Mehr Löschtechnik und bessere Soldaten-Ausbildung Moorbrand-Bilanz: 7,9 Millionen Euro Kosten für den Bund

dpa und Tobias Böckermann

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Nach Raketentests auf einem Übungsgelände brannte im Emsland über Wochen das Moor auf der WTD91 bei Meppen. Das Verteidigungsministerium geht mit den Abläufen des Großeinsatzes kritisch ins Gericht und zieht Konsequenzen. Archivfoto: Tobias BöckermannNach Raketentests auf einem Übungsgelände brannte im Emsland über Wochen das Moor auf der WTD91 bei Meppen. Das Verteidigungsministerium geht mit den Abläufen des Großeinsatzes kritisch ins Gericht und zieht Konsequenzen. Archivfoto: Tobias Böckermann

Meppen/Berlin. Die Bundeswehr hat erstmals die Kosten des Moorbrandes auf der WTD im vergangenen Herbst beziffert. Sie sollen bei 7,9 Millionen Euro liegen. Auch massive Fehler räumte die Bundeswehr ein.

Das berichten die Nachrichtenagentur dpa und weitere Medien unter Berufung auf einen internen Bericht, der am Dienstag Verteidigungspolitikern im Bundestag vorgelegt wurde. Als Reaktion auf den wochenlangen Moorbrand will das Verteidigungsministerium demnach zusätzliches Löschgerät anschaffen und die Ausbildung der Soldaten verbessern.

Eine Löschraupe ist beim Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) in Meppen im Einsatz. Foto: WTD 91/Bundeswehr/dpa

Neues Gerät

Der Bericht benennt zudem materielle, personelle und organisatorische Defizite bei der Brandbekämpfung. Sie hatte in der Spitzenzeit dem Bericht zufolge bis zu 1700 Einsatzkräfte beschäftigt. Rechnet man aber auch die Polizeibeamten und sonstigen Kräfte hinzu, die mit der Vorbereitung eines eventuellen Katastrophenfalls samt Evakuierung einiger Dörfer beschäftigt gewesen waren, kann man von 2000 Einsatzkräften ausgehen.

Vom Hubschrauber "Tiger" aus waren auf dem Übungsgelände - dem "größten vollinstrumentierten Landschießplatz Westeuropas" - an mehreren Tagen 70mm-Raketen abgefeuert worden und hatten das Feuer entfacht. Foto: Arno Burgi/dpa

70mm-Raketen

Die mit Tests von Waffen und Munition beauftragte Wehrtechnische Dienstelle 91 in Meppen soll demnach nun besser ausgerüstet werden: Sie erhält eine Drohne zur Überwachung des Testgeländes, zwei weitere Moorraupen zur Bergung von Blindgängern und Munitionsresten, einen speziellen Bagger sowie den Bergepanzer „Büffel“. Es habe sich gezeigt, dass die „vorgehaltenen Fähigkeiten zur Vermeidung einer vergleichbaren extremen Großschadenslage nicht ausreichen“, heißt es in dem 42-Seiten-Papier.

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Luftaufnahme vom Moorbrand in Meppen auf dem WTD 91. Foto: WTD91

"Die Brisanz der Lage verkannt"

Der Moorbrand hatte sich bei einem Waffentest mit einem Hubschrauber am 3. September entzündet und war erst am 10. Oktober gelöscht worden. Vom Hubschrauber „Tiger“ aus waren auf dem Übungsgelände an mehreren Tagen 70mm-Raketen abgefeuert worden und hatten das Feuer entfacht – zunächst an zwei unzugänglichen Stellen im Moor. Erste Löscharbeiten mussten am Abend wegen Dunkelheit und möglichen Munitionsresten im Gebiet eingestellt werden, berichtet die ARD.

Das ist bei Munitionstests nicht ungewöhnlich und kommt auch auf der WTD 91 pro Jahr vielfach vor. Aber: Eine von zwei Löschraupen war während der Tests in Reparatur, die zweite Maschine dann am zweiten Tag im laufenden Löscheinsatz ausgefallen – dem Vernehmen nach war bei einem Ausweichmanöver eine Kette abgesprungen.

Weiterlesen: Bislang kein Schießbetrieb auf WTD 91 in Meppen

Dicke Rauchwolken zogen mit dem Wind über das Emsland. Foto: Tobias Böckermann

Bundeswehr will genauer hinschauen

Außerdem stand nicht sofort ein Löschhubschrauber zur Verfügung, was früher bei ähnlichen Schießkampagnen üblich gewesen war. Er musste angefordert werden, was weitere Zeit in Anspruch nahm.

„Durch die zeitliche Verzögerung und aufkommende Winde konnte sich das Feuer an den Brandstellen weiter ausbreiten“, heißt es in dem Bericht. Der ARD zufolge lässt er offen, was in den ersten Tagen nach Brandausbruch genau geschehen sei.

Es habe allerdings auch falsche Einschätzungen gegeben, heißt es in dem Papier. Zunächst wurde demnach „die Brisanz der Lage verkannt“. Die Öffentlichkeit sei nicht ausreichend informiert worden. Die Bundeswehr will die zivil-militärische Zusammenarbeit verstärken. Auch bei der Ausbildung des Führungspersonals der Bundeswehrfeuerwehr bestehe „Nachsteuerungsbedarf“.

Keine akute Gesundheitsgefahr

Trotz der langen Trockenheit war der Gefahrenindex für Waldbrände zum Zeitpunkt des Tests auf dem zweitniedrigsten Wert, der sogenannte Grasland-Feuerindex teilweise auf dem niedrigesten Wert einer fünfstufigen Skala, wie es heißt. Die Bundeswehr will künftig genauer hinschauen und auch den Feuchtigkeitsgrad der Flächen in die Entscheidung einbeziehen. Messstationen sollen den Wasserstand im Moor prüfen – vor allem in den Sommermonaten.

Entwarnung gibt der Bericht für befürchtete gesundheitliche Folgen, aus der über lange Zeit weithin sichtbaren Rauchwolke: Für die Feuerwehrleute und die Bevölkerung habe keine akute Gesundheitsgefahr bestanden. Dies gelte auch für befürchtete Belastungen mit Quecksilber oder Radioaktivität. Zwar sei Uranmunition zeitweise in Meppen gelagert, jedoch nicht verschossen worden. Auf dem Gelände befinden sich demnach keinerlei Reste dieser Munition.

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Blindgänger und Munitionsreste

Grundsätzlich bleiben Blindgänger und Munitionsreste aber ein Dunkelfeld. Laut Untersuchungsbericht werden auf dem Gelände erst seit 2007 Blindgänger in einem Kataster erfasst. Für Überreste aus der früheren Nutzung seit dem Jahr 1877 „liegen entsprechende Dokumentation nicht vor“. Daran wird gearbeitet.


Wegen des Moorbrandes hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und am 21. September bei einer Durchsuchung auf dem Gelände der Militärdienststelle Datenträger und Protokolle sichergestellt. Vor möglichen eigenen disziplinarrechtlichen Untersuchungen wartet die Bundeswehr das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab.

Die bisher entstanden Kosten des Brandes werden mit 7,9 Millionen Euro beziffert. Ob dabei die Umweltschäden beziffert sind, ist offen. Ebenso die Frage, ob auch noch weitgehend intakte Moorflächen innerhalb der WTD betroffen waren, die zu den wertvollsten und seltensten Lebensräumen Deutschlands gehören.


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