Kein großer Wurf Tourneetheater zeigt „Wunschkinder“ in Meppen

Michael Potthast

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Erst Komödie, dann Drama: Gerd (Martin Lindow), Selma (Josepha Grünberg) mit Marc (Lukas Schöttler) und Bettine (Ulla Wagener) in „Wunschkinder“. Foto: Michael PotthastErst Komödie, dann Drama: Gerd (Martin Lindow), Selma (Josepha Grünberg) mit Marc (Lukas Schöttler) und Bettine (Ulla Wagener) in „Wunschkinder“. Foto: Michael Potthast

Meppen. Lutz Hübner, Autor von „Frau Müller muss weg“, hat gemeinsam mit seiner Frau Sarah Nemitz das Theaterstück „Wunschkinder“ verfasst, das nun in einer Tourneefassung des Eurostudio Landgraf im Meppener Theater zu sehen war. An den Erfolg der berühmten Schulkomödie konnten sie nicht anknüpfen.

Genau wie bei dem bekanntesten Stück der beiden ist es auch mit „Wunschkinder“: Die Szenerie dürfte einigen Theaterbesuchern in Grundzügen bekannt vorkommen. Leider gleitet diese spätestens im zweiten Teil zu sehr ins allzu Pathetische ab. Hinzu kommt die zu sehr um sich selbst drehende Regie von Volker Hesse.

Abiturient Marc (Lukas Schöttler) wird von seinen Eltern als lebensunfähig angesehen. Nach abgeschlossener Schule gammelt er herum – ohne konkreten Plan für die Zukunft, was Vater Gerd (Martin Lindow) und Mutter Bettine (Ulla Wagener) missfällt. Schließlich verliebt er sich in Selma (Josepha Grünberg), die sehr wohl Struktur und Ehrgeiz entwickelt hat. Ihre kurze Zeit später festgestellte Schwangerschaft ruft bei allen eine Ausnahmesituation hervor.

Entscheidender Kniff fehlt

Hübner und Nemitz verarbeiten erneut Alltagssituationen und Zeitgeschehen in einem Stück. Die einzelnen Probleme sind weit entfernt von hochkomplexen Sachverhalten und grundsätzlich nachvollziehbar in ihrer Darstellung. Was zunächst annähernd komödiantisch beginnt, entwickelt sich im Laufe des Abends zu einem Drama.

Genau da liegt wohl auch der größte Kritikpunkt an dem Buch: Bis zum Schluss fehlt es, vor allem aufgrund der Komplexität aller auftretenden Charaktere, die sich in der Kürze der Zeit schwerlich entwickeln können, an dem einen entscheidenden dramaturgischen Kniff. Weniger wäre mehr gewesen.

Überdrehte Szenen

Volker Hesse stellt seine Regie zu sehr in den Mittelpunkt der Inszenierung, wodurch teilweise nicht nachvollziehbare oder überdrehte Szenen entstehen. In Zusammenhang mit dem aus Gitterrosten bestehenden Bühnenbild von Rolf Spahn schimmert ein Funke Regietheater durch, der dem Stück nicht guttut.

Die sechsköpfige Schauspielerriege gibt trotzdem alles. Selmas Mutter Heidrun (gespielt von Katharina Heyer) verdient den wohl größten Respekt. Unterm Strich bleibt ein fader Beigeschmack: „Wunschkinder“ dürfte nicht der größte Wurf des Autorenduos sein.


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