Römer erobern „Theatrum Meppense“ Grandiose Musical-Premiere der Musikschule des Emslandes

Von Petra Heidemann


Meppen. „Venerunt, vidimus, vicerunt“: Sie kamen, wir sahen, sie siegten – so lässt sich in Abwandlung des Cäsar-Zitats der durchschlagende Erfolg des neuen Musicalprojekts der Musikschule des Emslandes umreißen.

„Zustände wie im alten Rom“ klingt nach Historie, wird aber quicklebendige Gegenwart, wie der Song „Etwas Vertrautes, etwas Geklautes, etwas für jedermann, Komödie heute Nacht“ proklamiert. Nach Titus Maccius Plauto, Burt Shevelove und Larry Gelbart und mit der Musik der Broadway-Legende Stephen Sondheim präsentierte das Ensemble der Musikschule unter Mitwirkung einiger Darsteller der Meppener Freilichtbühne rasante, höchst vergnügliche Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Die irrwitzige Verwechslungskomödie von Antihelden, Pantoffelhelden, Verpeilten, Möchtegerngrößen und naiv Verliebten bedarf des Esprits des Sklaven Pseudolus, der alle Fäden des von ihm angezettelten Verwirrspiels in der Hand zu behalten versucht. Brian Lüken mit seinem feinsinnigen Mienenspiel und bis in die Zehenspitzen nuancierten Darstellungsvermögen war diese Rolle geradezu auf den Leib geschrieben.

Running Gag im Wortsinn

Damit seine Befreiung anstrebend, will der Sklave Hero, dem Sohn seines Herrn Senex, zu seiner Philia verhelfen, die der „Gemischtmädchenhändler“ Lycus jedoch bereits an Miles Gloriosus verkauft hat. Senex hat bei seiner Frau Domina nicht viel zu sagen, meint aber, bei Philia, der vermeintlich neuen Magd, anbändeln zu können. Zu gern würde sich auch der stets aufgescheuchte Sklave Hysterium seiner Herrin nicht nur unterwürfig nähern. Immer neue pikante Verkleidungsgeschichten erfindet Pseudolus, damit sich nicht die Falschen begegnen. Für den Running Gag im Wortsinn sorgt der alte, stets seine geraubten Kinder suchende Erronius, den Pseudolus auf eine siebenfache Umrundung Roms schickt, um ihn aus dem Weg zu haben. Doch nach allerlei Turbulenzen geraten die Ereignisse außer Kontrolle. Echte und falsche Philias fliehen vor allen möglichen Männern über die Bühne, bis sich im Finale Vater und Kinder und vor allem die richtigen Paare finden.

Der übereifrige Hysterium, der dank Pseudolus auch noch als „Pseudobraut“ herhalten muss, war mit Marina Billek spielerisch perfekt besetzt, Wiebke Billek als Solo-Soldat zeigte stoischen Gehorsam bis hin zum Ein-Mann-Umzingelungsversuch. Der stattlichen Erscheinung des vor Selbstüberschätzung strotzenden Hauptmanns Gloriosus gab Jakob Belle imposant wahre Größe. Kai Rupek gelang es, mit seinem selbstverliebten, einem erotischen Abstecher nicht abgeneigten Senex ein Männerklischee zu bedienen, das lachen ließ, ohne ins Lächerliche abzugleiten.

Hinreißend hingerissen

Kerstin Röttgers, als Domina ganz Dame, ganz Herrin, spielte hervorragend auch die zunächst versteckte Seite dieses Charakters heraus. Stina Meiners entzückte mit Strahlkraft als unbedarfte Philia, der es nicht gegeben ist, „über Zwei hinaus zählen“ zu können, hieß ihre einzige Lebensaufgabe doch „lieblich zu sein“. Mit ihr entdeckt Hero schmachtend die Kraft der Liebe. Als solcher agierte Markus Bucher-Tallen hinreißend hingerissen.

Unbeirrt von allem Trubel ließ Jarek Tammen seinen Erronius in dessen eigener Welt sein persönliches Ziel verfolgen und finden. Kichernd und stets „aufs Wohlste gefällig“ tanzten und sangen sich als Kurtisanen Sonja Kaßburg (Vibrata), Jana Berentelg (Tintinabula), Katharina Bueren-Janzen (Gymnasia), Denise Pöttker (Gemina) und Christin Schröer (Panacea) durch die Szenen – unter den Anweisungen von Pseudolus, war ihrem Besitzer Marcus Lycus doch längst der Durchblick entglitten. Jörn Tallen gab dieser Rolle authentisch Leben.

Gelungene Choreografie

Als großartig ist auch die Leistung der Musical-Band, dezent hinter den Kulissen gerade noch optisch wahrzunehmen, zu bezeichnen. Jason Weaver, dem auch die musikalische Gesamtleitung oblag, Andreas Lögering, Michael Bohn und Michael Schrant transportierten das farbenprächtige Bühnengeschehen swingend und mitreißend als „Ohrwürmer“ ins Publikum.

Die spielerische Gesamtleistung in überzeugender Kulisse, das anspruchsvolle gesangliche Niveau und die überaus gelungene Choreografie lagen in den bewährten Regie-Händen von Julia Felthaus. Mit ironischer Distanz gelang ihr frech-spritziges Vergnügen bis in die Haarspitzen, ohne in Ulk abzuflachen. „Nomen est Omen“ – die Kunst von Andeutung und Überzeichnung bestimmte Mimik, Bewegung und Statuenanklang und ließ Klassisches aus Rom durchaus ein Teil des heutigen Meppen werden. Nicht aufhören wollender Applaus bezeugte: „Maxima Gaudia“.


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