Außergewöhnliche Dürre 2018 war im Emsland so trocken wie seit 67 Jahren nicht mehr

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Dürremonitor Deutschland und Niederschlag 2018 in mm (l/m²) / Quellen: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung und Deutscher Wetterdienst / Grafik: NOZ/Heiner WittwerDürremonitor Deutschland und Niederschlag 2018 in mm (l/m²) / Quellen: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung und Deutscher Wetterdienst / Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Meppen. Auch wenn die Hitze vorbei und in diesen Tagen Regen gefallen ist: Das Jahr 2018 war bislang viel zu trocken. Zeitweise litten bundesweit rund 98 Prozent der Fläche unter außergewöhnlicher Dürre. Auch im Emsland.

Der sogenannte Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung UFZ zeigt sehr deutlich, dass bundesweit große Teile des Landes noch immer unter Dürre leiden. Zwar hatten Regenfälle im September auch im Emsland zunächst zu einer leichten Entspannung geführt. Danach aber nahmen Regenmangel und dank sommerlicher Temperaturen auch die Verdunstung wieder deutlich zu. 

Und so leidet das Emsland Ende Oktober weithin unter einer außergewöhnliche Dürre sowohl im Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe, als vor allen Dingen auch im Gesamtboden bis in 1,80 Meter Tiefe. Die „außergewöhnliche Dürre“ ist die höchste von fünf Meldestufen des UFZ in Sachen Trockenheit.

Dürre bezeichnet dabei die Abweichung der Bodenfeuchte vom langjährigen Zustand im jeweiligen Monat (statistischer Vergleich mit dem Zeitraum 1951-2015). Die Daten werden anhand von Niederschlagsmengen und Messungen bundesweit berechnet. Zwischen 1951 und 2015 zeigten die Messwerte nur zu zwei Prozent eine außergewöhnliche Dürre an.

Aktuelle Daten zum Niederschlag im Emsland belegen den Regenmangel des Jahres 2018: So sind zum Beispiel an der Messstation Twist-Hebelermeer bis zum 25. Oktober 2018 nur 431 Liter Regen gefallen. Im langjährigen Mittel sind es pro Jahr 712 und bis Oktober im Schnitt 580 Liter.

Trocken wie nie

Dr. Andreas Marx vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung teilte auf Anfrage mit, so trocken wie 2018 sei es in keinem Sommer seit Beginn der Messungen im Jahr 1951 gewesen. 2003 habe es für eine etwas kürzere Zeit zwar eine ähnliche Situation gegeben – damals sei der Nordwesten aber kaum betroffen gewesen.

Marx rechnet vor, dass allein der Oberboden je nach Typ bis in 30 Zentimeter Tiefe rund 120 Liter Wasser pro Quadratmeter speichern könne. „Davon dürften im Schnitt 100 Liter fehlen“, sagt er. Mindestens zwei Monate mit normalen Regenmengen seien nötig, um allein dieses Defizit aufzufüllen. Um auch den starken Schwund des Grundwassers wieder auszugleichen, brauche man wohl den ganzen Winter. Das Gute daran: „In dieser Jahreszeit liegt ohnehin das Regenmaximum und es verdunstet kaum Wasser.“

Normalerweise steht das Wasser in diesem See bei Meppen bis zum Zaunpfosten. in diesem Jahr fehlen zwei Meter.

Dennoch gebe die Entwicklung Anlass zur Sorge. Denn drei der vier trockensten Sommer seit 1951 lagen im neuen Jahrtausend (2003/2015/2018) und der Klimawandel sei dafür eindeutig die Ursache. Denn durch das Abschmelzen des Eises an den Polen gerate – stark zusammengefasst – der sogenannte Jetstream durcheinander. Das sind Wetter bestimmende, sehr starke Luftströmungen oberhalb der Nordhalbkugel.

Der Klimawandel führe aber nicht dazu, dass nun im Sommer stets extreme Trockenheit herrsche, sagt Marx. Stattdessen könnten sich Wetterlagen länger halten. „Es kann also über viele Monate immer wieder regnen oder eben viel  zu trocken sein“, sagt Marx. Diese Wetterextreme träten in Deutschland durch den Klimawandel schon jetzt häufiger auf als früher. Schon bei einer Temperatursteigerung um 3 Grad Celsius in den kommenden Jahrzehnten müsse man mit einem Anstieg der Zahl der Wetterextreme um 60 Prozent rechnen.


Auch das war 2018: Die Einmündung der Kiefernstraße und des Eichenwegs in die Römerstraße in Meppen waren nach einem Unwetter am 1. Juni überschwemmt. Foto: Manfred Fickers


Der Mangel an Niederschlag hat längst Auswirkungen auf die Grundwasser- und Pegelstände der Flüsse auch im Emsland. So liegt der Pegelstand der Ems am Wehr in Meppen-Versen mit 91 Zentimetern nahe am Niedrigwasserwert von 87 Zentimetern. Im Mittel ist die Ems an dieser Stelle allerdings 144 cm tief. Auch in Dalum steht die Ems rund 50 Zentimeter tiefer als im Jahresschnitt.

Noch deutlicher ist der Wassermangel an der Hase: In Herzlake lag der Pegel am Dienstag bei 161 Zentimetern. Angesichts eines mittleren Wasserstandes von 238 Zentimetern ein deutlicher Rückgang.

Auf den Dortmund-Ems-Kanal und seine Schifffahrt hat die Trockenheit derweil keinen negativen Einfluss. Thorsten Seiwald, stellvertretender Leiter bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Meppen, berichtet, die Niederschläge beeinflussten den Wasserstand im Kanal nicht.

„Kaum Dürrehilfen“

„Durch die Schleusen und Wehre sind wir in der Lage, die planfestgestellte Wassertiefe zu halten.“ Infolge des niedrigen Wasserstands im Rhein profitiere allerdings der Dortmund-Ems-Kanal derzeit, da etwa zehn Schiffe mehr pro Tag hier unterwegs seien. Statt etwa 25 Berufsschiffen am Tag zähle man in Herbrum jetzt 35. Sie kommen laut Seiwald über die Niederlande in den Dollart und in die Ems. Von dort aus kommen sie weiter nach Lingen zur Raffinerie oder weiter südlich ins Ruhrgebiet. „Normalerweise fahren die Schiffe auf dem Rhein, unter anderem da er befreit ist von Abgaben“, sagt Seiwald. Weil der aber zu wenig Wasser führe, nutzten einige Schiffer nun notgedrungen andere Routen.

Einige Güterschiffe mehr als sonst nutzen in diesen Tagen den Dortmund-Ems-Kanal. Der Rhein führt zu wenig Wasser.


Die Landwirtschaft sieht aktuell wenig Probleme mit der Trockenheit. Jan Wulkotte von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Emsland, kann sich vorstellen, dass sogar die Vorzüge überwiegen könnten, da bei der Herbstaussaat im Gegensatz zu anderen Jahren „jede Fläche befahrbar war. Auch bei geringen Niederschlägen sind die Wintersaaten überwiegend gut aufgegangen. Das liegt unter anderem an den kurzen Tagen und am Morgentau.“

Die Aussichten, dass die hiesigen Landwirte von den Dürrehilfen der Bundesregierung profitierten, seien dagegen eher schlecht. „Die Vorgaben des bürokratischen Antragsverfahrens sind hoch. Bedürftige Betriebe müssen nachweisen, dass aus Ernteverlusten von mindestens 30 Prozent eine Existenzgefährdung für den Betrieb entstanden ist.“

Dürre hat ím Sommer 2018 zu Ernteschäden geführt. Im Bild ein vertrocknetes Maisfeld auf dem Esch in Lohne in der Gemeinde Wietmarschen.


Dabei seien auch außerlandwirtschaftliche Einnahmen (Fotovoltaik, Biogas, Beteiligung Windpark) zu berücksichtigen. Die entsprechenden Antragsunterlagen werden zurzeit erarbeitet. Das Antragsverfahren zum Dürrehilfeprogramm startet vermutlich Anfang November. Weitere Details werden noch bekannt gegeben. „Es werden nach unserer Einschätzung in unserer Region nur wenige Kartoffelspezialisten und Futterbaubetriebe Dürrehilfen abrufen können.“

Eine Übersicht über die diesjährigen Erträge gibt es derweil noch nicht. Die Ernten von Kartoffeln und Rüben laufen teilweise noch. Für das Emsland und die Grafschaft habe sich aber die Ernteprognose vom August bestätigt. Demnach fiel die Ernte bei Getreide um 15 bis 20 Prozent niedriger aus, beim Mais 30 bis 40 Prozent, bei Kartoffeln 55 Prozent und im Futterbau (Gras und Weide) um 60 Prozent. Einzelbetrieblich könne das ganz anders aussehen. Dabei seien nasse Flächen, wie es sie etwa im Raum Haren/Twist gebe, in diesem Jahr im Vorteil.


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