Ritterlicher Fußballsong und Schlossmusik zum Mitmachen Musikmechaniker öffnet Kinderohren und -herzen im Meppener Jam

Von Petra Heidemann

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Meppen. Mit musikalischem und pädagogischem Fingerspitzengefühl hat Thomas Hanz klassische Musik aus ihren Noten herausgeholt, ihre Elemente begreifbar werden lassen und mit der Kinderschar auf den Sitzsäcken vor der Bühne des Meppener Jam zu etwas Neuem entwickelt.

Musik jedes Genres und Menschen jedes Alters einander näher zu bringen, das ist dem Vollblutmusiker, in Europa anerkannter Sologitarrist und Kammermusiker, aber auch erfahrener Musikpädagoge an der Essener Folkwang-Musikschule, eine Herzensangelegenheit. Es gelte, den „Pädagogen zum Künstler und den Künstler zum Pädagogen“ zu machen, um eine sich verbreitende „kariöse“ Musikunterricht-Wertschätzung zu kompensieren. Da sei die „Viel-Saitigkeit“ der Gitarre gerade recht, erklärte der Künstler vorab hinter der Bühne, denn die kreative Vielschichtigkeit dieses Instruments verschließe sich keinem Genre.

Dies stellte er nach seinem Begrüßungslied und Vertrauen schaffendem Kennenlern-Geplauder mit den Kindern auch umgehend unter Beweis. Klangfarben in ihrer Abhängigkeit von Schlag- und Grifftechnik, ob „metallico“ oder „butterweich“ oder gar als „Sternentöne“ im Flageolett, ließen spontan ein verzücktes „Das klingt aber schön!“ aus Kindermund hörbar werden. Mit seinem Konzept, instrumentale Technik sichtbar und hörbar werden zu lassen, Klänge hör-mikroskopisch in Einzelstimmen zu zerlegen und mit seiner „Musikmaschine“ (Looper) wieder zu Neuem zusammenzubauen, fing Hanz sie alle ein, ob Krabbelalter oder erwachsen.

Atmosphärische Faszination

Aus einer schlichten, an Minnegesang erinnernden „Ritter-Melodie“ entwickelte Hanz durch rhythmische Unterlegung und mit Bodypercussion begleitetem „Ella-laola“-Singen der Kinder einen „brasilianischen Fußball-Song“ – atmosphärische Faszination, die „ohne Smartphone auskommt“. Danach gaben sich die Kinder, in die Sitzsäcke gekuschelt, zur Wellen-Musik des Gitarristen („Seapicture“ von Stefan Soewandi) den Geräuschen des Meeres hin, die sie selber zuvor mit ihm als „Wind, Möwen und Seehunde“ in die Musikmaschine eingegeben hatten.

Was ist ein Ton, wie funktioniert eine Saite? Dieser Frage ging der Musikmechaniker mit zwei „Assistentinnen“ nach. Die Schwingung eines straff gespannten, bühneneinnehmenden Seils wurde erst durch nach und nach ergänzte Mechanik hörbar, die die Kinder vom Klangkörper Gitarre rückschlossen – ein hölzerner Hohlraum mit Loch, ein „Stegholz“, ein Mikrofon.

Nachhal(l)tig in Schwingung versetzt

Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ ließen die jungen und jung gebliebenen Zuhörer „Das alte Schloss“ erleben, durchsetzt mit Wind, Türenknarren und dem Quietschen alter Rüstungen. Von dort lenkte der Musikpädagoge die Fantasie der Kinder zu „23 Elfen und einem Einhorn“ und ließ mithilfe eines über die Saiten seines Instruments tanzenden, „verzauberten“ Löffels die fremdartige, zart schwirrende Elfenmusik „Monologe eines Einhorns“ von Einojuhani Rautavaara ertönen.

Auch wenn alle abschließend noch einmal unter rhythmischem Körpereinsatz den Refrain des Max-Liedes über Töne, Melodien und Rhythmen begeistert mitsangen, war dies nicht das Ende der Veranstaltung. Thomas Hanz stand den Fragen der Erwachsenen ebenso zur Verfügung wie der Entdeckerfreude der Kinder, die auf seinem Instrument Tuchfühlung mit den Saiten aufnehmen durften und sich gern die Finger setzen ließen, um einem ersten eigenen Akkord nachzulauschen. Eben kein musikalisches Fastfood-Erlebnis, sondern ein Konzept, das aufgeht, ankommt und nicht nur Gitarrensaiten nachhal(l)tig in Schwingung versetzt.


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