Tierärztin erhebt Vorwürfe gegen Jäger Katzenschwund in Apeldorn

Von Reinhard Fanslau

Eine Drahtfalle am Waldrand, aufgestellt um Nutrias zu fangen. Sie könnte aber auch einer Katze zum Verhängnis werden. Archivfoto: dpaEine Drahtfalle am Waldrand, aufgestellt um Nutrias zu fangen. Sie könnte aber auch einer Katze zum Verhängnis werden. Archivfoto: dpa

Meppen. „Ich bin fassungslos. Das Problem ist wieder hochaktuell.“ Zum zweiten Mal innerhalb von gut drei Jahren wendet sich Ricarda Schröder an die Öffentlichkeit. Die Tierärztin ist verzweifelt, weil in Apeldorn ihrer Wahrnehmung nach wieder überdurchschnittlich viele Katzen spurlos verschwinden.

Im November 2015 berichtete unsere Redaktion bereits unter dem Titel „Mysteriöser Katzenschwund in Apeldorn“ über das Thema.

„Danach war nur kurze Zeit Ruhe“, erinnert sich Schröder. Nur auf die letzten Wochen und Monate gerechnet beklagt die Tierärztin jetzt den Verlust von vier Samtpfoten: Oskar, Lady Gaga, Flöhchen und Einstein. Und zwar den vollständigen Verlust. Denn wenn die Katzen von Autos, Treckern oder anderen Fahrzeugen angefahren worden wären, dann würde man ihre verletzten oder toten Körper finden, sagt sie. Das passiere aber nicht. Daher müssen ihrer Meinung andere Gründe für das Verschwinden verantwortlich sein.

Jäger beteiligt?

Diese können vielfältig sein. Wie beim letzten Mal wird Ricarda Schröder den Verdacht nicht los, dass Jäger daran beteiligt sind. „Jäger hassen Katzen, weil sie in der Brut- und Schonzeit viel Schäden anrichten können“, sagt die Katzenfreundin. In ihrer Praxis habe sie schon Katzen mit Projektilen im Körper behandelt. Diese seien jedoch nicht eindeutig Jagdwaffen zuzuordnen gewesen. Ricarda Schröder hat inzwischen auch die Jagdbehörde von ihrem Verdacht unterrichtet. Dieser ist dort zwar bekannt, doch: „Wir können nichts beweisen“, hätte man ihr auf dem Amt gesagt.

Heiner Bruns, stellvertretender Kreisjägermeister Emsland, wehrt sich gegen einen Generalverdacht: „Dass Jäger immer als erstes in Verdacht geraten, ist für die Betroffenen der einfachste Weg. Kein Jagdausübungsberechtigter wird speziell in der Nähe zu Wohngebieten Katzen fangen und töten.“ Seine Aussagen untermauert Bruns mit dem Hinweis auf die rechtliche Regelung. Das niedersächsische Jagdgesetz sagt unter Paragraf 29, dass Katzen nur dann getötet werden dürfen, wenn sie weiter als 300 Meter von einem Haus entfernt sind und beim Wildern zum Beispiel in Vogelschutzgebieten erwischt werden. In solchen Fällen, so der stellvertretende Kreisjägermeister, sei zwar nicht ausgeschlossen, dass Katzen geschossen werden. In der Praxis jedoch sei das hier seines Wissens nach nicht vorgekommen.

Lebendfallen

Ein weiterer Grund für die verschwundenen Katzen könnten Lebendfallen sein, vermutet Ricarda Schröder. Vor Kurzem stieß die Tierfreundin auf eine, als sie sich auf die Suche nach Oskar machte, der vierten innerhalb kurzer Zeit verschwundenen Katze. In einem kleinen Wäldchen, nur 40 Meter von einem bewohnten Haus entfernt, stieß sie auf eine. „Es war eine Drahtfalle. Es roch nach Thunfisch, damit sollte wohl eine Katze angelockt werden“, berichtet die Katzenfreundin. Als sie an dem Gerät eintraf, war jedoch keine Katze darin gefangen. An anderer Stelle hätte Ricarda Schröder auch schon mal eine abgedunkelte, kleine Kastenfalle gesehen.

Bei Gemeinde abgeben

Das Thema „Lebendfallen“ ist auch dem stellvertretenden Kreisjägermeister bewusst. Seine Meinung dazu: „Leider gibt es aus meiner Sicht Lebendfallen für jeden Bürger auch ohne speziellen Fallenschein. Daher ist nicht auszuschließen, dass Nichtjäger Katzen in Fallen fangen.“ Heiner Bruns weist darauf hin, dass Jäger, die Fallen aufstellen, vorher eine Prüfung absolvieren müssen und vertraut mit der rechtlichen Lage sind. Und wenn doch mal eine Katze in einer für Wildtiere gedachten Falle gefunden wird? „Sofern diese in der Nähe von Häusern steht, wird die Falle wieder geöffnet und die Katze freigelassen“, sagt Bruns. Sofern nicht, wäre eine Möglichkeit, das meist verwilderte Haustier als Fundkatze bei der Gemeinde abzugeben. Das wäre dann nach Meinung des Jägers auch einer von mehreren Gründen für einen Katzenschwund. Bruns nennt weitere: „Nur mal genannt sei der Straßenverkehr. Oder dass Tiere von anderen Mitbürgern gefunden und beim Tierheim abgegeben werden.“

Doch die Tierärztin sorgt sich weiterhin um ihre verbliebenen zwei Katzen. Die seien „sehr hoftreu“, berichtet sie, aber nach dem Vorfall des über Graben und Zaun springenden Jagdhundes habe sie Angst. „Ich habe mir GPS-Halsbänder bestellt, damit ich immer weiß, wo die beiden sind. Außerdem ist mittlerweile mein Hof komplett videoüberwacht“. Hoffnung, dass die wie vom Erdboden verschwundenen Samtpfoten wiederauftauchen, hat die Katzenfreundin nicht mehr. „Die werden mit Sicherheit tot sein“, sagt sie. Eine Belohnung für sachdienliche Hinweise hat sie trotzdem ausgesetzt. Diese gilt auch für Totfunde.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN