Stammzellspender dringend gesucht Meppenerin kämpft um das Leben ihres kleinen Sohnes

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der kleine Paul aus Meppen braucht dringend eine Stammzellentransplantation. Seine Mutter hofft, dass noch rechtzeitig ein passender Spender gefunden werden kann. Foto: Harry de WinterDer kleine Paul aus Meppen braucht dringend eine Stammzellentransplantation. Seine Mutter hofft, dass noch rechtzeitig ein passender Spender gefunden werden kann. Foto: Harry de Winter

Meppen. Auf den ersten Blick ist der acht Monate alte Paul aus Meppen ein ganz normales Baby. Er spielt gerne mit seiner Mama und seinem Bruder. Er weiß, wie er die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Doch Paul ist schwer krank. Er leidet unter der sehr seltenen Hämophagozytischer Lymphohistiozytose, kurz HLH. Nur eine Stammzellentransplantation kann sein Leben retten.

Es ist eine erbarmungslose und unberechenbare Krankheit. Sobald sie ausgebrochen ist, beginnt die Uhr zu ticken.  

Am 9. März 2018 erblickte der Kleine das Licht der Welt. Augenscheinlich war er kerngesund. Mutter Franziska Meyd freute sich sehr über ihr zweites Kind, und auch ihr inzwischen sieben Jahre alter erster Sohn war sofort begeistert von seinem Brüderchen. Anfang September bekam Paul Husten. Der Kinderarzt versuchte, die Bronchitis zu behandeln, doch die Medikamente schlugen nicht an. "Es wurde einfach nicht besser", sagt die alleinerziehende Mutter. "Ich habe mir große Sorgen um Paul gemacht." 

Am 14. Oktober kam zu dem starken Husten auch noch Fieber hinzu. Meyd rief im Krankenhaus in Meppen an und wollte sofort mit ihrem Kind kommen, da sie eine Lungenentzündung vermutete. Da es Sonntag war, wollte man sie zunächst auf den Montag vertrösten, doch sie blieb beharrlich und bekam letztendlich kurzfristig noch einen Termin.

Verdacht auf Leukämie

Das Kleinkind wurde von einem Arzt untersucht. Im Bauchraum wurde eine stark vergrößerte Milz festgestellt. Da auch die Blutwerte des Kleinen sehr schlecht waren, wurde er stationär im Ludmillenstift aufgenommen. Woran der Junge aber erkrankt war, wurde der Mutter nicht gesagt. "Die Ärzte wussten nicht, was er hat", schildert Meyd. "Sie wollten weitere Ergebnisse der Laboruntersuchung abwarten."

Nach einer ungewissen Nacht im Krankenhaus wurde ihr am Folgetag mitgeteilt, dass sie sich mit ihrem Sohn in die Kinderklinik nach Oldenburg begeben sollte. "Ich habe natürlich den Arztbrief geöffnet, um zu wissen, was los ist. Dort stand als Diagnose Verdacht auf Leukämie. Das war der blanke Horror für mich und hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen", sagt die 29-Jährige. 


Diagnose HLH

Meyd bat ihre Mutter, weiterhin auf ihren älteren Sohn aufzupassen und sich um ihn zu kümmern. Mit dem Krankenwagen ging es von Meppen nach Oldenburg. Auf der Krebsstation wurden sie untergebracht. "Ich habe ununterbrochen geweint", sagt die Meppenerin. "Ich war verzweifelt. Wirklich Klartext, was nun mit Paul los ist, hat keiner der Ärzte gesprochen." 

Erst nach zwei Tagen bekam Meyd auf Nachfrage eine Antwort. Es konnte keine Leukämie diagnostiziert werden, dafür aber Hämophagozytische Lymphohistiozytose. "Davon hatte ich noch nie etwas gehört und konnte zunächst nichts damit anfangen", berichtet die Mutter. Ihr sei gesagt worden, dass es eine seltene Erbkrankheit ist und die Mutter die Überträgerin ist. "Die Krankheit bricht aber nicht bei jedem aus", weiß Franziska Meyd inzwischen.

Zur Sache

Hämophagozytische Lymphohistiozytose
Die Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist eine sehr seltene Krankheit, die bei 80 Prozent der Patienten schon im Säuglingsalter ausbricht, jedoch auch noch bis zum Schulalter auftreten kann. Weltweit sind nur einige hundert Fälle registriert.
Der genetische Defekt ist noch unklar, in einer Untergruppe wurde ein genetischer Defekt festgestellt. Infektionen können den Ausbruch der Krankheit verursachen. Die Krankheit ist durch einen Befall aller Organe durch Histiozyten und Lymphozyten charakterisiert. Bei Histiozyten, die im Knochenmark gebildet werden, handelt es sich um so genannte "Freßzellen". Sie dienen der Infektbekämpfung und der Abwehr körperfremder Substanzen. Warum genau es zu einer überschießenden Aktivierung des Immunsystems mit vermehrter Bildung dieser Zellen kommt, konnte noch nicht nachgewiesen werden.
Unerkannt und unbehandelt nimmt diese Hystiozytose einen tödlichen Verlauf. Es ist anzunehmen, dass es eine hohe Dunkelziffer an Erkrankungen gibt, da die HLH unter Symptomen verläuft, die man auch bei gewöhnlichen Infektionen finden kann. Oft wird die Erkrankung erst durch eine familiäre Häufung erkannt wie durch die Erkrankung eines Geschwisterkindes.


Mutter auf sich alleine gestellt

Die Meppenerin fühlte sich hilflos. Im Kinderklinikum waren sie und Paul zur Sicherheit isoliert untergebracht, da das Immunsystem des Jungen stark geschwächt war. "Ich fühlte mich wie in einem Gefängnis. Nur die Telefonate mit meiner Mutter, meinem älteren Sohn und mit Freunden haben mich ein wenig ablenken können." Zu Pauls Vater bestehe kein Kontakt. Er wolle von seinem Sohn nichts wissen, sagt die Meppenerin. Auch die schwere Krankheit habe nichts an dieser Einstellung geändert. 

Chemotherapie 

Um die HLH in den Griff zu bekommen, bekam Paul eine Chemotherapie. "Die hat er überhaupt nicht vertragen. Ihm ging es die ersten Tage furchtbar schlecht. Es dauerte, bis sich sein Zustand verbesserte", sagt Meyd. Zusätzlich bekam er viele Medikamente, darunter auch Cortison, verabreicht. Wenige Tage später wurden Mutter und Sohn zunächst aus dem Krankenhaus entlassen. Zurück in Meppen versuchte die Mutter die Wohnung so steril wie möglich zu bekommen und zu halten. Der kleinste Infekt würde ihrem Sohn schwer zu schaffen machen. Zweimal in der Woche ging es abwechselnd nach Meppen und nach Oldenburg ins Krankenhaus zur Untersuchung. 

HLH-Experte in Hamburg

Am 19. November hatte sie einen Termin bei einem auf HLH spezialisierten Arzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort erfuhr die Mutter zum ersten Mal alles im Detail über die Krankheit und die Möglichkeiten der Heilung. "Die einzige Chance für Paul ist eine Stammzellentransplantation", sagt die 29-Jährige. "Leider kommen weder ich noch sonst jemand in der Familie als Spender infrage." 

Belastungsgrenze erreicht

Dies und der Umstand, dass sie mehr oder minder als Mutter ganz auf sich alleine gestellt ist, brachte die Meppenerin an ihre Belastungsgrenze. Natürlich halfen ihre Mutter und Freunde, wo sie nur konnten. Doch als Alleinerziehende musste sie am Ende die ganze Last und die Sorgen alleine tragen. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit der Krankenkasse und vielen Fahrten mit dem Auto nach Oldenburg. Ein Krankentransport stünde ihrem Sohn nicht zu. Zusätzlich wurde es finanziell eng für die Mutter. "Es ist eigentlich nicht zu schaffen", sagt Franziska Meyde, und ergänzt: "Aber ich muss funktionieren. Ich denke oft, wann wache ich aus diesem Albtraum wieder auf."

Typisierungsaktion in Meppen

Dadurch, dass Meyd offen mit der Krankheit ihres Sohnes umging und auf Facebook alle zur Registrierung als Knochenmarkspender aufrief, wurde der Fußball-Fanclub "Werder 12 Emsköppe" um Björn Stelmaszczyk auf die Meppenerin aufmerksam. Die Bremen-Fans wollten helfen und begannen damit, eine Typisierungsaktion mit Hilfe der DKMS Emsland in Meppen zu organisieren. Schnell waren Helfer parat und wenig später ein Ort und ein Termin gefunden. Am Sonntag, 16. Dezember 2018, soll die Typisierungsaktion von 10 bis 16 Uhr in der BBS in Meppen stattfinden. 


Passender Spender dringend gesucht

Für Paul und seine Mutter hängen große Hoffnungen an der Aktion, da dringend ein passender Spender benötigt wird. "Der Kleine hat am Wochenende gerade die zweite Chemotherapie hinter sich gebracht", sagt sie. "Mit dem richtigen Knochenmark können wir ihm die Chance geben, wieder gesund zu werden. Die Chemotherapien lindern nur die Symptome und retten sein Leben nicht." 

Wie groß die Chancen für Paul sind, will die Mutter nicht wissen. "Ich denke nur daran, dass er es schafft. Ich kämpfe für meinen Sohn."


Typisierungsaktion für Paul aus Meppen

Die Typisierungsaktion für den kleinen Paul aus Meppen wird in der Berufsschule in Meppen, Nagelshof 83, veranstaltet. Die Aktion findet am Sonntag,16. Dezember 2018, zwischen 10 und 16 Uhr statt. Organisiert wird die Aktion vom Werder Fanclub Emsköppe. 

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN