haben, leben muss, schlägt hohe Wellen. Tenor in den sozialen Netzwerken: Wieso schafft der Vermieter nicht Abhilfe?

Eine Userin schreibt auf der Facebook-Seite „Meppener helfen Meppenern“ unter anderem: „Schon traurig, dass die Stadt bei so etwas nicht helfen kann. Ich habe sechs Kinder, drei schon erwachsen und drei noch zu Hause. Ich weiß, wie schwer es ist, da was Geeignetes zu finden. Hoffe, man kann euch irgendwie helfen.“

Alles in Ordnung?

Den Beitrag unserer Redaktion „Meppener Familie muss mit Ratten leben: Horrorhaus statt Idylle“ kommentierte ein Leser auf dem Onlineportal der Meppener Tagespost in eine ähnliche Richtung. „ Warum baut man nicht auch Wohnungen für Sozialschwache in Meppen?“

Ein Leser bezeichnet sich als Bekannter des Vermieters, „von dem in dem Bericht geschrieben wird, der bei der Schädlingsbekämpfung dabei war. Auch habe ich in dem Haus Reparaturen durchgeführt, die eigentlich von den Mietern erledigt werden müssten, da diese die Kaution nicht bezahlen wollten und stattdessen die Wohnung sanieren wollten ... Als ich am Dienstag da war, stand der Dreck noch auf dem Anhänger hoch voll. Der liegt da schon mehrere Monate. Auch stand die Tür auf, bestimmt, dass die Ratten rein- und raus laufen können. Ich fragte die Mutter, ob alles in Ordnung sei. Bei mir ist alles in Ordnung!“

Krankheitsüberträger

Diverse User und Leser rätseln, warum der Vermieter nicht für Abhilfe der Missstände sorgt. „Das geht halt alles gar nicht, und den Mietern muss geholfen werden. Der Vermieter hat die Kosten zu tragen und Ende der Geschichte“, heißt es unter anderem.

Eine andere Userin fragt: „Wer ist denn für Ordnung zuständig, Ratten sind doch gefährliche Krankheitsüberträger. Ein Bekannter in Meppen hatte sich infiziert. Ergebnis totales Organversagen. Hier ist Gesundheitsamt mit dem Ordnungsamt gefordert. Wer soll denn sonst in solch einer gesundheitsgefährdenden Angelegenheit zuständig sein?“ Das sprechen weitere User ebenfalls an. Sie raten der Familie: „Wendet euch an das Gesundheitsamt, die dem Vermieter Feuer unterm A... machen. Ihr könnt doch nicht unter Ratten leben.“

Kurzer Silberstreif

Seit der Berichterstattung unserer Redaktion hat sich bei Chantal Kaiser und ihrer zehnköpfigen Familie, die das Haus in Meppen-Helte bewohnt, etwas getan. Sie hatte am Wochenende ein anderes Haus in Aussicht. Allerdings nur in Aussicht. „Der Vermieter hatte sich zwar auf unser Inserat gemeldet, dann aber wohl etwas Angst, weil wir in der Öffentlichkeit stehen“, sagt Chantal Kaiser. Die Mutter von sieben Kindern, die das Haus in Helte zusammen mit ihrem Mann und ihrem pflegebedürftigen Bruder bewohnt, sah kurz darauf einen Silberstreif am düsteren Horizont. „Wir waren über die Chefin meines Mannes auf eine Wohnung aufmerksam geworden. Das hat sich aber leider auch zerschlagen“, berichtet die 33-Jährige.

Hoffnung aufgegeben

Die Hoffnung, der Vermieter würde für Ordnung sorgen, hat sie aufgegeben. „Er ist weiter nicht tätig geworden“. Auf sich beruhen lassen will sie das jedoch nicht. „Wir müssen die Kinder (im Alter von drei bis 16 Jahren) trennen und anderweitig bei Bekannten unterbringen. Das geht für sie mit den Ratten hier nicht und macht mich traurig.“

Mittlerweile habe Kaiser eine Zeugin, „die vor zwei Jahren hier gewohnt hat, und dort war das schon mit den Ratten bekannt. Wir werden weiter zum Anwalt gehen, denn ich will, dass der Vermieter nie wieder jemandem dieses Haus vermieten wird. Die Ämter werden sich auch zu Rechenschaft ziehen lassen müssen. Sie wissen, was für Zustände hier sind.“

Schädlingsbekämpfer

Auf Anfrage unserer Redaktion beim Landkreis Emsland erklärte eine Sprecherin, der Fachbereich Gesundheit habe in der vergangenen Woche noch einmal Rücksprache mit dem zuständigen Schädlingsbekämpfer und der Stadt Meppen gehalten. Auf Vorschlag des Fachbereichs Gesundheit solle die Stadt Meppen das Gebäude daraufhin prüfen, ob es als „bewohnbar“ gilt. Der Fachbereich Jugend habe am vergangenen Freitag ebenfalls Kontakt zur Familie aufgenommen und angeboten, sie bei einer vorübergehenden alternativen Unterbringung der Kinder zu unterstützen. Das hätte sich aber erübrigt, da die Familie sich bereits selbst um eine alternative Unterkunft gekümmert habe. Grundsätzlich liege die Zuständigkeit für das Mietobjekt beim Vermieter.


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