Unbändige Spiellust Dürrenmatts "Die Physiker" im Meppener Marianum

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Aufgeflogen und eingesperrt - "Die Physiker" in einer starken Aufführung der Theater AG Sek I des Gymnasium Marianum. Foto: Peter LöningAufgeflogen und eingesperrt - "Die Physiker" in einer starken Aufführung der Theater AG Sek I des Gymnasium Marianum. Foto: Peter Löning

Meppen. Auch mit der vierten Vorstellung von Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ hat die Theater-AG Sek I des Gymnasium Marianum Meppen vor vollem Haus begeistern können. Die Schulaula war erneut restlos ausverkauft.

Fantasievoll und mit unbändiger Spiellust schlüpften die Schüler aus den Klassen acht bis zehn in ihre teils skurril überzeichneten Rollen und machten Dürrenmatts verworrenes Drama zu einem enorm bereichernden Theatererlebnis, urlustig und doch immer wieder auch tiefgründig. 


Bleiben wir verrückt und geigen wir weiter - Sönke Otten und Franziska Masch sind Einstein und Newton in Dürrenmatts "Die Physiker" im Marianum


In seinem vermeintlichen Wahnsinn sich ergehend, zeigt sich Einstein (Sönke Otten) mit Zipfelmütze entzückend verträumt umher geisternd, wogegen Newton (Franziska Masch) als ausgemachtes Energiebündel gleichsam über Tisch und Bänke fegt.


Stets ein Schlückchen Cognac zur Hand - Franziska Masch als Newton in "Die Physiker"


Miterlebbar lässt Samina Gimbel den inneren Konflikt des Möbius nachvollziehen, dessen vorgetäuschte Irre zum inzwischen dritten Mord in der Geschichte führt.

Schwester Monika (Paula Pater) gesteht Möbius (Samina Gimbel) ihre Liebe.


Es ist zum Verzweifeln für den Kriminalinspektor (Theresa Dycker) der hier wohl nichts aufklären wird.


Theresa Dyker als Kriminalinspektor Voss in Dürrenmatts "Die Physiker"


Mit einer kopierten Weltformel zieht schlussendlich die eigentlich verrückte Irrenärztin (Nena Arents) die Weltherrschaft an sich. Einmal gewonnenes Wissen lässt sich eben nicht gut zurücknehmen. Köstlich ihr schniefend schlurfender Auftritt in fahlem Licht. Abgründe tun sich auf.

Frl. Dr. Mathilde von Zahnd (Nena Arents) vor dem Portrait ihres Vaters.


Die sehr lebhafte Inszenierung lässt aber auch einigen Platz neben den eigentlichen Protagonisten. So hinterlassen die einschüchternden Auftritte der gefährlichen Pfleger enormen Eindruck. Polizist Blocher und die Gerichtsmedizinerin machen sich am Rande übereinander her. 


Samina Gimbel glänzt als verrückter Möbius, der seiner jüngsten Tochter (Michelle Mertin) das Physikstudium ausreden will


Imposant geht es beim Besuch von Möbius‘ Familie zu. Das Blödflocken-Ständchen seiner Töchter klingelt noch lange nach. Linas neuer Gatte, der selbstverliebte Missionar Oskar, springt ihr sehr effektvoll auf dem Arm.


Schwer verliebt: Lina (Luisa Ucherek) und Oskar, ihr Neuer (Chris Gravelar) in Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker".


Bei soviel Spiellust lässt sich weitgehend auf schmückendes Beiwerk verzichten. So findet man erstaunlich wenig Requisiten und eine höchst karge Kulisse, sowie eine sparsame wie ausgefeilte Licht- und Tontechnik.

Sehr wirkungsvoll sind die kleinen Modifikationen, welche einen gewissen Schulbezug herstellen. So plant Möbius‘ älteste Tochter, Lehrerin zu werden am Marianum („ich hasse Kinder!“). Ihrem Stiefvater indes winkt eine „Missionarsstellung auf den Marianen“. Für einige Erheiterung sorgte auch die Enthüllung des Portraits von Mathildes Vater, ähnelt doch dieser verblüffend dem Schulleiter, Hermann-Josef Rave.

Als Präsent an den begeisterten Schulleiter, Hermann-Josef Rave, ein Portrait des Vaters von J. W. Möbius. Dürrenmatts "Die Physiker" im Marianum.


Dieser zeigte sich von der Aufführung überaus beeindruckt: „Das war der helle Wahnsinn!“ In einer kurzen Ansprache am Ende des Abends dankte er dem Leiterteam der AG, das jetzt ausgewechselt wird. Nach sieben Jahren der Theaterarbeit im Marianum werden Hermann Breer und Ruppert May mit Dürrenmatts Klassiker den Staffelstab weiterreichen. Grund auch für die Schauspieler, sich zu bedanken für diese „geile Zeit“. Zu einem Familienfoto fanden sich etliche auch ehemalige Spieler auf der Bühne ein.


Familienfoto: Die aktuellen, wie auch ehemalige Schauspieler der Theater AG im Gymnasium Marianum verabschieden sich von ihren Lehrern Hermann Breer und Ruppert May.


Ein toller Abend. Gratulation!


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