Erlaubnis wegen schwerer Lungenerkrankung Meppener darf endlich einen Behindertenparkplatz benutzen

Von pm

Manfred Berlin freut sich über seinen neuen Schwerbehindertenausweis.  Foto: SoVDManfred Berlin freut sich über seinen neuen Schwerbehindertenausweis. Foto: SoVD

Meppen. Fast zwei Jahre hat Manfred Berlin, der an einer schweren Lungenerkrankung leidet, darauf gewartet, einen Behindertenparkplatz benutzen zu dürfen. Mit Hilfe des SoVD und seiner Ärztin hat Berlin die Nutzungserlaubnis erhalten.

Manfred Berlin gibt sich offen, lacht häufig und macht gerne mal einen Scherz. Nur wenn er aufstehen und einige Schritte gehen muss, zeigt sich, dass der 70-Jährige schwer krank ist. Wenige Schritte reichen aus, dann ringt er nach Luft, muss stehenbleiben und pausieren. Vor einigen Jahren erhält Berlin die Diagnose Lungenkrebs. Das trifft den Rentner hart, wirft ihn aber nicht aus der Bahn. Doch im Krankenhaus macht der behandelnde Arzt einen schweren Fehler bei der Operation. „Ich habe deshalb noch heute mit den Folgen zu kämpfen“, sagt Berlin. In den vergangenen Monaten verschlechtert sich sein Gesundheitszustand. Eine weitere Operation kann bei ihm nicht mehr durchgeführt werden. Das Risiko sei zu groß, dass er den Eingriff nicht überlebt, wie ihm die Ärzte mitteilen.

Ziel: Selbstständigkeit

Auch mit diesem schweren Schicksal arrangiert sich Berlin. Den Lebensmut verliert er deshalb nicht. „Solange wie es geht, möchte ich noch etwas selbstständig bleiben“, betont der 70-Jährige. Dazu gehört für ihn, weiterhin mobil zu sein. Das stellt Berlin allerdings vor ein Problem: Sein Auto kann er noch fahren, die Wege vom Parkplatz in die Geschäfte oder zu Veranstaltungen schafft der Rentner aber nicht mehr. Zunächst erhält Berlin eine von der Stadt Meppen ausgestellte Sondererlaubnis. Dabei hilft auch der Behindertenbeauftragte der Stadt Meppen, Walter Teckert mit. Allerdings muss dann die offizielle Umtragung des aG-Merkmals, also einem Kennzeichen für Menschen mit „außergewöhnlicher Gehbehinderung“ in den Schwerbehindertenausweis erfolgen, der gängige bürokratische Weg. Das zuständige Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie weigert sich jedoch zunächst, das aG-Merkmal in den Schwerbehindertenausweis einzutragen. Die Begründung: Berlin habe keine gesundheitliche Einschränkung, die ein aG-Merkmal rechtfertige.

SoVD legt Widerspruch ein

Der Rentner geht daraufhin zum SoVD-Beratungszentrum Meppen. „Der SoVD hatte mir schon bei vielen Anträgen und bei der Durchsetzung meiner Rente geholfen. Ich dachte, das schaffen die sicher“, erklärt Berlin. Sozialberaterin Christiane Bentlage legt sofort Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid ein. „Es ist zwar gut, dass grundsätzlich jeder Antrag kritisch geprüft wird“, sagt die Sozialberaterin. Schließlich müsse die Nutzung der Behindertenparkplätze nur denjenigen vorbehalten bleiben, die aufgrund einer Behinderung stark eingeschränkt seien. „Im Fall von Herrn Berlin war die Entscheidung aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt“, so Bentlage. Dennoch zeigt sich die Behörde weiterhin unnachgiebig.

Bentlage greift zum Telefonhörer und setzt sich mit der Lungenärztin Dr. Franziska Schmidt aus Papenburg in Verbindung. Sie erstellt ein Gutachten, in dem sie aus medizinischer Sicht deutlich macht, dass Berlin das aG, und damit das Recht auf Behindertenpakplätze braucht. Mit einem erneuten Widerspruch des SoVD wird das Gutachten der Behörde zugesendet. Zusätzlich ruft Bentlage in der Behörde an und erläutert die Situation. „Das mache ich nicht immer, aber diese Entscheidung hat mich doch ein Stück persönlich betroffen gemacht“, sagt Bentlage.

Der Einsatz des SoVD und der Ärztin lohnt sich. Berlin ist nun seit einem Monat im Besitz eines neuen Ausweises, der die Berechtigung zur Nutzung eines Behindertenparkplatzes enthält. „Ich habe ein Stück Lebensqualität zurückbekommen. Dafür bin ich wirklich dankbar“, freut sich Berlin.


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