Land Unter e.V. im Emsland aktiv Heide, Schafe, Blutegel: Naturschutzverein zieht Bilanz

Mit Bentheimer Landschafen pflegt der Naturschutzverein land Unter e.V. aus Meppen wertvolle Heidelandschaften im Emsland. Das Bild zeigt die Folgen der Dürre des vergangenen Jahres. Sogar widerstandsfähige Heide ist nach Vereinsangaben vertrocknet.Mit Bentheimer Landschafen pflegt der Naturschutzverein land Unter e.V. aus Meppen wertvolle Heidelandschaften im Emsland. Das Bild zeigt die Folgen der Dürre des vergangenen Jahres. Sogar widerstandsfähige Heide ist nach Vereinsangaben vertrocknet.

Meppen. Der Meppener Naturschutzverein hat über zahlreiche Erfolge beim Schutz seltener Pflanzen berichtet. Im Rahmen der Hauptversammlung im Meppener Kossehof wurde aber auch deutlich: Die Dürre des Vorjahres hat Folgen.


Die Ablammzeit ist der Höhepunkt der Schäfersaison.


Einer Pressemitteilung zufolge waren rund 45 der 140 Vereinsmitglieder bei der Generalversammlung dabei. Vorsitzender Tobias Böckermann berichtete, dass der 1996 gegründete Verein derzeit rund 40 Hektar wertvoller Heidelandschaften und Magerrasen mit Bentheimer Landschafen und Niederländischen Landziegen pflege.  

Auch Niederländische Landziegen gehören zur Herde.


Die fünf Naturschutzgebiete liegen rund um Meppen und auf dem Hümmling und beherbergen nach Böckermanns Angaben eine extrem große Artenvielfalt. So finde sich am Versener Heidesee der niedersachsenweit größte Bestand des Gemeinen Igelschlauchs, einer kleinen Heideweiherblume. Auch das Vorkommen des europaweit bedrohten Fadenenzians sei mit 72000 Exemplaren überregional bedeutend. An anderer Stelle betreut der Verein den vermutlich größten Bestand heimischer Orchideen im Emsland. 

Der Gemeine Igelschlauch wächst zu Tausenden im Versener Heidesee und profitiert von der Beweidung der Ufer.


Insgesamt kämen auf den vom Verein gepflegten Flächen rund 75 Tier- und 40 Pflanzenarten der Roten Listen vor, unter anderem wurde 2018 der Medizinische Blutegel entdeckt.. Ein großer Teil davon sei auf offene, nährstoffarme Lebensräume angewiesen, was der Verein durch angepasste Beweidung seit inzwischen mehr als 20 Jahren zu erreichen versuche. Die Bentheimer Schafe werden dabei im Herdbuch gezüchtet, der Nachwuchs bundesweit verkauft.

Im vergangenen Jahr habe allerdings die extreme Dürre einen Teil der Heideflächen vertrocknen lassen, berichtete der Vorstand. Deshalb müsse man die Beweidung in diesem Jahr umstellen. Als Reaktion auf die Dürre habe der Landkreis Emsland in Absprache mit dem Verein einen Teil der Mansenberge, eines Heidegebietes in Klein Berßen, mulchen lassen. So soll die Heide wieder neu auskeimen können. 

Dürreschäden in der Heide.


Böckermann berichtete auch über erste Erfahrungen mit den inzwischen zwei errichteten wolfsabweisenden Elektrozäunen, die am Versener Heidesee und in Berßen in Betrieb genommen wurden. Zahlreiche Schafhalter, aber auch Behördenvertreter hätten sich inzwischen vor Ort informiert. Nach Böckermann Angaben stellen die Zäune für Wildtiere zwar eine Barriere dar, aber keine unüberwindliche. 

Für Kleintiere seien sie ohnehin kein Problem und selbst für Rehe passierbar, auch wenn das nicht so oft vorkomme. Der Vorsitzende betonte angesichts eines Zwischenfalls mit einem wildernden Hund im vergangenen Jahr, dass „wolfsabweisend“ leider wie erwartet nicht „wolfssicher“ bedeute. Dennoch sei man überzeugt, dass kleine Weidetiere wie Schafe und Ziegen nur mit Stromzäunen annähernd wirkungsvoll geschützt werden könnten.


Mehrfach im vergangenen Jahr haben sich Interessierte den wolfsabweidenden Zaun des Vereins angeschaut.


Aufgrund der Ausbreitung des Wolfes auch im Emsland habe man beim Land Niedersachsen Gelder für weitere mobile Elektrozäune beantragt, mit denen die Schafe auf drei nicht wolfsabweisend eingezäunten Flächen geschützt werden sollen, auf denen die Schafe nur kurzzeitig weiden.

Vorstandsmitglieder Günter Wester berichtete über das seit einiger Zeit vorbereitete Bienenprojekt des Vereins. Nach der Errichtung eines sogenannten „Bienenzaunes“ am Versener Heidesee, also eines historischen Vorbildern nachempfundenen Bienenstandes, sollten in diesem Jahr Bienen für die eigene Imkerei angeschafft werden.

Neuentdeckung am Versener Heidesee: Der Medizinische Blutegel.


Nach dem Kassenbericht von Jürgen Scholz beschloss die Versammlung einstimmig die Entlastung des Vorstandes. Der will in diesem Jahr weitere Projekte vorantreiben, unter anderem den Fuhrpark um den im vergangenen Jahr angeschafften Oldtimer-Traktor erweitern. Damit sollen auch maschinelle Pflegearbeiten möglich werden.



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