Kreistag treibt E-Mobilität voran Meppen: 184 reine E-Autos im Emsland unterwegs

Die Flotte der E-Mobile des Landkreises Emsland wächst kontinuierlich. Foto: Landkreis EmslandDie Flotte der E-Mobile des Landkreises Emsland wächst kontinuierlich. Foto: Landkreis Emsland

Meppen. Die Zahl der Elektrofahrzeuge im Landkreis Emsland ist durchaus überschaubar. Wie Kreisdezernent Michael Steffens in der Sitzung des Kreistages in Meppen sagte, "sind es 184 reine E-Autos", davon hält die Kreisverwaltung allein 17 vor.

Nimmt man die Hybridfahrzeuge hinzu, sind es immerhin 882 Fahrzeuge im Landkreis. Das seien 0,5 Prozent des gesamten Pkw-Bestandes im Emsland. Zur Einordnung: Die Bundesregierung will bis 2022 rund eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße bringen, das wären dann 2,3 Prozent aller Autos. 

Entgegen den Befürchtungen einiger Autofahrer gibt es jetzt schon im Emsland viele Möglichkeiten, sein E-Auto aufzutanken. Es gibt 26 öffentliche Ladestationen, verteilt auf das gesamte Kreisgebiet. Die Anzahl der privaten Ladestationen sei noch wesentlich höher. 

Ladestation am Kreishaus in Meppen. Foto: Hermann-Josef Mammes


Davon unabhängig würden weitere öffentliche Stationen, u.a. an Museen, aufgestellt. Großen Anklang fand das Angebot des Landkreises an Bürger, dass diese E-Autos testen können. "Die meisten der 400 Bürger waren anschließend begeistert", sagte Steffens. 

Dezernent Michael Steffens (links) übergab auch der Meppener Familie Barloh einen Schlüssel zum Autotest. Foto: Landkreis Emsland


Der Landkreis wolle sein E-Mobilfuhrpark weiter ausbauen. Zudem gebe  es den Plan, entsprechend des Modells in Osnabrück öffentliche Buslinien im Emsland mit E-Bussen zu bestücken.

Neue Zukunftstechnologien

CDU-Kreistagsabgeordneter Georg Raming-Freesen sieht darin einen "wichtigen Beitrag zur Verringerung der Umweltverschmutzung". Er erinnerte daran, dass gerade im Emsland, in dem über 80 Prozent in der eigenen Immobilie wohnen, viele Bürger eine private Ladestation in der Garage vorhalten könnten. Auch Ulrich Ostermann (SPD) ist überzeugt, dass die meisten ihre Fahrzeuge privat oder beim Arbeitgeber aufladen. Zudem könne durch die E-Mobilität regenerative Energie gespeichert werden. Der AfD-Abgeordneter Guido Stolte sagte indes, dass es "keinen von Menschen gemachten Klimawandel" gibt. Für den UWG-Fraktionsvorsitzenden Günther Pletz hat Deutschland den "Zug der E-Mobilität" bereits verpasst. Deshalb sollte Deutschland zukunftsgerichtet besser gleich auf Wasserstofftechnik  setzen. Schlussendlich beauftragte der Kreistag gegen die Stimmen der vier AfD-Mitglieder die Kreisverwaltung, das Elektromobilitätskonzept auszubauen.  

AfD-Antrag abgelehnt

Mit den Stimmen von CDU, UWG, FDP und Grünen wurde ein AfD-Antrag abgelehnt. Die Alternative für Deutschland will im Emsland ein  "Schülerticket für Schulweg und Freizeit" einführen. Kreisdezernent Marc-André Burgdorf rechnete vor, dass ein kostenloses Ticket für Bus und Bahn den Landkreis bei rund 50.000 Schülern jährlich 134,5 Millionen Euro kosten wurde. AfD-Kreistagsabgeordneter Stolte zweifelte diese Zahlen. Es seien nach seinen Berechnungen nur ein Bruchteil.  "Als unseriös, nicht bezahlbar und wahnsinnig", betitelte hingegen CDU-Sprecher Burkhard Remmers den AfD-Antrag. SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Andrea Kötter unterstützte hingegen den Antrag: "Der Öffentliche Personennahverkehr muss optimiert werden." Dies gelte auch für das Schülerangebot. Die SPD fordert seit langem ein kostenfreies Ticket für Schüler im Sekundarbereich 2. 

Boßel-Horden

Grünen-Abgeordnete Birgit Kemmer ärgert sich über "Boßel-Horden", die an ihrem Haus an der Hesenmühle in Lingen vorbeiziehen. Es seien bis zu 450 Menschen, die sogar in der jetzt beginnenden Brut-und Setzzeit jede Menge Unrat am Wegesrand hinterlassen. Landrat Reinhard Winter verwehrte sich gegen den Ausdruck "Horden" und konterte: "Die Leute verhalten sich meistens korrekt." Das Boßeln sei im Emsland etabliert. 

SPD-Antrag abgelehnt

Uneinig waren sich die emsländischen Kreistagsfraktionen über einen SPD-Antrag. Kreistagsabgordneter Ulrich Wilde fordert eine "Bestandsaufnahme" der kreiseigenen Immobilien. Ziel sei es, zu prüfen, inwieweit der Landkreis weitere Fotovoltaikanlagen errichten kann. "Entscheidungsträger ist der Kreistag. Die Kreisverwaltung hat es dann umzusetzen", so Wilde. 

Auch auf dem Dach der Kreisverwaltung an der Ordeniederung thront eine Fotovoltaikanlage. Foto: Hermann-Josef Mammes


Kreisbaurat Dirk Kopmeyer erwiderte, dass der Landkreis auf Dächern seiner Gebäude bereits zehn Anlagen betreibe. Der Landkreis prüfe bei jedem Neubau und jeder Sanierung, ob sich weitere Anlagen rentieren. Diese seien bereits für die BBS Lingen, die Sporthalle und den Erweiterungsbau am Kreisgymnasium Papenburg sowie am Kreishaus 3 in Meppen vorgesehen. Letztendlich sprach sich die Mehrheit des Kreistages von CDU, FDP und AfD gegen den SPD-Antrag aus. 


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