220 Besucher Fachtag in Meppen informiert über Aspekte der Demenzkrankheit

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Besucher des Fachtags im Meppener Kossehof bei der Erprobung des Demenzparcours. Foto: Landkreis EmslandBesucher des Fachtags im Meppener Kossehof bei der Erprobung des Demenzparcours. Foto: Landkreis Emsland

Meppen. Mehr als 220 Besucher sind auf Einladung des Demenz-Servicezentrums in den Kossehof Meppen gekommen, um sich am Fachtag Demenz, den der Landkreise Emsland alljährlich anlässlich des Welt-Alzheimertages veranstaltet, über Aspekte der Demenzkrankheit zu informieren.

Drei Themenschwerpunkte standen im Mittelpunkt: Im ersten Vortrag ging es zunächst um allgemeine Alterungsprozesse, die sich auch auf die Sinnesorgane des alternden Menschen auswirken – eben auch auf den Geschmacks- und Geruchssinn. Beide Sinne wirken sich auf das Essverhalten aus. „Essen bedeutet Lebensqualität“, betonte Ralf Oberle in seinen Ausführungen. Der Erziehungswissenschaftler und Geschäftsbereichsleiter bei apetito catering in Rheine zeigte in seinem Vortrag „Leberkäs mit Puderzucker – wie sich die Genusswelt von Menschen mit Demenz verändert“ auf, wie sich die Nahrungsaufnahme auch bei Menschen mit demenzbedingten Einschränkungen zu einem genussvollen, appetitanregenden Ereignis gestalten lässt. „Im Alter essen wir lieber in einer ruhigen Atmosphäre. Unser Geschmackssinn nimmt ab und verlagert sich Richtung süß“, so Oberle. Das gemeinsame Zusammensitzen am Esstisch könne auch im Alter wesentlich zur Beziehungsgestaltung beitragen.

Demenz mit Leichtigkeit begegnen

Unter dem Titel „Ein Kessel Buntes im Kopf - Demenz mit Leichtigkeit begegnen“ sensibilisierte Sophie Rosentreter in ihrem Vortrag für den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Doch betonte sie, dass es nicht nur um die Bedürfnisse derjenigen Menschen gehe, die von dieser Krankheit betroffen seien und die möglichst lange in der gewohnten häuslichen Umgebung leben möchten. Vielmehr dürften auch pflegende Angehörige unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung erwarten. Rosentreter ließ in ihren Ausführungen persönliche Erfahrungen einfließen, die sie bei der Pflege ihrer an Demenz erkrankten Großmutter gesammelt hatte. Sie berichtete von belastenden Situationen, von Verhaltensweisen ihrer Großmutter, die verstörend und frustrierend auf sie gewirkt hätten, aber auch von intensiven und schöne Momenten mit ihr. Sie machte deutlich, wie wenig ihre Mutter und sie damals über das Krankheitsbild Demenz gewusst hätten, wie aufreibend, emotional belastend und erschöpfend die Pflege und Versorgung der Großmutter zeitweise gewesen sei. Viel zu spät hätten sie sich professionelle Hilfe geholt. Die Unterstützung und Beratung professioneller Pflegekräfte sei eine große Entlastung gewesen.

Pflegende Angehörige, die sich ohne Hilfe bis zur Erschöpfung um den Pflegebedürftigen kümmern, würden oft selber krank werden. Von daher appellierte sie an alle Pflegenden: „Denken Sie auch ein wenig an sich selbst, an ihre eigene Gesundheit und lassen Sie sich rechtzeitig bei der Pflege und Betreuung ihrer demenziell veränderten Angehörigen helfen“.

Gegen Karriere als Model entschieden

Rosentreter entschied sich gegen ihre Karriere als Model und MTV-Moderatorin und für die Arbeit mit Demenzkranken. Gemeinsam mit der Deutschen Angestellten Krankenkasse rief sie die Film-Reihe „PflegeLeicht“ ins Leben. Über die Themen Alter und Pflege berichtet sie regelmäßig in ihrem YouTube-Kanal. Rosentreter versteht sich als Demenzbotschafterin, die aufklären und dazu beitragen will, dass die Bedürfnisse demenzkranker Menschen besser berücksichtigt werden. An vielen Beispielen – auch in Form von kurzen Filmeinspielungen – belegte sie, dass demenziell veränderte Menschen vielleicht nicht mehr über den Verstand zu erreichen sind, aber immer noch über ihr Herz.

Demenzparcours

Den Abschluss des Fachtages bildete die Vorstellung und Erprobung des sogenannten Demenzparcours. Dabei handelt es sich um einen Erlebnispfad, bei dem man im wahrsten Sinne des Wortes auf spielerische Weise begreifen kann, wie es sich anfühlt, wenn Fähigkeiten verloren gehen und eigentlich selbstverständliche Dinge nicht mehr funktionieren. Das Essen mit Messer und Gabel, sich eine Wegbeschreibung zu merken oder eine Einkaufsliste zu schreiben wird im Demenzparcours zu einer großen Herausforderung.

Der Parcours, der aus 13 Alltagssituationen besteht, wird insbesondere zu Schulungszwecken an entsprechende Einrichtungen ausgeliehen. Er stellt ein praktisches Pendant zur Vermittlung theoretischen Wissens über die Demenz dar. Informationen zu Möglichkeiten der Ausleihe des Parcours beantwortet die Koordinatorin des Demenz-Servicezentrums beim Landkreis Emsland, Rita Wallmann, unter der Telefonnummer 05931/44 11 71.


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