Natur regeniert sich langsam Über 10.000 Tonnen Schotter auf WTD-Gelände bei Meppen

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Großflächig ist das Moor auf dem WTD-Gelände in Meppen durch die Flammen beschädigt worden. Foto: Hermann-Josef MammesGroßflächig ist das Moor auf dem WTD-Gelände in Meppen durch die Flammen beschädigt worden. Foto: Hermann-Josef Mammes

Meppen. Eines hat sich mit dem Moorbrand auf der Wehrtechnischen Dienststelle in Meppen gravierend geändert. Statt über unbefestigte Feld- und Waldwege können die Einsatzkräfte jetzt vielerorts über gut befestigte Schotterwege fahren.

Nach Informationen unserer Redaktion wurden dort in den vergangenen Wochen über 10.000 Tonnen Naturschotter aufgetragen. Nur so konnten die rund 2000 Einsatzkräfte gerade mit den handelsüblichen Feuerwehrfahrzeugen überhaupt ins Gelände vordringen. 

Schotter wurde großzügig aufgetragen


Jetzt muss mit den Naturschutzbehörden noch abgeklärt werden, ob der Schotter wieder abgetragen werden muss oder auch für mögliche zukünftige Einsätze vor Ort bleiben darf.

Die Wege erstrecken sich über viele Kilometer.


Zusätzlich zu den kilometerlangen Schotterwegen fällt auf, dass entlang der Wege auch regelrechte Schneisen in vorhandene  Waldstücke geschlagen wurden. Damit sollte ein Überspringen der Flammen in den Baumkronen verhindert werden. 

Schneisen wurden künstlich gezogen.

Das gesamte Areal der WTD 91 umfasst 188 Quadratkilometer, Nach Angaben der Bundeswehr breitete sich der Brand auf acht bis zwölf Quadratkilometern aus. Dabei brannte es in der fast komplett unbewaldeten Zone in den Naturschutzgebieten Tinner und Staverner Dose. 

Große Flächen wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Das unter Schutz gestellte Areal umfasst insgesamt fast 40 Quadratkilometer. Nach Aussagen von Augenzeugen habe damals "der Wind das Feuer über die Fläche gejagt". Dabei brannte überwiegend das Pfeifengras. Entgegen ersten Behauptungen gab es Glutnester im Boden nicht in "Metertiefe", sondern maximal in 40 Zentimeter Tiefe. Zurzeit befinden sich laut der WTD 91 noch 82 Einsatzkräfte, darunter 47 Soldaten und 35 Bundesfeuerwehrkräfte vor Ort. Auch wenn noch einige wenige Berieselungsanlagen zur Prävention auf der Fläche im Einsatz sind, besteht die Hauptaufgabe der Einsatzkräfte darin, in dem unwegsamen Gelände die Gerätschaften abzubauen. Hierzu gehören viele Kilometer Löschschläuche, aber auch Pumpen und Befestigungen. 

Lehren gezogen

Trotz aller Kritik wird aber auch klar, dass die WTD u.a. aus dem Moorbrand im Jahr 2010 Lehren gezogen hat. Bereits damals gab es Versorgungsprobleme mit dem Löschwasser. Jetzt finden sich an mehreren Stellen Tiefbrunnen. Hydranten ermöglichen den schnellen Zugriff auf das Löschwasser. 

Tiefbrunnen wurden auf dem WTD-Gelände angelegt.

Bei der Fahrt durch das Gelände ist offensichtlich, dass die kilometerlange Brandschneise sich von Süden nach Norden bewegte und von den Ortschaften Stavern im Osten und Tinnen im Westen jeweils mehrere Kilometer entfernt wütete. Dazwischen befinden sich noch diverse zahlreiche Acker- und Weideflächen. Dort werden in diesen Tagen wieder fleißig Kartoffeln geerntet. Gleichwohl waren gerade die Nachbarortschaften von der starken Rauchentwicklung je nach Windrichtung immer wieder erheblich betroffen. 

Auch wenn die enormen Schäden an Fauna und Flora wohl nie in Gänze erfasst werden können, regeneriert sich die Natur bereits wieder. In den verkohlten Moorflächen sprießen bereits überall wieder erste Gräser. Bis zum Frühjahr dürfte die gesamte Fläche bereits wieder in kräftigem Grün daherkommen. 

Die ersten Gräser wachsen bereits wieder.

Unterdessen recherchierte unsere Redaktion, dass früher bei ähnlichen Raketenschießübungen wie jetzt am  3. September große Löschhubschrauber immer gleich parat standen. Wie wir aus Feuerwehrkreisen erfuhren, wurden sogar nach den großen Waldbränden Mitte der 1970er Jahre in Niedersachsen auf der WTD 91 in Meppen der Einsatz von Transporthubschraubern mit ihren riesigen Wasserbehältern monatelang erprobt. Es sei damals sogar eigens auf dem WTD-Gelände ein Teich ausgehoben wurden. Von dort entnahm der Hubschrauber das Löschwasser. Leider sei dieser "inzwischen wieder versumpft". So zapfte der Hubschrauber den Möllersee an.

Versorgungsprobleme

Viele Jahre lang war der Spezialhubschrauber bei größeren Schießübungen entweder direkt auf dem WTD-Gelände stationiert oder beim Bundeswehrgeschwader in Rheine/Bentlage in Alarmbereitschaft. Dieses Mal musste der  42 Jahre alte CH53 Transporthubschrauber eigens aus Laubheim (Bayern) angefordert werden, als bereits eine große Moorfläche brannte. Zudem wurde das Flugbenzin eigens aus Diepholz nach Meppen transportiert. 

Auch Bäume wurden ein Raub der Flammen.

Grundsätzlich würden heute bei Schießübungen immerhin noch eine Löschraupe und ein Rettungswagen auf dem Gelände in Einsatzbereitschaft stehen. Dieses sei auch am 3. September der Fall gewesen. Die Löschraupe sei bauähnlich den Ski-Pistenraupen, verfüge jedoch über einen Tank von 2500 Liter. Auch aufgrund eines abrupten Fahrmanövers soll nach Informationen unserer Redaktion die Kette abgesprungen sein. Trotzdem sei es der Bundesfeuerwehr sogar anfangs gelungen, die Flammen weitgehend zu löschen. Leider seien durch die auffrischenden Winde über Nacht dann Glutnester wieder entfacht worden. Kritik richtet sich von Seiten der Feuerwehr an dem Zentrum für Brandschutz der Bundeswehr. Statt der vielen ehrenamtlichen Feuer- und THW-Kräfte hätte man sich viel früher der "rund 60 Bundeswehrfeuerwehren bedienen" können. Auch der Einsatz der Soldaten sei erst relativ spät erfolgt.   


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