Unfallkasse zieht Bilanz 24 Einsatzkräfte verletzen sich beim Meppener Moorbrand

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr steht an einer Schranke zum Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91, wo im September und Oktober 2018 der Moorbrand wütete. Foto: Stephan Konjer/dpaEin Löschfahrzeug der Feuerwehr steht an einer Schranke zum Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91, wo im September und Oktober 2018 der Moorbrand wütete. Foto: Stephan Konjer/dpa

Meppen. Im vergangenen Jahr gab es unter den 2800 Feuerwehrmännern und -frauen im Emsland ungewöhnlich viele Unfallopfer. Ursache hierfür war jedoch nicht der Großeinsatz rund um den Moorbrand auf der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen.

Am Montag stellte die Feuerwehr-Unfallkasse (FUK) Niedersachsen auf einer Pressekonferenz in Meppen die Unfallzahlen vor. Die FUK ist nach Angaben ihres Geschäftsführers Thomas Wittschurky die Berufsgenossenschaft für die 200.000 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen. "Im vergangenen Jahr haben wir 7,5 Millionen Euro zur Regulierung von Unfallschaden ausgegeben", sagte er. Finanziert wird die Unfallkasse über die Kommunen. So zahlte der Landkreis Emsland auch im vergangenen Jahr 437.000 Euro an Versicherungsbeiträge ein. Nach Angaben des FUK-Geschäftsführers ereigneten sich im abgelaufenen Jahr 2493 Unfälle in Niedersachsen, bei denen sich Feuerwehrkräfte verletzten. Dabei sei die Gefahr durchaus hoch: 

"Das Risiko, im Feuerwehrdienst zu verunglücken, ist doppelt so hoch wie in Metall verarbeitenden Betrieben."

Sprunghaft angestiegen ist die Unfallzahl 2018 hingegen im Emsland. Während die Unfallkasse 2017 insgesamt 36 Fälle im Landkreis abarbeiten musste, waren es im vergangenen Jahr sogar 72 zu entschädigende Unfälle. Die Gesamtkosten summierten sich auf 30.511,12 Euro. Kreisbrandmeister Holger Dyckhoff ergänzte:

"Der Dienst ist mit vielen Risiken verbunden. Es gibt bei Einsätzen viele Unwägbarkeiten."

Insgesamt sei die Feuerwehr mit der Unfallkasse "sehr zufrieden". Sie sei im Ernstfall ein verlässlicher Partner. Als Ursache für die vielen Unfälle machte Dyckhoff den heißen und trockenen Sommer 2018 aus. Allein bei einem Brand im Juli 2018 im Emsland seien sechs Einsatzkräfte verletzt worden. Zwei Personen erlitten Zerrungen und eine weitere eine Rauchgasvergiftung. Zudem mussten  drei Einsatzkräfte wegen Kreislaufprobleme medizinisch versorgt werden. In diesem Zusammenhang wies Dyckhoff darauf hin, dass auch im Emsland nicht alle Kommunen ihre Feuerwehrmänner und -Frauen mit mehreren Schutzkleidungen ausstatteten. Dabei sei gerade die sehr hitze-resistente Bekleidung, wie sie Einsatzkräfte bei Hausbränden tragen, nicht für lange Einsätze im Freien gerade bei hohen Temperaturen geeignet.


24 Unfälle

FUK-Geschäftsführer Wittschurky ging speziell auf den Moorband ein. "Uns wurden 24 Unfälle aus Niedersachsen gemeldet." Die bisherigen Heilbehandlungskosten summieren sich auf 40.900 Euro. Dabei sei ein Fall mit 27.000 Euo besonders kostenintensiv. In der Nacht zum 25. September wollte ein Feuerwehrkamerad in Meppen sein Fahrzeug verlassen und rutschte dabei von der matschigen Trittstufe ab. Der erlittene Sprunggelenkbruch führte im Laufe der ärztlichen Behandlung n zu Komplikationen. 

"Der Mann war ein halbes Jahr arbeitsunfähig."

 Erstaunlich sei, dass sich unter den 24 Verletzten kein Emsländer befand. In Sachen Moorbrand zog Angela Lißner als Amtsleiterin für Brand und Katastrophenschutz der Polozeidirektion Osnabrück eine überraschende Bilanz: "Die Abstimmungsprozesse unter den Einsatzkräften war Super, alle hatten alles im Griff." Demgegenüber erinnerte Landrat Reinhard Winter daran, dass früher im Emsland u.a. in Werlte und Lingen viele Bundeswehrsoldaten stationiert waren. Diese hätten zum Beispiel beim Hasehochwasser "dank des kurzen Dienstweges" wertvolle Hilfe geleistet. Jetzt müsse die Bundeswehr selbst zivile Kräfte zu Hilfe rufen.


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