„Es hätte ein Nein geben müssen“ Ehemaliger Erprobungsleiter kritisiert Vorgehen vor Moorbrand in Meppen

Weiße Birken mit schwarzen Füßen: Das Feuer hat zum Teil die Streuschicht am Boden verbrannt. Foto: Tobias BöckermannWeiße Birken mit schwarzen Füßen: Das Feuer hat zum Teil die Streuschicht am Boden verbrannt. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Der Moorbrand auf der Tinner Dose wird wohl noch lange ein öffentliches Thema sein. Der ehemalige Versuchsleiter der damaligen „Erprobungsstelle“, Horst Brüske, kritisiert das Vorgehen scharf, fordert aber nach ausreichender Aufarbeitung auch ein Ende der Diskussionen. Er selbst hatte sich geweigert, Versuche mit Quecksilbermunition durchzuführen.

Brüske hat von 1961 bis 1994 auf der WTD in der Funktion als Erprobungsleiter für Waffen und Munition gearbeitet. Er sagt: „Ich kann es nicht gutheißen, derartige Versuche während einer solchen Hitzeperiode durchzuführen.“ Zur Erinnerung: D

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Gift in Munition und Fahrzeugen

Ende 1990, nachdem die DDR Teil der Bundesrepublik geworden war, bekamen das damalige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung die Aufgabe, das Material der Nationalen Volksarmee zu untersuchen, mit erschreckenden Ergebnissen.

100 Waffen- und Munitionsspezialisten der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 91) gingen mit besonderer Vorsicht an diese Aufgabe. Der damalige Versuchsleiter Horst Brüske fand bei der Untersuchung des Schützenpanzers BMP 1 zusammen mit seinen Kollegen Hinweise auf das hochgiftige Quecksilber in den Zündern der Munition. Bereits im Frühjahr 1991 sprach sich dies herum. „Die Treibladungszünder enthalten zum Beispiel in vielen Fällen so viel Quecksilber, daß ein Übungsplatz in kürzester Zeit verseucht wäre“, heißt es in einem Bericht in der Meppener Tagespost vom 2. März 1991 nach einem Gespräch mit Dienststellenleiter Heinz Weßling und Baudirektor Horst Nebel.

Im Juni haben die beiden Hauptverantwortlichen weitere Ergebnisse bekannt. Es wurden unter anderem Schmier- und Motorenöle für die Waffen aus sowjetischer und tschechoslowakischer Produktion verwendet, die Krebserkrankungen auslösende polychlorierte Biphenyle (PCB) enthalten. Über das Kriegsmaterial und die Munition sagte Ingenieur Nebel: „Das Zeug war auf schnellen Verbrauch in einem Angriffskrieg zugeschnitten.“ Den Militärs und Politikern sei das Wohl und Wehe der eigenen Soldaten wohl nicht so wichtig gewesen. Dies machte Nebel auch am hohen Unfallrisiko für die Soldaten fest, weil Munition schlecht gegen unbeabsichtigtes Zünden gesichert war und viele Waffen und Waffensysteme eine hohe Verletzungsgefahr aufwiesen.

In einem Bericht in der Meppener Tagespost über eine Fachtagung in Meppen im November 1991 ist zu lesen, dass die Bundeswehr einen Vorschlag aus Meppen aufgegriffen hat. Die Munitionsbestände wurden von der Bundeswehr überwacht in Spezialbetrieben unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Bestandteile zerlegt, die dann fachgereicht entsorgt werden konnten. mf

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