Ablehnung und Lob für Bilanz Moorbrandbilanz: Feuerwehr fordert noch engere Zusammenarbeit mit WTD

Tobias Böckermann, Klaus Wischemeyer und Tobias Schmidt

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Ein massiver Löscheinsatz war im Spätsommer 2018 auf der WTD notwendig.Ein massiver Löscheinsatz war im Spätsommer 2018 auf der WTD notwendig.

Meppen. Die Bilanz des Bundesverteidigungsministeriums zum Moorbrand beim Meppen hat zu zahlreichen Reaktionen geführt – zwischen Ablehnung und Lob. Die Feuerwehr im Emsland fordert eine noch engere Zusammenarbeit mit der WTD. Am 6. April könnte in Stavern Dankesfeier für die Einsatzkräfte stattfinden.

Lambert Brand, Sprecher der Kreisfeuerwehr im Emsland, ist aus „Feuerwehrsicht“ grundsätzlich einverstanden mit dem Bericht der Bundeswehr. Er ist überrascht, wie detailreich und kritisch die Aufarbeitung auf mehr als 40 Seiten dargestellt wurde.

In dem Bericht komme aber zu kurz, dass die emsländischen Feuerwehren nicht nur zur Löschwasserversorgung und Brandbekämpfung eingesetzt waren, sondern sogenannte TEL/IuK-Gruppen (Technische Einsatzleitung/Information und Kommunikation) aus den Brandschutzabschnitten Nord, Mitte und Süd über einen längeren Zeittraum in die Einsatzführung integriert waren. Darüber hinaus wirkten diese Kräfte zusammen mit der Kreisfeuerwehrführung im Lagezentrum mit.


Unterm Strich aber habe die Bundeswehr zahlreiche wichtige Details ausgearbeitet und die richtigen Konsequenzen angekündigt. So sei die Verbesserung der Löschtechnik ebenso wichtig wie die vorgesehene Prüfung des Feuchtigkeitszustandes der Tinner Dose vor Schießversuchen. 2018 hatte die WTD sich hauptsächlich auf den Waldbrand- und Grasbrandindex gestützt, der keine Gefahr vorhersagte. „Damals war aber alles knochentrocken“, sagt Brand. „Mit gesundem Menschenverstand hätte man die Gefahr für das Moor und die umliegenden Flächen erkennen können.“

Wichtig für die Zukunft sei aus Sicht der Feuerwehr auch eine konsequentere Vorbereitung zum Beispiel durch gemeinschaftliche Übungen und Begehungen auf derartige Ereignisse. „Wir müssen den umliegenden Ortsfeuerwehren vorweg bessere Karten und Einsatzpläne an die Hand geben und beantworten: wo ist welcher Zugang in welchen Teilbereich der WTD, wo liegen die Tiefbohrbrunnen, wo kann man gerade wegen Feuchtigkeit oder Blindgängern nicht mit Fahrzeugen einfahren.“

Wichtig ist den Feuerwehren der wiederholte Hinweis auf das Fehlen von Katastrophenschutzfahrzeugen beziehungsweise deren hohes Alter. Diese Fahrzeuge stehen zwar in einigen Feuerwehren und wurden beim Moorbrand auch dringend benötigt. Allerdings sei das Meppener Fahrzeug bereits ausgefallen, die anderen bis zu 40 Jahre alt. Hier sei der Bund in der Pflicht, endlich für Ersatz und Ergänzungen zu sorgen. Dabei müsse auch ein Schwerpunkt auf geländefähige Fahrzeuge gelegt werden.

"Mängel offen benannt"

Landrat Reinhard Winter teilte am Mittwoch mit: "Der Abschlussbericht der Bundeswehr benennt sehr offen, dass Mängel in der personellen, organisatorischen Ausstattung und beim Material bestehen. Es liegt die Erkenntnis vor, dass nachgebessert werden muss, was wir begrüßen. Es werden ebenfalls erste Maßnahmen genannt, die umgesetzt werden sollen. Eine enge Abstimmung befürworte ich hier ausdrücklich." 

Rede und Antwort standen (Bild oben) Reinhard Winter (von links), Boris Pistorius und Gerd Hoofe sowie (Bild unten) Brandschutzexperte Andreas Sagurna während des Moorbrandes bei einer Pressekonferenz im Kreishaus.

Bei der Kommunikation zeige sich dieses Bestreben nach Verbesserung bereits, denn es bestehe seit geraumer Zeit ein Arbeitskreis, den die Bundeswehr ins Leben gerufen habe und der mit dem Landkreis Emsland und den emsländischen Kommunen besetzt sei. "Dieser Arbeitskreis ist ein erster Schritt und gut geeignet, um die vielfältigen Themen gemeinsam anzugehen, die die Aufarbeitung des Moorbrandes betreffen und auch die Frage danach, wie die Bundeswehr sich in vergleichbaren Situationen künftig aufstellen möchte." 

"Intensiv auseinandergesetzt"

Auch Staverns Bürgermeister Helmut Rawe und Sögels Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers äußerten sich zum Untersuchungsbericht. Er lasse erkennen, dass sich das Verteidigungsministerium sehr intensiv mit dem Brandereignis und den daraus notwendigerweise einzuleitenden Verbesserungsmaßnahmen auseinandersetzt habe, schreiben sie.  

„Alle wesentliche Defizite, die das Brandereignis hat zu Tage treten lassen, werden in dem Bericht offen angesprochen und erste Vorschläge für eine jeweilige Optimierung unterbreitet. Der Bericht unterstreicht nicht zuletzt die Bedeutung der Wehrtechnischen Dienststelle 91 für die Sicherheit und den Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten.“

Die Gemeinde Stavern und die Samtgemeinde Sögel vertreten demnach die Auffassung, „dass mit dem Bericht ein erster Schritt getan wird, das Vertrauen in die WTD 91 wiederherzustellen“. Sie sprechen sich für den Fortbestand und die Weiterentwicklung dieser für nationale und Bündnisaufgaben wichtigen Bundeswehreinrichtung aus und danken der Bundeswehr für die bisher zügige und unkomplizierte Schadensregulierung.

Am 6. April in Stavern?

Nach Angaben des Landesinnenministeriums ist die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigte Dankesfeier für die Einsatzkräfte am 6. April in Stavern angesetzt. Das Bundesverteidigungsministerium wollte den Termin auf Anfrage unserer Redaktion weder bestätigen noch dementieren. Es sei eine gemeinsame Kommunikation aller Beteiligten zu einem späteren Zeitpunkt geplant, begründete eine Ministeriumssprecherin .

Auf dem Gelände der WTD in Meppen stellten sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und NIedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil den Fragen der Journalisten.

"Unverantwortlich"

Grünen-Verteidigungsexpertin Katja Keul hat die Aufarbeitung des Moorbrandes auf einem Truppengelände im Emsland derweil scharf kritisiert. "Dass die Bundeswehr bereits jetzt den Schieß- und Sprengbetrieb wieder aufnimmt, bevor überhaupt alle Umstände des eskalierten Moorbrandes umfassend aufgeklärt wurden, halte ich für unverantwortlich", sagte Keul der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Der Abschlussbericht für den Verteidigungsausschuss des Bundestages, der jetzt vorgelegt wurde, lasse "die Frage offen, was eigentlich genau zwischen dem 4. und dem 9. September geschehen ist und weshalb der Brand bis zum 21. September dann gänzlich außer Kontrolle geriet". 

Es sei "völlig unverständlich, dass bis heute keine Dekontaminierung des Geländes, also eine Sanierung der Altlasten in Angriff genommen wird, wie es für jeden Eigentümer oder Verursacher in der Bundesrepublik Pflicht ist", kritisierte die niedersächsische Bundestagsabgeordnete die Bundeswehr. "Es ist bis heute nicht einmal ein Kataster der Munitionsreste erstellt worden, obwohl dies bereits 2008 in Auftrag gegeben wurde." Munitionsrückstände seien einer der Hauptgründe nicht nur für die Entstehung von Bränden, sondern vor allem auch für die Schwierigkeit der Löschung dieser Brände, sagte Keul.

"Falsche Einschätzungen"

Nach scharfer Kritik an der Bundeswehr und der Feststellung erheblicher Mängel, blickt die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder optimistisch auf den geplanten Maßnahmenkatalog: „Grobe Mängel, Fehlplanungen und falsche Einschätzungen haben zu der Katastrophe des Moorbrands geführt, die durchaus vermeidbar gewesen wären. Deshalb sei die Beschaffung von zwei Moorraupen zur Bergung von Kampfmitteln sowie der Einsatz von Aufklärungsdrohnen zu begrüßen. "Die Kartografierung von Munitionsrestbeständen ist dabei eine unbedingte Notwendigkeit“, betont Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems. 

Dr. Daniel De Ridder.

Nach ihren Angaben sollen Schneisen den Brandschutz verbessern und vor allem auch ein gemeinsamer Arbeitskreis zwischen der Bundeswehr und der Naturschutzbehörde des Emslandes installiert werden, so dass die Umweltschäden durch den Brand aufgearbeitet werden können. Ein auf zehn Jahre angelegtes Monitoring soll zudem Lebensraumtypen, Biotope und das Artenvorkommen beobachten und daraus notwendige Maßnahmen zu deren Schutz ableiten. 


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