Stammzellenspende Emsländer hilft Unbekanntem im Kampf gegen den Blutkrebs

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Einem Menschen im Kampf gegen Blutkrebs geholfen, das hat Andreas Markus aus Meppen getan. Er spendete Stammzellen an einem ihn unbekannten Mann und hat diesem womöglich damit das Leben gerettet. Foto: Privat/MarkusEinem Menschen im Kampf gegen Blutkrebs geholfen, das hat Andreas Markus aus Meppen getan. Er spendete Stammzellen an einem ihn unbekannten Mann und hat diesem womöglich damit das Leben gerettet. Foto: Privat/Markus

Meppen. Einem Menschen im Kampf gegen Blutkrebs geholfen, das hat Andreas Markus aus Meppen getan. Er spendete Stammzellen an einem ihn unbekannten Mann und hat diesem womöglich damit das Leben gerettet. Die Erfahrungen, die er bei der Knochenmarkspende gemacht hat, hat er uns im Gespräch geschildert.

Februar 2018. Als der 38-jährige Andreas Markus von der Arbeit kommt, findet er einen Brief von der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSG) in seinem Postkasten. Er öffnet das Schreiben in dem steht, dass er in der näheren Auswahl für eine Knochenmarkspende steht und sich bitte umgehend melden soll. Lange überlegen musste der Meppener nicht und griff zum Telefon. Er erklärte, dass er auf jeden Fall bereit sei, zu spenden.

Typsierung vor neun Jahren

Mitte März bekam er ein Paket zugesendet. In diesem waren alle möglichen Dinge zum Blut abnehmen. Mit dem Paket suchte er seinen Hausarzt auf, der ihn untersuchte und die Blutproben für die DSD abnahm. "Es war alles sehr aufregend und spannend", erinnert sich Markus. Dass er überhaupt als Spender in Betracht gezogen wurde, hielt er vor neun Jahren, als er sich typisieren ließ, für unwahrscheinlich. "Ich bin damals oft zur Blutspende gegangen. Ich wurde dann gefragt, ob ich mich nicht auch für eine mögliche Knochenmarkspende typisieren lassen möchte, was ich dann auch gemacht habe", sagt der Meppener. 

Medikament spritzen

Am 9. Juli klingelte Markus' Handy. Eine Whatsapp-Nachricht erreichte ihn, in der stand, dass er spenden soll. Am 24. Juli möge er sich um 8 Uhr in der Uniklinik in Münster einfinden. Die Anreise war für einen Tag eher vorgesehen, ein Hotel für ihn und seine Begleitung reserviert. Vorher möge er sich noch zeitnah bei seinem Hausarzt komplett durchchecken lassen. Alles Weitere werde ihm vor Ort erklärt. Um genügen Knochenmark spenden zu können, musste sich Markus zusätzlich fünf Tage vor dem Krankenhaustermin drei Mal täglich ein Medikament mit dem Namen Ranocyte spritzen. Dies verursachte leichte Schmerzen in der Hüfte. "Das wusste ich aber, dass dies eines der Nebenwirkungen war. Darüber hatte mich mein Arzt schon informiert."

Ranocyte, so heißt das Medikament, dass sich Andreas Markus fünf Tage lang drei Mal täglich selbst spritzen musste, um bei der Spende genügend Stammzellen im Blut zu haben. Foto: Privat/Markus

Fünf Stunden an Maschine angeschlossen

Die Nacht im Hotel in Münster war für den Meppener eine fast schlaflose. "Ich habe die ganze Zeit gegrübelt, was wohl auf mich zu kommen wird", so der 38-Jährige. Um 8 Uhr am nächsten Morgen fand er sich im Uniklinikum ein. Er musste einen Fragebogen ausfüllen und kam dann ins Behandlungszimmer, wo er sich auf ein Bett legen sollte. Ihm wurden in den linken und rechten Arm Kanülen eingeführt und diese mit einer Maschine verbunden, die die Stammzellen aus seinem Blut filterte. "Zunächst war gar nicht klar, wie lange die Entnahme überhaupt dauert", schildert Markus. "Mir wurde schnell langweilig, da ich die ganze Zeit still im Bett liegen musste. Mir hat man dann einen DVD-Player hingestellt, auf dem ich Filme gucken konnte." Gegen 13.30 Uhr, nach etwa fünf Stunden, teilte ihm ein Arzt mit, dass man nun genügen Knochenmarkzellen hätte. 

Gute fünf Stunden musste Andreas Markus still im Bett liegen, als ihm die Stammzellen entnommen wurden. Foto: Privat/Markus

Arbeitgeber lobt Engagement

Wenig später durfte Markus das Krankenhaus wieder verlassen und ging zurück zum Hotel, um seine restlichen Sachen zu holen. Danach ging es mit dem Zug zurück nach Meppen. Vor seiner Haustür lag ein Paket. In diesem war ein Dankesschreiben der DSD sowie zwei Bücher. Zudem erhielt er noch einen großen Blumenstrauß als Dankeschön. Am nächsten Tag ging er wieder zur Arbeit. Sein Arbeitgeber hatte ihn bereitwillig für die Spende freigestellt, lobte ihn sogar für sein Engagement.

Andreas Markus hat einem ihm unbekannten Menschen mit seiner Stammzellenspende möglicherweise das Leben gerettet. Foto: Harry de Winter

Wer ist der Empfänger?

Wem er überhaupt sein Knochenmark gespendet hat, das weiß der Meppener bis heute nicht genau. "Ich will natürlich gerne wissen, wem ich helfen konnte und ob er seinen Kampf gegen den Blutkrebs geschafft hat", sagt Markus. "Ich konnte nur herausfinden, dass meine Spende an einen 68-jährigen Mann aus Kanada gegangen ist. Mehr weiß ich nicht." In etwa zwei Jahren bestehe dann nochmals die Chance, mehr zu erfahren, sofern der Empfänger bzw. dessen Angehörigen dem zustimmten. "Wenn ich auf eine Stammzellenspende angewiesen wäre, würde ich auch gerne wissen, wer mir sein Knochenmark gespendet hat. Vielleicht finde ich es ja noch heraus."


Stammzellenspende

Alle 45 Minuten erhält völlig unvorbereitet ein Mensch in Deutschland die Diagnose Leukämie, erklärt Katja Kluger, Sprecherin der Deutschen Stammzellenspenderdatei. Insgesamt erkranken ca. 32.000 Menschen in Deutschland jährlich neu an Leukämie oder anderen Blutkrebsarten. Viele dieser Menschen sind Kinder und Jugendliche. Nur für 30 Prozent der Patienten findet sich ein passender Spender in der Familie. Ein Grund dafür ist die zunehmend begrenzte Familiengröße. Ein weiterer enorm wichtiger Grund dafür ist, dass die Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) von Spender und Patient für das Gelingen einer Stammzellübertragung fast identisch sein müssen, um keine Abstoßungsreaktion hervorzurufen. Da es Millionen verschiedener Kombinati-onen der HLA-Merkmale gibt, ist eine große und vielfältige Stammzellspenderdatei eine unabdingbare Voraussetzung, um möglichst vielen Leukämie- bzw. Blutkrebspatienten das Leben retten zu können. Leider findet jeder 6. Patient derzeit in Deutschland noch keinen lebensrettenden Stammzellspender.

In Deutschland gibt es 26 Stammzellspenderdateien, in die sich potentielle Stammzellspender aufnehmen lassen können, um eines Tages zum Lebensretter zu werden. Im zentralen Knochenmarkregister Deutschland (ZKRD) mit Sitz in Ulm laufen alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus den Stammzellspenderdateien zusammen.

Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-stammzellspenderdatei.de.

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