Zelle der JVA Meppen nachempfunden Gegenwartskrippe macht auf Sorgen von Gefangenen aufmerksam

Von Heinrich Schepers

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Freuen sich über die von den Inhaftierten der JVA Meppen gestaltete Gegenwartskrippe (v.l.): Sabine Kuper, Jens Göken, Heinz-Bernd Wolters und Gudrun Weber. Foto: Heinrich SchepersFreuen sich über die von den Inhaftierten der JVA Meppen gestaltete Gegenwartskrippe (v.l.): Sabine Kuper, Jens Göken, Heinz-Bernd Wolters und Gudrun Weber. Foto: Heinrich Schepers

Meppen. Zum sechsten Mal hat die frühere Ratsfrau Gudrun Weber in Zusammenarbeit mit KIM (Kirche in Meppen) eine Gegenwartskrippe gestaltet. In diesem Jahr soll mit der Krippe auf die Sorgen und Nöte von Gefangenen aufmerksam gemacht werden. Dabei hat Weber tatkräftige Unterstützung von Mitarbeitern und Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Meppen bekommen.

Die Gesichter der Krippenfiguren stellen auch in diesem Jahr Persönlichkeiten aus Meppen dar. So wird das biblische Thema der Weihnachtsgeschichte in die heutige Zeit übertragen und soll laut Weber „noch greifbarer werden. Wir haben außerdem immer ein übergeordnetes Thema, das einen Bezug zu aktuellen Geschehnissen hat“, erklärt Weber die Idee hinter der Gegenwartskrippe.

„In diesem Jahr haben mich die vielen ungerechtfertigten Inhaftierungen, die es in der Türkei gegeben hat, bewegt“, sagt Weber und ergänzt: „Es heißt in der Bibel: Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Was ihr für einen der geringsten Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan.“ Aus diesem Grund wolle sie mit der Gegenwartskrippe auf die Sorgen aller Gefängnisinsassen aufmerksam machen.

Sie habe ihre Idee zur Gestaltung einer Gefängniskrippe Sabine Kuper, Leiterin von KIM, vorgestellt. Kuper nahm daraufhin Kontakt mit dem Gefängnisseelsorger Heinz-Bernd Wolters auf, der in der JVA-Meppen arbeitet. „Herr Wolters war sofort einverstanden, das Thema gemeinsam mit den Mitarbeitern und den Inhaftierten der JVA Meppen anzugehen und ein Krippengebäude zu gestalten“, sagte Kuper. „Wir haben uns mehrmals getroffen und besprochen, wie wir das Projekt umsetzen können“, berichtete Wolters. Bei den Verantwortlichen der JVA sei er auf offene Ohren gestoßen.

„Großer Eifer„

Wie Jens Göken, Leiter der Arbeitstherapie in der Justizvollzugsanstalt, berichtet, sind die beteiligten Gefangenen mit großem Eifer an das Projekt herangegangen. „Das Krippengebäude haben wir aus Palettenholz gefertigt. Die Innengestaltung hat ein Inhaftierter übernommen, der eine kreative Ader hat“, sagte Göken.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das hölzerne Krippengebäude ist im Inneren wie eine Gefängniszelle gestaltet und mit Waschbecken, Bett und Tisch detailreich und realitätsnah ausgestattet. Hier sollen die Krippenfiguren aufgestellt werden. Vor dem Gebäude ist ein Gefängniszaun zu sehen. Weber freut sich über das Engagement ihrer Mitstreiter und der Inhaftierten. „So können wir auf die Gefangenen und ihre Sorgen aufmerksam machen“, findet Weber. Als Gegenleistung werde KIM einen Teil der Kuchenspenden für die JVA bereitstellen, die für die Weihnachtsfeier benötigt werden, wie Kuper berichtet.

Auf dem Weihnachtsmarkt

Zu sehen ist die Gegenwartskrippe während der Advents- und Weihnachtszeit im Schaufenster von KIM in der Meppener Innenstadt. Als Hintergrund dienen Fotos der Justizvollzugsanstalt in Meppen-Versen sowie des Meppener Rathauses. Zusätzlich haben Wolters, Kuper und Weber die Absicht, einen Baum im Schaufenster von KIM aufzustellen, an dem Bänder befestigt werden, auf die die Gefangenen der JVA Wünsche für ihre Zeit nach der Haft schreiben können.

Hintergrund dieser Aktion ist eine Geschichte, wonach ein entlassener Häftling seine Familie in einem Brief gebeten habe, ihm zu signalisieren, ob er nach seiner Haft noch willkommen sei, wie Wolters erklärt. Der Gefangene habe vorgeschlagen, dass seine Angehörigen ein Stoffband an einem markanten Baum an Bahnhof in der Nähe seines Elternhauses befestigen sollten, um ihm so erkennen zu geben, dass er aussteigen und sie besuchen dürfe. „Der Zug, in dem der Gefangene sitzt, hält und an dem besagten Bau hängen unzählige Bänder“, fasste Wolters die Geschichte zusammen.

Zudem wird ein weiteres Häuschen im Schaufenster von KIM aufgebaut, das den JVA-Stand auf dem Meppener Weihnachtsmarkt darstellt. So soll auf den Verkauf der JVA-Produkte auf dem Weihnachtsmarkt aufmerksam gemacht werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN