Mitreißende Interpretation Der Zauber von Haydns Musik in Meppen

Von Daniel Lösker

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Meppen. In der Propsteikirche St. Vitus Meppen hat der Städtische Musikverein seinen Dirigenten Balthasar Baumgartner mit einer mitreißend interpretierten „Schöpfung“ von Joseph Haydn verabschiedet.

Joseph Haydns Meisterwerk „Die Schöpfung“ besitzt noch den Einfluss der großen Händel‘schen Oratorien, entwickelt aber eine ganz eigene Klang- und Formsprache, die sogar die Tür zur Romantik aufstößt. Balthasar Baumgartner, der sich ja bereits als Regionalkantor an der Orgel verabschiedete, suchte sich für seinen dirigentischen Meppener „Schwanengesang“ das groß angelegte Opus des Vaters der Klassik – von Papa Haydn, wie er schon zu Lebzeiten, durchaus ehrenvoll gemeint, genannt wurde – heraus.

Für Furore gesorgt

Warum das Oratorium schon bei der Uraufführung für Furore sorgte, wird schnell klar in der bis auf den letzten Platz gefüllten Propsteikirche. Baumgartner und die Seinen durchleuchten wohlbedacht, jedoch auch mit der nötigen Emphase alle Facetten. Das ist eine durchaus große Herausforderung. Doch erweist sich, dass der gebürtige Bayer es versteht, mit den exzellent aufgelegten Orchestermusikern der Kammerphilharmonie Emsland und einem beeindruckend singenden Städtischen Musikverein den Zauber von Haydns Musik farbenreich zu entfachen. Emotionale Noblesse und wortzugewandte Sensibilität zeigen die ganze innere Schönheit dieser Musik und fesseln von der ersten bis zur letzten Minute.

Sopranistin Meike Leluschko als Gabriel, Tenor Henning Kaiser als Uriel und der stimmgewaltige Manfred Bittner als Raphael bilden ein Erzengeltrio, das Präzision mit gestalterischer Intelligenz kombiniert und berückend schöne, großartige Terzette liefert.

Ungewöhnlicher Sänger

Kaiser ist ein durch und durch ungewöhnlicher Sänger; und das soll als Kompliment verstanden werden. Seine Art, quasi mit dem Körper zu singen, die Töne mitunter dezent herauszuquetschen oder gar Vokale mit Konsonanten zu ersticken, widerspricht jedem guten stimmbildnerischen Ansatz, ist aber in der Durchführung und vor allem im Ergebnis überraschend stimmig.

Leluschko überzeugt mit klarer Stimmführung. Sie hat es schwer gegen die vor Gestaltungslust geradezu strotzenden männlichen Kollegen, kontert aber mit jugendlicher Intensität und intelligenter Musikalität.

Bittner schließlich lässt die Kirche erbeben, übertreibt dies vielleicht das ein oder andere Mal in den Ensemblestellen, hat aber helle Freude – der Zuhörer ebenfalls – in den wunderbar herausgearbeiteten Rezitativen. „In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm“ endet mit einem markerschütternden tiefen D, welches man so auch nicht oft geboten bekommt.

Erhabenheit der Chorsätze

Die Erhabenheit der Chorsätze steigert Baumgartner ins Grandiose. Erstaunlich, dass man mit einem Laienensemble derartiges erreichen kann. Das Orchester, in dem Peter Müller am Hammerklavier sitzend, einfühlsam die Rezitative begleitet, folgt dem Dirigenten in seiner geschmeidigen Interpretation und begeistert mit flüssigen Tempi und kontrastreicher Tonmalerei.

Nach den letzten verklungenen Worten „Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!“ – Ob Baumgartner deshalb die Meppener Zeit mit diesem Werk beenden wollte? – erhebt sich das Publikum und verabschiedet „seinen verlorenen Sohn“ mit Wehmut und Stolz. Beides zu Recht!


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