Beeck: Moorbrand aufarbeiten 1000 Hektar Moor bis zu 60 Zentimeter tief verbrannt

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Die Löschraupe der Bundeswehrfeuerwehr im Einsatz auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) während des Moorbrandes. Welche Raupe wann einsatzbereit war, hat die Bundesregierung jetzt ermittelt. Foto: Bundeswehr/RottDie Löschraupe der Bundeswehrfeuerwehr im Einsatz auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) während des Moorbrandes. Welche Raupe wann einsatzbereit war, hat die Bundesregierung jetzt ermittelt. Foto: Bundeswehr/Rott

Meppen/Berlin. Eine Kleine Anfrage des Lingener Bundestagsabgeordneten Jens Beeck (FDP) an die Bundesregierung hat neue Erkenntnisse zum Moorbrand in der Tinner Dose ergeben. Demnach waren Bundesregierung, Land, Landkreis und örtliche Feuerwehren früh informiert aber nicht unbedingt alarmiert worden. Die Aufarbeitung dauert an.

Über sogenannte „Kleine Anfragen“ an die Bundesregierung haben Abgeordnete das Recht, von der Bundesregierung Auskunft über bestimmte Sachverhalte zu erlangen. Beeck hatte 27 teils sehr detaillierte Fragen gestellt und nun Antwort erhalten.

Demnach wurden in der Tinner Dose 1000 Hektar Moor zerstört, bisherige Angaben dazu schwankten zwischen einigen Hundert und mehr als 1400 Hektar. Nach Angaben der Bundeswehr waren zwischen Dienstag, dem 28. August und Montag, dem 3. September insgesamt 74 Luft-Boden-Raketen eingesetzt worden, um den sicheren Betrieb des Hubschraubers Tiger zu testen. Auch im Vorfeld des außer Kontrolle geratenen Brandes vom 3. September waren kleinere Brände entstanden, die aber sofort gelöscht werden konnten.

„Risiko war vertretbar“

Schießleitung und Bundesfeuerwehr der WTD hatten demnach eine Risikobewertung durchgeführt und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Brandrisiko vertretbar sei. Der „Waldbrandgefahrenindex“ wies für Meppen mit „geringe Gefahr“ die zweitniedrigste von fünf Stufen aus. Die Löschkapazitäten vor Ort entsprachen demnach den Anforderungen. Allerdings fiel die einzig zu diesem Zeitpunkt verwendbare von zwei Löschraupen demnach am 4. September aus und nicht am 3. September, also dem Tag des Ausbruchs. Die zweite Löschraupe war schon am 1. September „auf der Anfahrt zu einem Einsatz ausgefallen. Für den Versuch war nur eine notwendig.

Auf die Frage, welche ökologischen Schäden entstanden seien, erhielt Beeck die Antwort, dass bei einer ersten Prüfung am 9. Oktober eine „Brand- und Schadfläche“ von rund 1000 Hektar Moor festgestellt worden sei. Hier müsse mit einer Brandtiefe von bis zu 60 cm gerechnet werden – bisher war die Rede von 40 cm. „Durch den Brand wurde der oberflächliche Teil der Vegetation großflächig unmittelbar zerstört“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Wie weit und wie schnell sich diese Flächen erholen könnten, bleibe abzuwarten.

„Keine Gesundheitsgefahr“

Die Bundesregierung bestätigt bisherige Einschätzungen, nach denen keine Gesundheitsgefahr für Bevölkerung oder Einsatzkräfte bestanden hat.

Aus den Antworten geht hervor, dass die WTD am 4. September höhere Stellen über den Brand informiert hat, darunter standardmäßig auch die Bundesregierung. Eine Anfrage auf Unterstützung zumindest durch das Verteidigungsministerium sei damit nicht verbunden gewesen. Dies sei am 4. September mit der Anforderung eines Hubschraubers geschehen.

Die zuständigen Behörden des Landes Niedersachsen seien inklusive Rettungsleitstelle des Landkreises Emsland und Freiwillige Feuerwehr Meppen am 3. September „über ein Brandereignis“ auf der WTD informiert worden. Ein Ersuchen auf Hilfe erging hier demnach offensichtlich am 6. September.

Ob die Vorsorgemaßnahmen ausreichten und/oder es im Anschluss Fehleinschätzungen der Lage und im Vorgehen gab, wird derzeit nach Angaben der Bundesregierung aufgearbeitet. Notwendige Konsequenzen ergäben sich im Anschluss.

„In der Pflicht“

Jens Beeck kritisierte am Freitagnachmittag: „Die Bilanz des Brandes ist verheerend. Wenngleich die Bundeswehr derzeit noch den konkreten Schadensumfang ermittelt, ist schon jetzt klar, dass mindestens 1000 Hektar Moor verbrannt sind. Die Bundeswehr ist jetzt in der Pflicht, ihren wohlklingenden Ankündigungen zur Aufarbeitung der Ereignisse auch wirklich Taten folgen zu lassen. Das Ergebnis der Prüfung, ob Verbesserungen an den Abläufen bezüglich der Koordinierung aller vor Ort handelnden Einsatzkräfte notwendig sind‘ ist von vornherein klar – denn das Kommunikation und Koordinierung bestenfalls mangelhaft waren, steht wohl kaum zur Debatte.“

Und „ohne den engagierten Einsatz der vielen Freiwilligen vor Ort wäre die Lage vermutlich weitaus länger außer Kontrolle gewesen“, meint er. „Für die Zukunft ist nun wichtig, dass das gute und vertrauensvolle Verhältnis zwischen örtlicher Bevölkerung und Bundeswehr wiederhergestellt werde.“


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