Connemann fordert Umdenken „Wolfsbestand im Emsland nicht seriös zu beziffern“

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Der Wolf beschäftigt zunehmend die Gemüter. Die CDU hat ein Positionspapier erarbeitet, das für ein Umdenken plädiert. Foto: Tobias BöckermannDer Wolf beschäftigt zunehmend die Gemüter. Die CDU hat ein Positionspapier erarbeitet, das für ein Umdenken plädiert. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Der Wolf beschäftigt zunehmend die Gemüter – auch ohne den möglichen Biss eines Tieres gegen einen Friedhofsgärtner in Ostniedersachsen. Die auch für das Emsland zuständige Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann hat für die CDU ein Positionspapier erarbeitet, das für ein Umdenken plädiert. Derweil gab es in Andervenne im südlichen Emsland möglicherweise einen weiteren Übergriff auf ein Schaf.

Auch im Umweltausschuss des Landkreises Emsland war der Wolf am Donnerstag ein Thema. Der ehrenamtlich tätige Wolfsberater Hermann Fehnker berichtete über seine Arbeit und das wichtige, aber mühsame Wolfsmonitoring, mit dem die Landesjägerschaft und mehr als 120 Wolfsberater versuchen, den Bestand des sich ausbreitenden Raubtieres zu erfassen.

Dennoch konnte und wollte Fehnker keine Angaben zum konkreten Wolfsbestand im Emsland machen: „Das ist seriös nicht möglich“, sagte er. Sicher sei, dass es ein Rudel mit sechs Welpen auf der WTD 91 gebe. Zwar gebe es Hinweise auf eventuelle weitere Wölfe – Nachweise dafür aber fehlten.

Auf der Kartbahn?

So werde in jüngster Zeit ein Video von der Kartbahn in Haren-Dankern verbreitet, das angeblich Wölfe zeigen soll. Es handele sich aber um Hunde, sagte Fehnker. Sicher sei, dass es vermehrt Übergriffe auf Schafe gegeben habe und die Untersuchung dieser Fälle ebenso wie die des bei Haren überfahrenen mutmaßlichen Wolfes sehr lange dauere. So lägen auch noch keine Genproben-Ergebnisse nach den Übergriffen auf die Herde des Landtagsabgeordneten Bernd Busemann aus Dörpen im Oktober vor. Den jüngsten möglichen Übergriff im Emsland gab es am 19. November in Andervenne bei Freren. Dort wurde ein Schaf getötet.

Die Übergriffe auf Nutztiere waren auch der Grund für die CDU im Bundestag, sich deutlicher als bisher zu positionieren. „Unsere Schaf- und Pferdehalter haben Angst um ihre Tiere. Denn der Wolf ist ein Raubtier. Und er dringt auch ins Emsland vor“, sagt Gitta Connemann. In Europa gebe es bereits 20.000 Tiere, in Deutschland Hunderte. „Die Bestände verdoppeln sich alle drei bis vier Jahre. Denn der Wolf hat keine natürlichen Feinde.“

Für Wolfsromantik gebe es also keinen Anlass, meint Connemann. „Wir brauchen dringend einen realistischen Umgang mit der Art“. Deshalb hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion nun ein Positionspapier beschlossen, das Connemann gemeinsam mit zwei Kollegen erarbeitet hat. Darin wird ein Fahrplan für den Umgang mit dem Wolf aufgestellt. Für die Christdemokraten muss die Sicherheit der Menschen an erster Stelle stehen.

„Keine Grundlage“

Connemann hält eine realistische Bewertung der Wolfsbestände in Deutschland für erforderlich. „Wölfe kennen keine Ländergrenzen. Die Tiere in Deutschland gehören zu einer zentraleuropäischen Population. Damit ist längst ein günstiger Erhaltungszustand erreicht“, kritisiert Connemann in Richtung Bundesumweltministerium. Das Haus von Svenja Schulz (SPD) fordere immer noch strengste Schutzmaßnahmen. „Dafür fehlt aber jede wissenschaftliche Grundlage.“

Die Union fordert deshalb, den Schutzstatus des Wolfes auf europäischer Ebene von „streng geschützt“ auf „geschützt“ zu senken. Und es seien Änderungen im deutschen Naturschutzrecht erforderlich. „Heute können nur im Einzelfall verhaltensauffällige Wölfe erlegt werden. Zukünftig muss es auch in Deutschland möglich sein, klare Bestandsgrenzen zu definieren. So passiert es bereits heute bei unseren europäischen Nachbarn wie Frankreich oder Schweden.“ Dafür wird in dem Positionspapier eine Unterscheidung zwischen Wolfsschutzgebieten und Wolfsmanagementgebieten gefordert.

„Einheitliche Standards“

Die Christdemokraten unterstützen auch die Forderungen der Weidetierhalter. „Unsere Schaf- und Pferdehalter brauchen umfassende staatliche Hilfe. Das gilt für die Vermeidung von Rissen durch Schutzmaßnahmen sowie für die Regulierung im Schadensfall.“ Dafür seien bundesweit einheitliche Standards notwendig. Die Beweislast für Entschädigungen bei Nutz- und Haustierrissen sei dafür umzukehren. „Dort, wo wie bei uns zum Beispiel in den Emsauen kein technischer Schutz gegen Wölfe möglich ist, müssen auch Schutzjagden möglich sein.“

Derweil hat mutmaßlich ein Wolf im Raum Diepholz in dieser Woche einen hoch elektrifizierten Weidezaun überwunden und ein Schaf getötet, obwohl der geforderte Schutzstandard sogar überschritten wurde.


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