Emsländerin gibt Tipps für schnelle Hilfe Zu schwach für den Winter: Igel in der Region drohen zu verhungern

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Diesem kleinen Igel-Weibchen hilft Marita Gölnitz über den Winter. Es wäre viel zu klein und schwach, den Winterschlaf zu überstehen. Foto: Harry de WinterDiesem kleinen Igel-Weibchen hilft Marita Gölnitz über den Winter. Es wäre viel zu klein und schwach, den Winterschlaf zu überstehen. Foto: Harry de Winter

Meppen. Marita Gölnitz aus Meppen kümmert sich seit 35 Jahren hingebungsvoll um Igel in Not. Durch den heißen und trockenen Sommer 2018 haben die Tiere oft nicht genügend zu fressen gefunden und drohen, zu verenden. Doch mit ein wenig Einsatz kann jeder Gartenbesitzer den Stachelträgern helfen.

Vorsichtig nimmt Marita Gölnitz eine kleine Holzbox aus einem Käfig für Meerschweinchen, der in einem Durchgangszimmer ihrer Wohnung steht. Sie öffnet den Deckel. Zunächst sieht man nur Laub und Stroh, doch bei einem genauerem Blick erkennt man kleine Stacheln. Behutsam greift die 70-Jährige in die Box und ein kleiner Igel, etwa Handtellergroß, kommt zum Vorschein. 

Ohne Angst zu haben, lässt sich das kleine Geschöpf von ihr streicheln. Dabei schaut Gölnitz nach dem Wohlbefinden des Tieres. Danach kommt es in der Holzschachtel zurück in den Käfig. "Das kleine Igel-Mädchen habe ich besonders lieb", sagt sie. "Sie ist etwas ganz Besonderes." Als das Tier bei ihr abgegeben wurde, war es kurz davor zu verenden, voller Parasiten und fast verdurstet. Jetzt geht es der Kleinen wieder gut und sie nimmt täglich an Gewicht zu.

Liebevoll kümmert sich Marita Gölnitz um das kleine Igel-Weibchen. Den Winter wird es bei ihr im Haus verbringen. Foto: Harry de Winter

(Weiterlesen: Vier Igel finden Unterschlupf bei Powelskes in Wietmarschen)

800 Igel in 35 Jahren

Seit rund 35 Jahren kümmert sich die Meppenerin um Igel in Not und ist vom NABU im Emsland als Igel-Expertin anerkannt. Seitdem hat sie jeden Winter mindestens zwei oder drei Igel bei sich im Haus, die es ohne ihre Hilfe nicht schaffen würden. Hochgerechnet über die Jahre kommt die 70-Jährige auf etwa 800 Igel, um die sie sich gekümmert hat. Ihren persönlichen Rekord an stacheligen Untermietern hatte sie im Winter 2015/2016 als sie 33 Igel bei sich aufgenommen hatte. Ihr Ehemann unterstützte sie dabei tatkräftig. "Er hat mir die ganzen Gehege und Boxen gebaut", sagt sie.

Dieses Jahr, nach dem heißen und vor allem trockenen Sommer, stehe es besonders schlecht um die kleinen Stachelträger. "Die Igel haben einfach nichts zu fressen gefunden", sagt Gölnitz. "Es gab kaum Schnecken und Würmer, wenig Insekten, die sonst bei den Tieren auf dem Speiseplan stehen. Viele sind unterernährt und haben viel zu wenig Reserven für den Winterschlaf anlegen können."

Überwintern im Keller

Gölnitz geht die Treppe in den Keller herunter. Auf dem Boden sind zwei kleine Gehege aufgebaut, der Untergrund mit Zeitungspapier, Laub und Zweigen ausgelegt. Aus einem der kleinen Holzschachtel schaut neugierig ein kleiner Igel. 

Die Gehege und Boxen für die Igel baut der Ehepartner von Marita Gölnitz in seiner Freizeit. Foto: Harry de Winter

"Hier unten habe ich zwei weitere Sorgenkinder von mir untergebracht", sagt die 70-Jährige. "Aber jetzt haben sie schon kräftig zugenommen." 80 und 90 Gramm wogen die Igel-Männchen, als Gölnitz sie in ihre Obhut nahm. Jetzt misst die Waage schon 240 Gramm bei ihnen. Einen von ihnen behandelt die Meppenerin noch am Auge, da dieses stark entzündet war. Danach geht es für die beiden Igel zurück ins Gehege. Den Winter werden sie, genau wie die Igel-Dame, bei Gölnitz im Haus verbringen. Im Frühjahr sollen sie dann über 1000 Gramm auf die Waage bringen. 

Entzündete Augen haben viele der kleinen Igel, da das Immunsystem wegen der schlechten Ernährung im Freien zu schwach ist. Marita Gölnitz behandelt das kleine Igel-Männchen mit einer Salbe. Foto: Harry de Winter


400 Gramm ist die Grenze

Es schmerze sie sehr, dass es den Igeln in diesem Jahr so schlecht ergangen sei. Täglich erreichten sie Anrufe aus dem gesamten Emsland von Menschen, die Igel in ihren Gärten gefunden hätten und um Rat fragten. "Die Tiere brauchen unsere Hilfe. Damit ich mit Rat und Tat zur Seite stehen kann, brauche ich immer das genaue Gewicht der Igel. Ist es unter 400 Gramm, dann schaffen sie es nicht über den Winter. Wenn das Gewicht darüber liegt, dann reicht es, wenn man ihnen im Garten Futter anbietet."

Viel zu klein und zu schwach für den Winterschlaf in der freien Natur wäre dieser kleine Igel, den Marita Gölnitz bei sich aufgenommen hat. Er wiegt derzeit 240 Gramm. Das Dreifache wäre nötig, damit er den Winter überleben könnte. Foto: Harry de Winter


Katzenfutter geben

Als Futter für die Igel empfiehlt Gölnitz Nassfutter für Katzen. Darin seien genügend Feuchtigkeit und Nährstoffe enthalten. Zusätzlich könne man auch einen Napf mit Wasser anbieten. Um nicht ungewollt Katzen in den Garten zu locken, rät die Meppenerin, mit Steinen oder Holz eine kleine Höhle zu bauen mit einem Eingang, der für Katzen zu klein sei. "Igel können kilometerweit riechen. Das Versteck finden sie mit Sicherheit." Nur eines sollte man tunlichst unterlassen: den Igeln Milch geben. Davon bekämen sie schwere Darmprobleme, die bei den ausgehungerten Tieren nicht selten zum Tod führen würden. Igel haben eine Laktoseintoleranz und können Milchzucker nicht abbauen.

Mit wenig Aufwand lässt sich so ein Igel-Gehege realisieren, sagt Marita Gölnitz. Foto: Harry de Winter


Hilfe leisten

Einen Igel bei sich im Haus überwintern zu lassen, sei zwar mit etwas Arbeit verbunden, wäre aber gerade für Familien mit Kindern eine lehrreiche und interessante Aufgabe, ist sich Gölnitz sicher. "Ein kleines Gehege und ein Häuschen für das Tier sind schnell gebaut und mit Zweigen, Heu und Laub ausgelegt. Mit einer Dose Katzenfutter kommt man leicht eine Woche lang aus. Die Igel werden nach einiger Zeit recht zutraulich und lassen sich auch streicheln. Wenn jemand das machen möchte, helfe ich ihm gerne weiter." Die Auswilderung im Frühling klappe in der Regel problemlos, da es sich um Wildtiere handele und sie ihrem angeborenem Instinkt folgen würden. Als generelle Aufforderung, jetzt alle Igel im Garten aufzusammeln und im Haus überwintern zu lassen, sei dies aber nicht zu verstehen, macht die Meppenerin deutlich. In jedem Fall sollte vorher der Rat eines Experten eingeholt werden.

Für die Einrichtung in den Boxen sorgen die Igel selbst, wenn man ihnen Laub und Heu ins Gehege legt. Foto: Harry de Winter


Fachkundige Hilfe gibt es hier:

Für Fragen und Hilfe rund um den Igel steht Gölnitz telefonisch unter 05931-14530 zur Verfügung. Auch kann man ihre Nachfolgerin in spe, Karin Amel, unter Tel. 05931-18862 um Rat fragen. 


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