Förderprogramm erfolgreich Mehr als 15 Hektar Blumenwiese für das Emsland

Eine Mageritenwiese. Foto: Maike HobergEine Mageritenwiese. Foto: Maike Hoberg

Meppen. Das Emsland ist ein wenig bunter geworden – dank eines Förderprogramms für Wildblumenwiesen, das der Landkreis vor einem Jahr aufgelegt hat. Vor allem Insekten profitieren von der bunten Pracht, für die man allerdings vor allem eines tun muss: Durchhalten.

Bei Maike Hoberg klingelt in diesen Tagen ziemlich oft das Telefon. Neben ihrer Arbeit als Managerin des Hot-Spot-Projektes „Lebensadern auf Sand“ kümmert sie sich um die Vergabe der Samen für die bunten Blumenwiesen, denn Interessenten erhalten das teure Saatgut kostenlos. 60000 Euro hat der Kreistag dem Programm zugebilligt, und die Nachfrage ist groß, wie Maike Hoberg berichtet. 

Allein im Jahr 2018 haben 49 Antragsteller 122 Kilogramm Saatgut angefragt und im Meppener Kreishaus abgeholt – „das reichte für 6,1 Hektar Blumenwiese“, sagt Hoberg. Und bis Anfang März 2019 hätten 31 neue Antragsteller Saatgut für weitere 9,6 Hektar bestellt. Beantragt wurden die Mischungen mit Margeriten, Labkraut und Wilder Möhre für Flächen zwischen 20 und 8000 Quadratmetern. Sie bestehen zu 90 Prozent aus Blumensamen und zu zehn Prozent aus schwach wüchsigen Gräsern – alle Samen stammen zertifiziert aus der Region. Die Samen werden von in der Region wachsenden Wildblumen gesammelt und dann in Betrieben vermehrt.

Aus zertifizierter heimischer Herkunft stammen die Blumensamen, die im Emsland im Rahmen des Förderprogramms ausgegeben werden. Foto: Hoberg

„Und genau das ist wichtig“, betont Hoberg. Denn die Lebensgemeinschaften der Natur seien aufeinander abgestimmt, im Emsland seien eben Blumen magerer Sandstandorte heimisch und nicht die dekorativ großen, aber ökologisch weit weniger wertvollen Pracht- oder Wildackermischungen, die zum Beispiel Mauretanische Malve, Sonnen- oder Ringelblumen enthalten und dazu aus Zuchtformen der heimischen Blumenarten bestehen.

Prachtvoll aber nicht von Dauer: Wildacker im Emsland. Foto: Tobias Böckermann

Diese blühten zwar schön und seien in der Bevölkerung als irgendwie natürlich akzeptiert. Aber dauerhafte Lebensräume für wilde Insekten böten sie nicht. Lediglich die Honigbiene und das Niederwild profitierten davon.

Deshalb plädiert der Landkreis für die zertifizierten heimischen Wildblumensamen und verwendet diese auch selbst ausschließlich auf Naturschutzflächen – rund 20 weitere Hektar sind so schon zusammengekommen.

Weil das Saatgut teuer ist, gibt die Kreisverwaltung es unbürokratisch an Privatpersonen ab – lediglich die Dauerhaftigkeit der Maßnahme muss schriftlich bestätigt und später durch Fotos nachgewiesen werden.

Beratung gibt es bei Maike Hoberg, denn die weiß aus Erfahrung: Die Neuanlage einer Wildblumenwiese ist eigentlich einfach, hängt aber von den Standortbedingungen ab. „Ein paar Dinge müssen beachtet werden“, sagt Hoberg, dann könne es gut klappen. Wichtigstes Kriterium: der Standort muss sonnig sein und über sandigen und mageren Boden verfügen. Anhand eines einzusendenden Fotos versucht Hoberg, den vorgesehenen Ort im Vorfeld zu begutachten.

Eine natürliche Blumenwiese.

Ist dieser nährstoffreicher als gut wäre, sollte die Fläche abgeschält werden. Auf jeden Fall könne man Überraschungen erleben, wenn man Flächen neu herrichte, sagt Hoberg. Denn es könnten dabei Pflanzen aus im Boden schlummerndem Samenpotential auftauchen, mit denen man nicht gerechnet hat, die dort aber vor Jahrzehnten wuchsen.

Die Keimung der Wildblumenwiese bleibe zudem letztlich eine Sache der Natur. „Mal regnet es zu wenig, ein Gewitterschauer oder Sturm schwemmt oder bläst die frisch ausgestreuten Samen weg, oder es kommt noch mal strenger Nachtfrost“, sagt Hoberg.

Deshalb sei Geduld gefragt und auch ein wenig Gelassenheit. Denn gerade im Winter sähen Wildblumenwiesen eher etwas unordentlich und nicht wie ein Golfplatz aus, weil die Blütenstände bis zum Frühjahr stehen bleiben sollten.

Wildblumenwiese im Spätwinterkleid. Foto: Tobias Böckermann

Viele Wildblumenflächen entwickelten sich langsam und sähen manchmal auch erst im zweiten Jahr gut aus, sagt die Expertin. „Oder sie brauchen nach der Aussaat einen Pflegeschnitt, um unerwünschte Beikräuter wie Ampfer, Disteln oder Schlangenknöterich vor der Blüte abzumähen. Früher oder später kommen die Wildblumen dann schon durch.“

Ansprechpartner: Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland, Maike Hoberg, Telefon 05931/441578 oder maike.hoberg@emsland.de


Grünland aus Menschenhand

Grünland ist ein von Menschen gemachter Lebensraum. Denn ohne regelmäßigen Schnitt gäbe es keine Wiese, ohne Beweidung durch Nutztiere wie Kühe, Schafe oder Pferde keine Weide. Überraschenderweise hat die frühe Intensivierung der Landwirtschaft – und nichts Anderes war das Anlegen und regelmäßige Düngen von Wiesen einst - lebt knapp mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten Deutschlands im Grünland. Sie haben sich vor Jahrtausenden hier zusammengefunden unter dem Einfluss des Menschen.  

Aber dieser höchst wertvolle Lebensraum ist gefährdet, weil nun eine neue Form der Intensivierung die einst vom Landwirt geschaffene Artenvielfalt wieder dezimiert. Blumenreiche Wiesen und Weiden entsprechen nicht mehr den modernen Produktionsanforderungen der Landwirtschaft. Sie wurden in Acker umgewandelt oder durch Intensivierung der Nutzung in eintönige Grasäcker verwandelt. Der Wissenschaftler Hans-Christoph Vahle (Witten) hat in einem Forschungsprojekt „Gesunde Landschaften durch artenreiche Mähwiesen“ herausgearbeitet, wie man artenreiche Wiesen wieder entstehen lassen kann. Mehr dazu unter www.vegetationskun.de

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN