Sonderausstellung eröffnet 1938 – Auch in Meppen brannte die Synagoge

Von Werner Scholz

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Sie präsentierten die Ausstellung gemeinsam, v.l.: Georg Tranel, Heinz Rehse, Rottraut Harpke und Herma Schnieders von der Museumsgruppe sowie Marc-Andre Burgdorf und Helmut Knurbein. Foto. Werner ScholzSie präsentierten die Ausstellung gemeinsam, v.l.: Georg Tranel, Heinz Rehse, Rottraut Harpke und Herma Schnieders von der Museumsgruppe sowie Marc-Andre Burgdorf und Helmut Knurbein. Foto. Werner Scholz

ws Meppen. Vom Terror der Nationalsozialisten blieben auch die Meppener Juden nicht verschont. Trauriger Auftakt vieler Gewaltakte war die Zerstörung der Meppener Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Eine Ausstellung beleuchtet dieses dunkle Kapitel Meppener Geschichte.

Bereits 1847 hatte sich die jüdische Gemeinde in Meppen ein Grundstück im Nagelshof gekauft. Das dort befindliche Gebäude wurde zur Synagoge umgebaut, die auch als Schule genutzt wurde. Von dem Gebäude ist nichts mehr übrig. Lediglich ein 1996 in der Nähe aufgestellter Gedenkstein erinnert noch an die einstige Synagoge.

Jetzt widmet sich eine umfassende Sonderausstellung im Meppener Stadtmuseum nicht allein der Meppener Synagoge, sondern thematisiert das Schicksal der jüdischen Gemeinde, deren Angehörige bis auf wenige Ausnahmen von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

So sind viele historische Dokumente, Zeitungsberichte, Fotos und mit großer Sorgfalt erstellte Schautafeln zu sehen, die das einstmals blühende Leben der jüdischen Gemeinde wieder ins Bewusstsein rücken. All diese Zeitdokumente wurden von zunächst von dem Ehepaar Fokken und dann in Fortsetzung vom Initiativkreis Stolpersteine in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen, um Mosaikstücken gleich, in der Zusammenwirkung einen umfassenden Einblick in die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Meppen zu vermitteln.

Erinnerung wachhalten

Nachdem Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein die Gäste der Ausstellungseröffnung herzlich willkommen hieß und sich anschließend der erste Vorsitzende des Meppener Heimatvereins, Marc-Andre Burgdorf für das Engagement aller an der Sonderausstellung Beteiligten bedankte, führte der Historiker Manfred Fickers (Initiativkreis Stolpersteine Meppen) in das Thema ein.

„Uns geht es darum, zu klären, was in Meppen geschehen ist und die Erinnerung an die untergegangene jüdische Gemeinde wach zu halten“, betonte Fickers und fügte hinzu: „Hier ist zu sehen, wie Ausgrenzung zur Verfolgung und Vertreibung von Menschen führt, zu Verbrechen wie Sachbeschädigung, Diebstahl, Raub, Erpressung, Körperverletzung bis hin zum Massenmord. Das alles hat sich nicht plötzlich nach 1933 so entwickelt, das Geschehen hat eine Vorgeschichte, die bis zur Aufnahme der Rassenideologie in deutsche Schulbücher in den 1890er Jahren zurückreicht“, erläuterte Fickers und ließ einen Rückblick auf die Geschichte der Juden im 18. Und 19. Jahrhundert folgen.

Viele Opfer

„Nach 1848 wurden die Juden in Meppen allmählich in die städtische Gesellschaft integriert. Sie erfüllten ihre Bürgerpflichten. Juden aus Meppen kämpften und starben im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und im Ersten Weltkrieg wie ihre christlichen Nachbarn. Ihre Familien litten wie alle anderen Mitmenschen unter der Zeit des Hungers ab 1916 und der großen Grippeepidemie 1918. Aber die Antisemiten hatten immer noch Einfluss.“

Und genau dieser nicht länger religiös, sondern längst rassisch begründete Antisemitismus wurde von Adolf Hitler und seinen Helfershelfern zur Staatspolitik erhoben. „1933 begann im Deutschen Reich die Ausgrenzung jüdischer Bürger mit dem Boykott von Geschäften und Praxen. Die Mehrzahl der Juden hatte keine Möglichkeit zu fliehen“. Zwölf Jahre später, nach einem einzigartigen millionenfachen industriellen Massenmord, einem vernichtenden Krieg mit der Zerstörung weiter Teile Europas und weiteren Millionen an Opfern, begann Hitler am 30. April 1945 Selbstmord. Nur wenige Juden haben die zwölf Jahre des Grauens überlebt.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 10. Januar zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums.


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