45 Tote und große Schäden Vor 75 Jahren wurden Meppen und Versen bombardiert

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Eine Bombe hat die Fassade des Wehrmeldeamts, Widukindstraße 1, beim Angriff vom 11. Januar 1944 auf Meppen weggerissen. Das Bild zeigt Mitarbeiter bei Aufräumungsarbeiten. Foto: Sammlung Heimatverein MeppenEine Bombe hat die Fassade des Wehrmeldeamts, Widukindstraße 1, beim Angriff vom 11. Januar 1944 auf Meppen weggerissen. Das Bild zeigt Mitarbeiter bei Aufräumungsarbeiten. Foto: Sammlung Heimatverein Meppen

Meppen. Am 11. Januar 1944 waren die Innenstadt von Meppen und das Dorf Versen Ziel eines Bombenangriffs. 45 Menschen starben.

Im Zweiten Weltkrieg war der Flugweg über das Emsland für Bomberverbände der USA und des Britischen Empire die kürzeste Strecke zu im östlichen Deutschland liegenden Zielen. Seit dem Sommer 1943 waren die Bomberpulks der 8. US-Luftwaffe ein vertrauter Anblick geworden, die in großer Höhe Kondensstreifen hinterließen.


Kondensstreifen von Flugzeugen über Meppen 1944. Foto: Sammlung Heimatverein Meppen


Es gab am Dienstag, 11. Januar 1944, morgens Luftalarm als sich aus den Niederlanden 663 amerikanische Bomber mit ihren Begleitjägern näherten. Der Überflug nach Osten führte die Maschinen über den damaligen Kreis Lingen hinweg. Aber dann zeigte sich, dass aufgrund der Bewölkung die Hauptziele, Flugzeugwerke in Halberstadt, Oschersleben und Braunschweig, nicht zu finden waren. Also teilten sich die Bomberverbände auf, um Ausweichziele zu suchen. Magdeburg und Osnabrück wurden unter anderem angegriffen. 90 B-24-Bomber näherten sich um 12 Uhr Meppen. 58 wählten die Schleuse Meppen als Ziel, dort, wo heute die Brücke der Hasebrinkstraße über den Dortmund-Ems-Kanal führt. Der andere Teil des Bomberverbands zielte auf die Schleuse Hüntel. 

Zwar gab es an den Schleusen große hölzerne Türme mit leichten Flugabwehrgeschützen, die Bomber flogen aber über deren Reichweite. Deshalb flüchtete sich das Bedienungspersonal, darunter 16- bis 18-jährige Flakhelfer, in die Splitterschutzgräben.

Ein Flakturm an der Schleuse Meppen im Zweiten Weltkrieg. Das Bild ist vom Steg am Schleusentor mit Blickrichtung Nachtigallenwäldchen aufgenommen. Hinten links ist die Hölting-Eiche zu erkennen. Foto: Sammlung Heimatverein Meppen

Besonders genau gezielt wurde nicht, keine Bombe traf eine der Schleusen. Stattdessen sind in Meppen die Schülerwiese und vorallem der Bereich unmittelbar nördlich der Hase getroffen worden, außerdem das Dorf Versen, wo wegen Brandbombenabwürfen sechs Höfe abbrannten. Sprengbomben trafen Häuser an der heutigen Hasebrinkstraße, der August-Prieshoff-Straße, der Widukindstraße und der Bahnhofstraße. Scherben und Trümmer flogen bis zum Markt. 45 Tote wurden nach dem Angriff gezählt, darunter ein Kleinkind und ein 16-jähriger Flakhelfer, denn eine Bombe hatte mehrere Jugendliche in einem Splitterschutzgraben verschüttet. Eine Bombe traf einen Luftschutzbunker am Haseufer, in dem sich belgische Kriegsgefangene befanden.

Zerstörtes Wohnhaus nach dem Luftangriff vom 11. Januar 1944 auf Meppen am Schlackenberg der Meppener Eisenhütte, heute August-Prieshoff-Straße 1. Foto: Sammlung Heimatverein Meppen

Die 24 Einheimischen unter den Toten wurde in Verbindung mit einer Kundgebung der NSDAP auf dem Marktplatz beigesetzt. Flakhelfer Paul Wübbena erinnerte sich in einem Zeitzeugengespräch 1994 daran: "Mit gemischten Gefühlen nahmen wir vier Tage später an der Beisetzung mit militärischen Ehren teil."  Die Jugendlichen, bei denen man in der Schule und in der Hitlerjugend Kriegsbegeisterung wecken wollte, hatten die ganze Brutalität des Krieges erlebt.

In einem Trauerzug wurden die 24 deutschen Opfer des Luftangriffs auf Meppen am Samstag, 15. Januar 1944, zum Marktplatz gebracht. Foto: Sammlung Heimatverein Meppen.


Ganz ohne Abwehr blieb der Einflug der amerikanischen Bomber nicht. Sowohl auf dem Hin-, als auch auf dem Rückflug versuchten deutsche Jagdflugzeuge, Bomber abzuschießen, und dies im Kampf mit den amerikanische Begleitjägern. Bei 40 eigenen Verlusten wurden 60 Bomber und fünf Begleitjäger abgeschossen. Fünf Bomber und ein US-Jäger gingen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet nieder, außerdem vier deutsche Jäger. 21 Amerikaner starben bei diesen Abstürzen und vier Deutsche. Wie gewohnt, werden von der deutschen Luftwaffe übertriebene Abschusszahlen gemeldet, die vom Reichspropagandaministerium noch „aufgerundet“ wurden. Der deutsche Rundfunk und die Zeitungen berichteten, es seien „136 Feindflugzeuge“ abgeschossen worden.


Weitere Informationen

Heimatverein Meppen Hrg.: Als unser Kirchturm verschwand – Letzte Kriegsjahre und Nachkriegszeit in Meppen, Meppen 2016.

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