Winfried Michel und seine Werke Konzert in Meppen präsentiert Barockmusik der Neuzeit

Von Daniel Lösker

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Die Konzertbeteiligten mit Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein und dem Komponisten Winfried Michel in der Bildmitte. Foto: Daniel LöskerDie Konzertbeteiligten mit Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein und dem Komponisten Winfried Michel in der Bildmitte. Foto: Daniel Lösker

Meppen. Die Musizierwerkstatt und ihre Gäste haben im Atrium des Krankenhauses Ludmillenstift Meppen einen ganzen Konzertabend dem Komponisten Winfried Michel gewidmet.

Komponieren im Stile des 17. und 18. Jahrhunderts: Diese Spezialübung vollführt der Tonsetzer Winfried Michel unter den Pseudonymen Giovanni Paolo Tomesini und Giovanni Paolo Simonetti. Braucht die Musikwelt so etwas? Ein eindeutiges Nein fällt angesichts der durchaus vorhandenen Meisterschaft Michels nicht ganz leicht, ist aber die zu bevorzugende Antwort, denn die ohnehin hohe Zahl heute noch erhaltener Meisterwerke jener Zeit benötigt keine Aufstockung.

Nun denn, die Musizierwerkstatt Meppen und ihr künstlerischer Leiter Peter Klinger haben sich dennoch aufgemacht, den Kompositionen Michels in genanntem Stil die tragende Rolle in einem gut zweieinhalbstündigen Konzert zu überlassen. Und das gelingt zumeist eindrucksvoll.

Galantes Spiel

Da ist zum Beispiel jenes Opernfragment „Dido“, bei welchem neben instrumentalem Spiel auch sängerische Fähigkeiten der Musiker gefragt sind, und welches vom Komponisten persönlich vorgestellt wird. Ein paar kleine Intonationsschwächen – hervorgerufen durch nicht ganz austariertes Stimmen vorher – werden durch musikalisch ausgeprägtes, prägnantes und galantes Spiel schnell vergessen gemacht.

Wirklich ausgezeichnet agiert die Gruppe A Quattro, die neben anderen als Gast eingeladen ist. Auch sie spielt mit Simonettis „Sonata G-Dur“ ein Werk Michels. Die beschwingte und tänzerische Art des Gambenspiels von Uta Fahl und Rotraud Wrede bestimmt den Charakter des Werks. Antje Domine an der Altblockflöte gibt dem Ganzen mit makelloser Intonation den nötigen Farbtupfer und Dagmar Yüce am Cembalo ist der Pfeiler, auf den sich ihre Mitspieler getrost stützen können.

Frische Jazz-Note

Eine ganz andere Form musikalischer Unterhaltung bieten Take Six. Sie würzen das Programm mit poppigen Einlagen und einer frischen Note Jazz. Besonders „Piano Man“ des wunderbaren Billy Joel überzeugt. Arnold Terborg ist ein stets souveräner Drummer. Hermann Jansen (E-Bass), Thomas Stegemann (Querflöte) und Sabine Bünker (Bariton-Saxofon) bilden eine gut aufeinander abgestimmte Einheit. Peter Klinger am Piano macht dem Titel des Stücks alle Ehre und Manfred Heuer (Gesang und Gitarre) brilliert mit bluesiger Stimme.

Das Tomesini Quintett wartet dann sogar noch mit einer Uraufführung eines Tomesini/Michel-Werkes auf. Die Trauerkantate „Quare tristis est?“ erinnert stark an die Kompositionen eines Johann Kuhnau. Das ausgeprägte Spiel der fünf Musiker verleiht dem Werk nötige Struktur.

Sänger ohne Gesang

Zum Abschluss der Veranstaltung agieren nochmals alle Mitstreiter als Sänger ohne Gesang. Das geht, weil sie mit Ernst Tochs 1930 geschriebener „Fuge aus der Geographie“ ein Stück der Suite „Gesprochene Musik“ interpretieren. Der Versuch Tochs, musikalische Effekte durch Sprache zu erzielen, lässt ein unterhaltsames kurzes Opus zu. Unter der abermaligen Leitung Peter Klingers wird jenes Stück „unmusikalischer“ Musikalität zu einem nicht unwitzigen Höhepunkt eines langen und ungewöhnlichen Konzertabends, der mit großem Applaus bedacht wird.


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