780 Gäste in Meppen Landkreis Emsland dankt Helfern des Moorbrandes

Bei rund 780 Einsatzkräften des Moorbrandes auf der WTD 91 im Herbst 2018 hat sich der Landkreis Emsland am Dienstagabend in Meppen bedankt.  Stellvertretend  zeigt das Foto von links: Dennis Moseke (THW-Ortsverein Meppen), Detlef Dühnen (Feuerwehr Klein Berßen), Karina Bilk (Katastrophenschutzstab beim Landkreis Emsland), Rainer Diekmann (Malteser Papenburg), Jürgen Hanekamp (DRK Bereitschaft Lathen) und Peter Gutendorf (ASB Osnabrück-Werlte). Foto: Tobias BöckermannBei rund 780 Einsatzkräften des Moorbrandes auf der WTD 91 im Herbst 2018 hat sich der Landkreis Emsland am Dienstagabend in Meppen bedankt. Stellvertretend zeigt das Foto von links: Dennis Moseke (THW-Ortsverein Meppen), Detlef Dühnen (Feuerwehr Klein Berßen), Karina Bilk (Katastrophenschutzstab beim Landkreis Emsland), Rainer Diekmann (Malteser Papenburg), Jürgen Hanekamp (DRK Bereitschaft Lathen) und Peter Gutendorf (ASB Osnabrück-Werlte). Foto: Tobias Böckermann 

Meppen. Im September ist das Emsland nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Der Moorbrand forderte den Einsatz Tausender Helfer von Feuerwehren, THW und Rettungsdiensten. Ihnen hat der Landkreis Emsland am Dienstagabend gedankt.

Rund 780 Menschen waren der Einladung des Landkreises in den Meppener Saal Kamp gefolgt – 1300 haupt- und ehrenamtliche Kräfte waren allein aus dem Emsland bei der Bekämpfung des Moorbrandes dabei und verhinderten Schlimmeres. Sie alle waren eingeladen - nicht alle hatten zusagen können.

Ein Abend des Dankes sollte die Veranstaltung werden und Landrat Reinhard Winter nutzte seine Rede um deutlich zu machen, wie wichtig der Einsatz aller Helferinnen und Helfer gewesen sei – sowohl auf hauptamtlicher wie auf ehrenamtlicher Ebene. „Wir haben alle emsländischen Einsatzkräfte der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerkes und des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes sowie viele weitere Beteiligte, zum Beispiel aus dem Katastrophenschutzstab, etwa die Fachberater der Polizei oder der Bundeswehr und natürlich auch der Verwaltung, eingeladen“, sagte Winter.

Er rekapitulierte die Ereignisse des Septembers und verwies auf den in der vergangenen Woche erschienenen Bericht der Bundeswehr zu den Abläufen. Fehler seien eingeräumt und Konsequenzen gezogen worden, lobte der Landrat. Weder Existenz noch Aufgabenstellung der WTD 91 ziehe man in Zweifel. Sie bleibe ein wichtiger emsländischer Betrieb.

Einsatzbesprechung während des Feuers. Foto: Harry de Winter


Dennoch seien während des Feuers Fehler geschehen, die zum Teil zu unübersichtlichen Situationen geführt hätten. Ein Problem sei die fehlende Weitergabe von Wissen durch die Bundeswehr gewesen, ebenso die an sich nicht zu kritisierende Tatsache, dass allein die Bundeswehr für die WTD zuständig gewesen sei und der Landkreis hier keinen Einfluss auf den Einsatz habe nehmen können. Lange Zeit habe die Bundeswehr den Brand falsch eingeschätzt. Der „Landkreis wurde dann öffentlich mitverhaftet, weil Zuständigkeiten so schwer zu erklären waren.“

Als sich die Lage am 18. September zuspitzte, seien bereits umfangreiche Schadstoffmessungen erfolgt, „erst im Auftrag der Bundeswehr, später auf unsere Veranlassung, unter anderem mit Hilfe unabhängiger Büros aus Lingen, NRW und Bayern“, betonte Winter. 

Der Krisenstab habe im Schichtsystem mit fast 90 Mitarbeitern der Verwaltung sowie Fachberatern von Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdiensten und anderen eine ganze Reihe an gezielten Maßnahmen eingeleitet, vor allem um Stavern zu schützen. Dennoch habe er später vorsorglich den Katastrophenfall ausrufen müssen, erinnerte Winter.

„Das Medieninteresse daran ist verständlich. Kein Verständnis habe ich aber für die zum Teil haarsträubenden Behauptungen rund um die Gesundheitsbelastung durch die Rauchentwicklung. Fakt ist, dass alle Messungen unauffällig waren und unter den jeweiligen Grenzwerten lagen.“ 

Im Dauereinsatz war die Feuerwehr.


Jetzt gehe es zum einen um den Schaden für die Umwelt, selbst wenn dieser derzeit noch nicht zu beziffern sei. „Es muss eine detaillierte Bestandsaufnahme über alle Schäden in dem Naturschutzgebiet geben, so dass Flora und Fauna gezielt wiederhergestellt werden können. Wir werden nachhaltig Druck machen, dass entsprechende Gutachten zeitnah beauftragt und umgesetzt werden.“ Ausgleichsmaßnahmen müssen nach Winters Einschätzung im Emsland vorgenommen werden.

Zum anderen sei ein Imageschaden für die Region und die Verwaltung entstanden, „den wir nicht ignorieren können.“ Die kurzfristig eingerichtete Schadenannahmestelle der Bundeswehr habe immerhin sehr effektiv und fair agiert, so dass monetäre Schäden zum Teil bereits ausgeglichen wurden. Der Landkreis werde aber eine weitere Rechnung in Höhe von zunächst 930.000 Euro stellen.

Wie viel Natur hat das Feuer zerstört? Die Frage wird noch zu klären sein. Foto: Tobias Böckermann


"Wenn wir etwas Positives mitnehmen wollen, dann ist es die Tatsache, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist, darüber bin ich sehr froh", sagte Winter. "In diesem Kontext möchte ich mich ebenfalls ausdrücklich bei den Einwohnerinnen und Einwohnern im betroffenen Gebiet bedanken. Die Gelassenheit und auch das Vertrauen in die Kräfte vor Ort, waren beeindruckend. Den Emsländer bringt so schnell nichts aus der Ruhe.“


Winter dankte nicht nur den Einsatzkräften von Herzen, sondern auch der Bevölkerung, die zum teil mit Sachspenden, Kuchen und Getränken geholfen hätten. "Das war ein wichtiges Signal der Verbundenheit".  Auch dankte der Landrat den Arbeitgebern der Helfer, die sie in den betreffenden Tagen freigestellt haben. „Als wichtigste positive Erkenntnis nehme ich mit, dass unsere Strukturen im Katastrophenschutz funktionieren – und dass wir uns auf Sie alle verlassen können. Fakt ist nämlich, dass die Bundeswehr ohne Sie alle den Brand nicht in den Griff bekommen hätte.“

Voll besetzt war der Saal Kamp in Meppen.


Ein deutliches Bekenntnis zur Bundeswehr kam auch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connenmann, Sie war neben den anderen Abgeordneten des Emslandes, sowie Bürgermeistern und Kreistagsabgeordneten ebenfalls bei der Dankveranstaltung dabei. 

Connemann betonte, der Slogan "Willkommen bei den Machern" treffe ausdrücklich auf alle Helferinnen und Helfer zu. 1700 Frauen und Männer seien dabei gewesen und sie alle unterschieden sich so wie heute Abend vielleicht durch ihre Uniformen. "Aber Sie eint die Bereitschaft, für andere durchs Feuer zu gehen." 

Connemann kritisierte, der Umgang der Bundeswehr mit den beteiligten zivilen Behörden sei kein Umgang auf Augenhöhe gewesen und dies nicht akzeptabel. "Die Bundeswehr hat Fehler gemacht, die Verteidigungsministerin sich entschuldigt und Konsequenzen angekündigt."

Die Ehrengäste mit Vertretern aller beteiligten Behörden und öffentlicher Organe sowie der Bürgermeister.


So wie nach ihr auch CDU-Landtagsabgeordneter Bernd Busemann forderte Connenmann gemeinsam mit Landrat Winter, jegliche ökologische Ausgleichsmaßnahmen nicht irgendwo im Lande Niedersachsen, sondern  im Emsland vorzunehmen.

Busemann betonte bei aller gebotener Kritik am Moorbrand die Verbundenheit der Region zur WTD 91, für deren Existenz als starker Partner in der Region man auch dankbar sei.


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