„The Phoenix Theatre“ in Meppen Mitmachmotivation und Spracherlebnis im Gymnasium

Von Petra Heidemann

Shakespeare-Spaß zum Anfassen und Ausprobieren. Foto: Petra HeidemannShakespeare-Spaß zum Anfassen und Ausprobieren. Foto: Petra Heidemann

Meppen. „Hello everybody“ – mit diesem aufmunternden Ruf seitens des jungen Schauspielers Ben Ryan-Steele haben sich im Verlauf eines Vormittags gleich drei Zuschauerraumfüllungen von Windthorst-Schülern im Meppener Theater zum Hinsehen, Hinhören, Amüsieren, Nachdenken und vor allem zum Mitmachen motivieren lassen.

Wie bereits im vergangenen Jahr stand dem gesanglich, tänzerisch und mimisch mitreißenden Ben kongenial Stephanie Bullock als Spielpartnerin zur Seite – ebenso leidenschaftlich agierend, ob komödiantisch verspielt, ob theatralisch berührend. Das für Schüler Wertvolle, Besondere der beiden ist aber das unvergleichliche pädagogische Geschick, die englische Sprache nicht als Fremdsprache zu präsentieren, sondern die jungen Zuschauer in die Sprache hineinzuziehen und sie als etwas Lebendiges aktiv erleben zu lassen.

Altersstufenniveau angepasst

Sprachbarrieren, Unsicherheiten, mangelndes Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten spielen wortwörtlich eben „keine Rolle“, wenn Steph und Ben, ganz auf das jeweilige Altersstufenniveau angepasst, die Jugendlichen ins Gespräch verwickeln oder auf die Bühne holen, um sie teilhaben zu lassen in erfrischend kurzweiligen, turbulenten Spielszenen. Sprachlich in kleinen Portionen und choreografisch so behutsam wie humorvoll soufflierend, vermittelten sie den jungen Spielpartnern das Erfolgsgefühl von „Ich kann das ja doch“ und „Ohne mich geht das hier ja auch gar nicht weiter“.

Lebendige Spracherfahrung mit Spaßfaktor trat an die Stelle von Lernstoff und unterrichtlicher Fehlervermeidung. Missverständnisse schmälerten die Spielfreude nicht im Geringsten, sondern belebten vielmehr das Spiel. Und wurde ein Begriff auch einmal gar nicht verstanden, so behalf sich derjenige vergnügt mit phonetischer Nachahmung. Der eine oder andere entwickelte dabei sogar nie geahntes spielerisches und sprachliches Talent.

Gangstermusical

Für die jüngste Jahrgangsgruppe versuchte im Gangstermusical „The Banana Gang“ Detektiv Dick Pacey den weltgefährlichen „Boss“ zu stellen, der terrorisierend in der Stadt alle Handys gestohlen hatte, Kinder hasste und mit „schießbereiten“ Bananen und einer Apfelbombe drohte. Natürlich war der Fall, bei dem Verkleidungen und Rollenwechsel Tempo machten, nicht ohne die Zuschauer zu lösen.

Für die Mittelstufe wurde es in „Furious Games“ dagegen ernster. Ein Vater, der sich seinem wirtschaftlichen Erfolg verschrieben hat, und eine Mutter, deren Leben sich, abgesehen vom Haushalt, per Handy-Chats gestaltet – da fehlt jede Zuwendung für den pubertierenden Sohn John. „Morgen“ und ein belangloses „Gut gemacht“ an unpassendster Stelle, ließen die Zuschauer spürbar den Verlust jedes Selbstwertgefühls des mit ihnen gleichaltrigen Jungen nachvollziehen. In die Welt der Computerspiele flüchtend, von niemandem ernst genommen, verzweifelt John an der in sich aufkeimenden, ihm nicht erklärlichen Aggressionsbereitschaft und hätte sich in den Selbstmord geflüchtet, wäre da nicht die fremde, erfahrene alte Dame im Park, die ihm zuhört und ihm eine Perspektive öffnet. Ben zeigte hier großes Schauspiel – zudem ein Stück, das weiterführende Fragen für den Unterricht bezüglich gesellschaftlicher und elterlicher Verantwortung anstieß.

Amüsant und turbulent

Höchst amüsant und turbulent gestaltete sich Shakespeares „Twelfth Night“ („Was ihr wollt“). Hier war nicht nur der rasante Rollenwechsel der beiden Künstler gefragt, sondern sie hatten eine Vielzahl von Schülern in noch mehr Rollen zu managen, da hier auch innerhalb der Rolle der Viola noch ein Rollentausch durch zusätzliche Verkleidung anstand, was das Verwirrspiel von Totgeglaubten und sich Liebenden ad absurdum trieb. Nicht nur ein Spaß mit Adligen, Hofnarr, Dienern, Zofen und verqueren Verwandtschaftsbeziehungen, sondern vor allem eine gelungene Gratwanderung Shakespeare’schen Sprachniveaus und schülergerechter Herausforderung.

Eine solches jährlich stattfindendes Projekt authentisch-nativer, persönlich-unmittelbarer Sprachberührung kann unterrichtliche Förderung nur Basis schaffend bereichern.


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