Auftritt im Theater Meppen Moderator Arnd Zeigler: "Wer Meppen hört, denkt sofort an den SV"

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"Dahin, wo es wehtut" heißt die Tour des Moderators Arnd Zeigler. Am 22. November kommt er nach Meppen. Foto: WDR"Dahin, wo es wehtut" heißt die Tour des Moderators Arnd Zeigler. Am 22. November kommt er nach Meppen. Foto: WDR

Meppen. Am Donnerstag, den 22. November, kommt Moderator Arnd Zeigler nach Meppen und bringt das Programm "Dahin, wo es wehtut" auf die Bühne des Theaters Meppen. Im Interview erklärt der Stadionsprecher des SV Werder Bremen seinen Werdegang, das Programm und, warum er ausgerechnet nach Meppen kommt.

Seit elf Jahren feiert die WDR-Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" großen Erfolg. In der Sendung zeigt der Moderator Kurioses, Lustiges und Historisches aus der riesigen Welt des beliebtesten Sports überhaupt – und das alles direkt aus seinem privaten Arbeitszimmer. Angefangen hat Zeiglers Karriere beim Radiosender Bremen Vier, für den er immer noch wöchentlich die Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Pop" zusammenstellt und ausstrahlt. Seit 2013 ist der gebürtige Bremer außerdem als Co-Moderator in der Sendung "Sportschau-Club" der ARD nach Livespielen im Ersten tätig. Im Frühjahr tourte er in einer ersten Runde mit seinem Programm "Dahin, wo es wehtut" über die Bühnen der Republik. Im Herbst folgt nun der zweite Durchlauf mit einer Station in Meppen am Donnerstag, den 22. November. 

Was sind Sie: Fußballfan, -Historiker, -Journalist, Musiker? Sie sind ja ein Alleskönner.

Ich fürchte, dass es so ist, dass ich von allem ein bisschen kann aber nichts so richtig. Vor allem habe ich beruflich immer alles so geregelt, dass ich nie aufhören musste, Fan zu sein. Das ist unter anderem auch der Grund dafür, warum ich nirgendwo als seriöser Sportreporter gelandet bin, was als Kind noch mein Traum war. Da müsste man eine kritische Distanz bewahren, das war für mich ausgeschlossen. Die Jobs haben sich dann immer alle so ergeben. Ich habe für das Radio schon Fußballbeiträge gemacht, die durften dann schon subjektiv sein. Dann bin ich Stadionsprecher geworden, da durfte ich sowieso subjektiv sein und musste mir nichts verkneifen. Dann kam irgendwann die Fernsehsendung dazu, wo auch klar war, das ist eine Sendung, die auf mich zugeschnitten ist und wo ich keine neutrale Berichterstattung mache, sondern draufhauen darf, wann ich will und ungerecht sein darf, wann ich will.

Wie ist es dann zu der Fernsehsendung gekommen?

Es ist so, dass ich eigentlich nie zum Fernsehen wollte. Ich war immer ein reiner Radiomensch und fand das Fernsehen überhaupt nicht interessant, das war mir immer zu oberflächlich und eitel. Dann war es so, dass der WDR ein langjähriges Sportformat hatte mit dem Namen "Sport im Westen", das zuletzt kaum noch Zuschauer hatte. Steffen Simon, der damals schon Sportchef des WDR war, hat dann damals in der Sportredaktion gesagt: "Wir müssen ganz viel an der Sendung arbeiten – oder etwas komplett Neues machen!" Und es gab einen Redakteur aus Aurich, Christian Wagner, der mich aus dem Radio kannte und mit dem ich schon mal was zu tun hatte, der sagte, dass er sich das mit mir vorstellen könnte. Dann hatte ich einen Termin mit Steffen Simon, wir haben uns dann in ein Café in Bremen gesetzt und er hat gesagt, er wolle eine Sendung, so wie mein Radioformat. Sie sollte schräg sein, anders und ich sollte Einfluss nehmen, wie sie genau ausfallen soll. Dann hatte ich auf einmal ein Angebot für eine Fernsehsendung, die meinen Namen trägt. Das war so komplett von 0 auf 100 als Fernsehneuling. Erschwerend kam hinzu, dass ich meinem sechsjährigen Sohn versprochen hatte, dass wir alles was mit Fußball zu tun hat, gemeinsam machen. Ich musste dann Steffen Simon sagen, dass ich total gerne diese Sendung machen würde aber nicht jeden Sonntag in Köln sein kann, weil ich da immer mit meinem Jungen zum Fußball gehe. Er überlegte keine fünf Sekunden und sagte dann: "Dann kommen wir eben zu dir und machen eine Sendung aus deiner Wohnung." Das war dann ein Angebot, das konnte ich nicht ablehnen.

Das Ambiente in deinem Wohnzimmer macht die Sendung ja auch aus...

Für mich war vor allem auch immer klar, dass es nicht anders geht. Jede Sendung, wo so getan wird, als wäre man irgendwo in einer Kneipe, das wirkt immer unecht. Das funktioniert eigentlich nie.

Sieht es denn auf der Bühne ähnlich aus wie in der Sendung?

Ja, es soll ähnlich aussehen. Wir haben eine Schreibtischatrappe, weil wir den Schreibtisch nicht transportieren können. Aber er soll so aussehen wie im Fernsehen. Es ist auch der Grundgedanke gewesen, eine Bühnenversion meiner Fernsehsendung auf die Beine zu stellen. Es war auch klar, das Programm muss dann zeitlos sein und nicht auf das Geschehen vom vergangenen Wochenende bezogen sein, sondern auf die Frage bezogen: Warum ist denn Fußball wunderbar? Was macht Fußball aus, warum wird man Fan? Das ist der Kern des Programms.

Wie ist es denn bei Ihnen, warum sind Sie Fußballfan?

Das ist eine ganz komplexe Frage. Ich zitiere dann immer gerne aus einem Charlie Brown-Comic. Da sagt er zu seinem Freund im Schulbus: "Ich verliebe mich in jedes Mädchen, das nach Papierkleber riecht." Bei Fußball ist es auch so, dass man es in der Regel eigentlich nicht genau sagen kann. Das Wichtige ist ja, dass man es mitmacht, obwohl es ganz oft mehr Verdruss bringt als sonst irgendwas. Man reist viel herum, gibt Geld aus, plant seine Freizeit und Urlaube danach und wenn du Pech hast, hast du einen Verein, über den du dich jede Woche ärgern musst. Und trotzdem lässt man es nicht sein. Also muss irgendetwas da sein, das einen daran bindet. Das versuche ich auch ein bisschen aufzudröseln. Ich bin eigentlich Fußballfan geworden, weil ich zwei Brüder hatte, die immer länger aufbleiben durften, um Fußball zu gucken. Das fand ich immer doof und habe dann so getan, als wenn ich auch Fußball gucken wollte, um abends mit meinen Brüdern vor dem Fernseher abhängen zu können. Als ich neun war, war die WM 1974 in Deutschland und ab da war es naheliegend, dass man infiziert wird. Es gibt aber noch viel mehr Sachen, die ich am Fußball sehr mag. Es hat ganz viel mit sozialen Bindungen und Kontakten zu tun. Man kann ins entlegendste Land der Welt fahren und jemanden treffen, mit dem man sich von jetzt auf gleich drei Stunden über Fußball unterhalten kann und es ist wirklich so, dass man immer die Hoffnung hat, das theoretisch was ganz Tolles passieren kann. Man hofft zu jeder Saison, dass der Verein durchstartet, hofft mit jedem neuen Spieler, dass er ein ganz Toller ist. Du hast ganz viel Fantasie und Träume und Hoffnungen, die du mit Fußball verbindest und das zusammen mit Leuten, die auch Fan sind. Das ist das, was mich daran immer noch fesselt.

Warum kommen Sie nach Meppen?

Meppen ist so eine kleine Oase in der Region, weil man weiß, dass Fußball dort ein großes Thema ist. Jenseits des großen Fußballs gibt es Städte, wo du weißt, da ist Fußball eine große Nummer. Das ist in Meppen, Münster, Osnabrück oder Lübeck zum Beispiel so. Vereinfacht ist es so, dass wenn du irgendwo im Bundesgebiet Meppen hörst, dann denkst du an den SV Meppen. Da fällt dir erstmal nichts anderes ein.

Sie sind auch ein Fußballromantiker. Wie beurteilen Sie die Situation in der Fußballbundesliga?

Mittlerweile wird "Fußballromantiker" schon manchmal als Schimpfwort benutzt, als wäre man total weltfremd und würde sich gegen jede Entwicklung stellen. Man fragt sich immer "Hat das früher mehr Spaß gemacht?" Eigentlich ist es aber so, dass es immer Phänomene gibt, die man bizarr findet und innerlich ablehnt, wie aktuell zum Beispiel alles um die Strukturen von RB Leipzig. Es ist aber auch so, dass bereits in den 1960er Jahren der kicker Artikel darüber gedruckt hat, dass Fußballer zu viel Geld verdienen und wo das alles hingehen soll. Diese Diskussion hat es immer schon gegeben. Vor 15 Jahren hielt man Bayer Leverkusen für das Böse im deutschen Fußball, mittlerweile ist das ein ganz normaler Fußballverein, weil anschließend noch viel extremere Dinge passiert sind. Ich beobachte das mit Unbehagen, denke aber, und dazu soll mein Programm auch dienen, dass es bei genauem Hinsehen immer noch sehr viele Dinge im Fußball gibt, die man toll finden kann, egal was passiert.


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