Was vom Ersten Weltkrieg bleibt Drei Denkmale erinnern in Meppen ans große Sterben

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Meppen. Ehrenmale für die Gefallenen der Kriege gibt es in großer Zahl im Emsland, aber in Meppen erinnern drei besonders an den Ersten Weltkrieg, der mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918 sein Ende fand.

In Meppen sind Denkmale auf dem Friedhof Markstiege und auf dem Evangelischen Friedhof bei den beiden Gräberfeldern zu sehen, die für die Bestattung von 55 zwischen 1914 und 1918 im Reserve-Lazarett Meppen gestorbenen deutschen Soldaten und Kriegsgefangenen angelegt wurden. Die Namen auf den Denkmälern stehen nur für einen Teil der im Lazarett verstorbenen Männer. Familien, die es sich leisten konnten, ließen ihre Angehörigen nach Hause überführen.

Das Reserve-Lazarett ist bei Kriegsbeginn im August 1914 auf einem Gelände am Stadtwall in der Nähe des Krankenhauses Ludmillenstift in schnell aufgebauten Baracken eingerichtet worden. Denn das Krankenhaus selbst hatte kaum Kapazitäten frei. Es waren schon vor dem Krieg Vorbereitungen für die Einrichtung eines Reserve-Lazaretts getroffen worden. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Deutsch-Französchen Krieg 1870/71 sollten ehrenamtliche Helfer vom Deutschen Roten Kreuz und angelernte Helferinnen aus kirchlichen und vaterländischen Frauenvereinen den Sanitätsdienst der Königlich Preußischen Armee unterstützen.

Verwundete erhielten auf dem Schlachtfeld, wenn möglich, Hilfe durch Kameraden und Sanitäter, auf Verbandsplätzen fand eine erste ärztliche Versorgung statt. Transportfähige Verwundete und Kranke wurden zunächst in frontnahe Lazarette gebracht und bei längerer Genesungsdauer oder aufwendigerer Behandlung mit Lazarettzügen nach Deutschland gefahren. Vom Bahnhof Meppen aus brachte man die Verwundeten mitten durch die Stadt zum Lazarett.

Auffällig an den Denkmalen ist die Häufung der Todesdaten im Oktober und November 1918. Damals führte eine Grippeepidemie zum Tod von zwölf Kriegsgefangenen, im gleichen Zeitraum starben weitere deutsche Lazarettpatienten, von denen acht in Meppen bestattet wurden.

Die Epidemie wurde durch die Mangelernährung begünstigt, die Folge der Blockade der deutschen Häfen durch die britische Royal Navy war. Denn Deutschland war vor dem Ersten Weltkrieg Einfuhrland für Lebensmittel. Zu keinem Zeitpunkt während des Krieges konnte eine ausreichende Ernährung sichergestellt werden. Darunter hatten Zivilisten und Kriegsgefangene mehr zu leiden als Soldaten.

Das Denkmal auf dem Friedhof Markstiege existiert erst seit 2005. Es ist auf Initiative des Heimatvereins Meppen, der Kirchengemeinde St. Vitus und der Senioren-Freiwilligenagentur entstanden. Die Grabanlage für die Kriegsopfer wurde mit Sandsteinfiguren vom 1936 abgebrochenen Denkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs an der Bahnhofstraße in Meppen und neuen Sandsteintafeln mit den Namen der Bestatteten gestaltet.

Die beiden Sandsteinfiguren haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die den Wandel der vorherrschenden Einstellung zum Ersten Weltkrieg spiegelt. Die beiden Halbreliefs, die einen trauernden Landwehrmann und eine weinende Mutter darstellen gehörten zu dem Denkmal, das ab 1923 an die 147 Gefallenen aus der Stadt Meppen erinnerte. 1936 musste es dem Neubau des Landratsamts weichen, in dem heute das Polizeikommissariat untergebracht ist. Für die Denkmalfiguren hatten die Nationalsozialisten keine Verwendung. Trauer passte nicht zum Heldenkult. Der heutige Zustand lässt noch erkennen, dass man beim Abbau des Denkmals ziemlich grob vorging.

1997 sind die beiden beschädigten Figuren bei Bauarbeiten auf dem Gelände des früheren städtischen Bauhofs an der Deichstraße entdeckt und ausgegraben worden. Nach einer Restaurierung, die die Spuren der Zerstörung noch erkennen lässt, dürfen sie wieder der Trauer über die Toten Ausdruck geben.

Der erste Tote 1914

Eine Inschrift auf dem Denkmal des Evangelischen Friedhofs erinnert an den ersten, am 16. September 1914 im Lazarett Meppen gestorbenen Soldaten. Am 20. September heißt es in einer Zeitungsmeldung aus Meppen im Lokalteil der Osnabrücker Volkszeitung: „Sodann erlag im hiesigen Reserve-Lazarett der Musketier Adolf Gustav Körner aus Merseburg den im Feldzuge erhaltenen Verletzungen. Er wird hier, fern von seiner geliebten Heimat, mit militärischen Ehren zur ewigen Ruhe bestattet werden.“ Sein Name ist der erste auf dem Gedenkstein. Das Mahnmal an der Friedhofsmauer erinnert an 22 Tote des Ersten Weltkriegs und an eine unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg verstorbene Niederländerin.

Auf See geblieben

Das Marineehrenmal am Dortmund-Ems-Kanal in Meppen hat einen doppelten Bezug auf den Ersten Weltkrieg. „Den Toten der Marine und Handelsmarine – Ihr seid unvergessen“, lautet die Inschrift. Über einem Fenster im Mauerwerk, in das ein Stockanker eingefügt ist, befindet sich ein Relief, das eine Kompassrose zeigt. Es wurde 1992 von der Marinekameradschaft Torpedoboot Taku gestiftet. Jährlich wurde hier am Jahrestag der Seeschlacht vor dem Skagerrak 1916 der Toten der deutschen Kriegs- und Handelsmarine gedacht. Nach aktuellem Forschungsstand kamen am 31. Mai und 1. Juni 1916 aufseiten der britischen Royal Navy 6094 Mann, aufseiten der deutschen Kaiserlichen Marine 2551 ums Leben. Im Ersten Weltkrieg starben 34809 Angehörige der Kaiserlichen Marine.

Die Marinekameradschaft selbst und ihr Name erinnerten ebenfalls an den Ersten Weltkrieg. Ein 1898 auf der Schichau-Werft in Elbing für die Marine des Kaisers von China gebautes Torpedoboot wurde bei der Niederschlagung des „Boxeraufstands“ 1900 während der Kämpfe um die Taku-Forts bei der Hafenstadt Tianjin von den Briten erobert und der deutschen Kaiserlichen Marine übergeben. Unter dem Namen Taku war das Boot dem Ostasiatischen Kreuzergeschwader im 1898 gepachteten deutschen „Schutzgebiet“ an der Kiautschou-Bucht zugeteilt und vom Hafen Quingdao aus eingesetzt. Nach der Kriegserklärung Japans an das Deutsche Reich am 23. August 1914 begann die Belagerung von Quingdao durch Briten und Japaner. Am 28. September 1914 ist die Taku von ihrer Besatzung versenkt worden, damit sie nicht vom Gegner übernommen werden konnte.

Bei der Kapitulation des Stützpunkts am 7. November 1914 wurde die Mannschaft der Taku gefangen genommen, mit dabei war Karl Möller aus Meppen. Er kehrte 1920 aus der Kriegsgefangenschaft in Japan zurück und gehörte am 1. Oktober 1922 zu den Gründern einer Marinekameradschaft, die 1945 aufgelöst, aber am 1. Mai 1958 neu gegründet wurde. 1962 gab sich der Verein den Namen Marinekameradschaft Torpedoboot Taku 1922. 2009 löste sich die Marinekameradschaft Torpedoboot Taku wegen Nachwuchsmangels auf. Das Denkmal ging in die Obhut der Stadt Meppen über, die es seitdem pflegt.


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