Für Preußen in den Krieg Vortrag in Meppen für emsländische Familienforscher

Der Arbeitskreis Familienforschung der Emsländischen Landschaft hat getagt, von links: Vorsitzender Ludwig Remling, Thea Rohling (Fachstelle), Christa Schlodarik, Josef Grave (Geschäftsführer der Emsländischen Landschaft), Heinrich Voort, Karl-Ludwig Galle und Buchautor Dirk Ziesing. Foto: Manfred FickersDer Arbeitskreis Familienforschung der Emsländischen Landschaft hat getagt, von links: Vorsitzender Ludwig Remling, Thea Rohling (Fachstelle), Christa Schlodarik, Josef Grave (Geschäftsführer der Emsländischen Landschaft), Heinrich Voort, Karl-Ludwig Galle und Buchautor Dirk Ziesing. Foto: Manfred Fickers

Meppen. Mit der preußischen Landwehr 1813 bis 1815 im Emsland hat sich der Arbeitskreis Familienforschung befasst.

Vorsitzender Ludwig Remling erklärte, dass die Mitglieder im Arbeitskreis der Emsländischen Landschaft über Kirchenbücher und Standesamtsakten hinaus viele personenbezogene Informationen aus anderen Dokumenten nutzen und gleichzeitig der historischen Forschung Impulse geben. Beispiele finden sich im neu erschienenen Heft 147 Emsländische und Bentheimer Familienforschung. Gast der 72. Mitgliederversammlung in Meppen war Dirk Ziesing, der sein Buch "Das Emsland und die westfälische Landwehr in den Befreiungskriegen 1813 - 1815" vorstellte.Zeising ist seit Jahren mit der Geschichte der westfälischen Landwehr befasst und hat drei Bücher zum Thema veröffentlicht. 

Ab 1811 gehörten die heutigen Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland zum Kaiserreich Frankreich. Als sich die Franzosen im November 1813 nach der verlorenen Schlacht von Leipzig aus Nordwestdeutschland zurückziehen mussten, wurden in ehemals zu Preußen gehörenden Territorien Wehrpflichtige im Alter zwischen 17 und 40 Jahren zur Landwehr eingezogen. Junge Leute meldeten sich auch freiwillig zu den Jägerregimentern. Ostfriesland bildete mit den alten Grafschaften Lingen und Tecklenburg das Einzugsgebiet eines Landwehrregiments, das als 3. Westfälisches eingereiht wurde. 1814 nahm es an der Belagerung der Festung Wesel teil und wurde nach dem Friedensschluss aufgelöst, berichtete Ziesing.

Als der abgesetzte Kaiser der Franzosen, Napoleon Bonaparte, im März 1815 aus dem Exil an die Macht zurückkehrte, wurde das Regiment neu aufgestellt. Beliebt war der Dienst für den König von Preußen unter den Männern im Lingener Land nicht, viele Wehrpflichtige flüchteten in die Niederlande, obwohl deren Angehörige hart bestraft wurden, erzählte der Buchautor. Dennoch konnte ein kampfkräftiges Regiment aufgestellt werden, das am 15. Juni 1815 in der Südgrenze des heutigen Belgien seine erste Feindberührung hatte, in den Schlachten von Ligny am 16. Juni und Waterloo am 18. Juni kämpfte. Mit dem 1. Preußischen Korps verfolgte es die Armee Napoleons und wurde bei Issy-les-Moulineaux am 2. und 3. Juli 1815 in der letzten Schlacht des Krieges eingesetzt. Nach Besatzungsaufgaben kehrte es im Februar 1816 in die Heimat zurück und wurde aufgelöst.

Zeising hatte viele Fragen zu beantworten und bekam Tipps für die weitere Forschung. Denn sowohl im Amt Meppen, zu dem das heutige mittlere und nördliche Kreisgebiet gehörte, als auch in den Kirchspielen Schepsdorf, Emsbüren und Salzbergen wurde Landwehr aufgestellt. Dazu ist bereits eine Veröffentlichung in Arbeit.

Der Arbeitskreis hat drei neue Ehrenmitglieder. Christa Schlodarik hat 25 Jahre als Leiterin der Fachstelle Familienforschung in der Bücherei des Emsländischen Heimatbundes (EHB) gearbeitet. Sie verwaltete die Mitgliederkartei, organisierte den Versand der Zeitschrift, half suchenden Familienforschern und betreute die genealogische Sammlung. Nachfolgerin von Schlodarik in der Betreuung der Fachstelle ist Thea Rohling. Gründungsmitglied Heinrich Voort hat für die Forschung wichtige Erkenntnisse beigesteuert, sagte Ludwig Remling, was man an dessen 32 Beiträgen für die Zeitschrift erkennen kann. Karl-Ludwig Galle war elf Jahre lang Schriftleiter der Zeitschrift. Dem 90-Jährigen habe die Familienforschung viel zu verdanken. 


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