Kinder wählen eigene Berufe Schüler spielen Stadtleben im Meppener Jam nach

Von Heiner Harnack


Meppen. Sechs Wochen hat die Klasse Fachschule für Sozialpädagogik 18.3 der Marienhausschule mit Mitarbeitern des Jugendzentrums Jam zusammengearbeitet, um die kleine, neue Stadt „Jam-City“ zum Leben erwecken zu können. 120 Schüler sind in der Paul-Gerhardt-Schule (PGS) von Montagmorgen bis Mittwochabend dabei, um das Leben mit Inhalten zu füllen.

Betritt man die Turnhalle der PGS kommt einem unmittelbar der Gedanke, man sei tatsächlich auf einem Marktplatz oder einem Basar. Lediglich die Gebäude machen einen etwas wackeligen Eindruck. Aber für drei Tage wird das Bauamt keine Bedenken äußern, da es sich lediglich um Holzleisten handelt, die die einzelnen Geschäftsteile darstellen sollen. Vor dem Start konnten sich die Schüler der dritten bis sechsten Klassen überlegen, für was sie sich besonders interessieren. In der Redaktion der Jam-City-News arbeiten Paula Janning, 10 Jahre, und Lina De Grote, 9 Jahre, schon am Wetterbericht, der am Nachmittag fertig sein und gedruckt werden soll. Unentbehrlicher Helfer ist natürlich das Internet.

Seit 15 Jahren

Lehrer Thomas Schmidt bemerkt, dass keines der 120 Kinder in den letzten Stunden zum Smartphone gegriffen habe, was zeige, dass das Konzept aufgegangen sei. Der elfjährige Jost Weh schreibt Werbetexte für die Zeitung. Neben seiner Arbeit erklärt Jost, dass die Geschäfte der Jam-City bei ihm anfragten, was man werbetechnisch machen könne. Genau wie bei jeder real gemachten Tageszeitung steht auch Jost unter Zeitdruck und muss zusehen, dass er seine Texte fertig schreiben kann. „Das Konzept funktioniert seit 15 Jahren“, erklärt Schmidt. In jedem Jahr habe man andere Betreuer, von denen aber vor Jahren einige schon Bewohner der Jam-City gewesen seien. Das dreitägige Abenteuer klinge also noch lange nach, meint Schmidt.

Lernen, wie Demokratie funktioniert

„Wir versuchen, die Inhalte an den Interessen der Kinder zu orientieren“, erzählt Karsten Streeck, Mitarbeiter im Jam. Die Kinder könnten zwischen Kreativbereich, Handwerk oder Medien viele Dinge ausprobieren. „Sie sollen nachvollziehen können, wie es im richtigen Leben zugeht“, erklärt Streeck und fügt an, dass man so manchen Beruf spielerisch ausprobieren könne. Man lerne so auch das Gemeinwesen mit Geldkreislauf und das Leben in einer Stadt mit einer noch folgenden Bürgermeisterwahl kennen. Das sei besonders wichtig, damit man sehe, wie Demokratie funktioniere. „Einige Kinder freuen sich schon lange vorher, dass sie wieder bei Jam-City teilnehmen dürfen“, weiß der erfahrene Jugendarbeiter zu berichten, dass manche Kinder schon mehrfach an der Veranstaltung teilgenommen hätten.

Nach dem Ausscheiden mit Absolvieren der sechsten Schulklasse könnten die Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr wieder als Betreuer dabei sein. In der Zwischenzeit können die Bewohner der kleinen Stadt aussuchen, ob sie den Eissalon, die Beauty-Fabrik oder auch das Bürgeramt aufsuchen wollen, um dringende persönliche Angelegenheiten zu erledigen. Schmidt und Streeck sind sich einig, dass sich die Welt in eineinhalb Jahrzehnten stark verändert habe. In der Jam-City erlebten die Kinder aber einen Alltag, in dem sie spielerisch etwas schaffen und noch ein wenig Bildung mit nach Hause nehmen könnten.


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