Duo Bernstein spielt jiddische Musik im Jam Konzert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Meppen

Heinrich Schepers

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Meppen. Mit einem Konzert des Duos Bernstein hat der Heimatverein Meppen im Jugendzentrum Jam in Meppen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. 1996 wurde der Jahrestag dieser Befreiung zum offiziellen deutschen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Dieses Datum hat der Heimatverein Meppen zum Anlass genommen, um mit einem Konzert des Duos Bernstein an die Verfolgung der Juden zu erinnern.

Ausstellung „Auch in Meppen brannte die Synagoge“

„An solch einem Tag sollte man ein Zeichen setzen“, sagte Marc-André Burgdorf, Vorsitzender des Meppener Heimatvereins. Es sei wichtig, an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern, so Burgdorf weiter. Das Konzert biete anlässlich des Gedenktages hierfür einen angemessenen Rahmen und passe zur Ausstellung „Auch in Meppen brannte die Synagoge“, die vom Heimatverein organisiert wurde. Nicht nur in Auschwitz, Sobibór und Treblinka seien furchtbare Verbrechen von den Nationalsozialisten verübt worden. Auch vor Ort in Meppen habe es Pogrome gegeben. „Daran sollte erinnert werden“, sagte Burgdorf. Aus diesem Grund verzichtete der Heimatverein auf das Eintrittsgeld für das Konzert und bat die Besucher stattdessen um eine Spende für den Initiativkreis Stolpersteine.

Zweistimmig und mit viel Gefühl

Das Konzert gestalteten Inge Streeck und Siegfried Jozwiak. Sie trugen als Duo Bernstein Lieder aus der Tradition der jiddischen Musik vor. Die in jiddischem Dialekt verfassten Lieder, die zum Teil über Jahrhunderte in der jüdischen Musiktradition überliefert sind, sang das Duo zumeist zweistimmig und mit viel Gefühl. Eine facettenreiche Spielweise bewies Streeck mit ihrer Mandoline, ein Instrument, das sie seit ihrem zwölften Lebensjahr beherrscht. Mal mit leisen Tönen und mal energisch untermalte sie stimmungsvoll die einzelnen Musikstücke mit ihrem Instrument. Der 83-jährige Jozwiak ergänzte das Mandolinenspiel gekonnt mit seiner Gitarre.

Schicksal einer jüdischen Händlerfamilie

Jozwiak erläuterte während der Veranstaltung den Kontext der vorgetragenen Stücke vor dem Hintergrund der jüdischen Geschichte. Wesentliche Themen der weltlichen jiddischen Musik seien Flucht, Vertreibung und Verfolgung, wie Jozwiak erklärte. Das Lied „Tsen Brider“ (Zehn Brüder) handelt vom Schicksal einer jüdischen Händlerfamilie, dass mit Ironie und bitterem Humor erzählt wird. In dem Lied stirbt ein Bruder nach dem anderen, weil sie zu wenig zu essen haben. „Der letzte Bruder bleibt in Trauer zurück“, so Jozwiak. Im Lied „Dos Kelbl“ (Das Kälbchen) geht es um ein Kalb, das zur Schlachtbank geführt wird und behandelt auf symbolische Weise die Situation der Juden im Dritten Reich. Ganz im Gegensatz zu diesen melancholischen Stücken finden sich ebenso häufig Hochzeitslieder in der Tradition der jiddischen Musik, in der die Liebe das bestimmende Thema ist. Sie vermitteln Lebensfreude und Hoffnung.

Melancholischen und fröhlich

Diese gelungene Mischung aus melancholischen und fröhlich gestimmten Liedern sorgte dafür, dass nicht ausschließlich die tragische Seite über das Leid der Juden das Konzert bestimmte. Vielmehr wurden zusätzlich positive Emotionen, die ebenfalls in der jiddischen Musiktradition anklingen, zum Ausdruck gebracht. So bot das Konzert den Besuchern einen stimmungsvollen und vielschichtigen Musikgenuss, der die Konzertbesucher zugleich nachdenklich und, vor dem Hintergrund des Gedenktages, betroffen gemacht haben dürfte.

Nach zwei Zugaben wurden die beiden Musiker mit lang anhaltendem Beifall des begeisterten Publikums für das Konzert belohnt. Der beeindruckende Auftritt des Duos war somit rundum gelungen und beinhaltete außerdem ein wichtiges Signal gegen das Vergessen der Gräueltaten des Nationalsozialismus.


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