Kammerspiele gastieren mit Zwei-Personen-Stück „Die Jungs im Herbst“ als Schauspiel in Meppen

Von Michael Potthast

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Meppen. Was ist eigentlich aus Tom Sawyer und Huckleberry Finn geworden? Diese Frage beantworteten Stephan Benson und Hardy Krüger Jr. in „Die Jungs im Herbst“ von Bernard Sabath nun im Meppener Theater.

Thomas Gray (Hardy Krüger jr.) und Henry Finnegan (Stephan Benson) treffen Jahrzehnte nach ihrer Jugend am Mississippi wieder aufeinander. Der eine verdient seinen Lebensunterhalt als fahrender Varietékünstler, der andere lebt ein einsiedlerisches Leben am Fluss. Nach anfänglichem Zögern kommen sie sich schließlich etwas näher und erzählen ihre bewegten Lebensgeschichten: Zwischen verworrenen beruflichen Werdegängen, tiefen privaten Einschlägen und Fehlentscheidungen sowie verworfenen Lebensentwürfen scheinen beide nicht das gefunden zu haben, was sie einst suchten.

Die Frage nach dem Sinn der Vergangenheit und der noch vor ihnen liegenden Zukunft bestimmt ihre Gespräche. Zwischen melancholischer Stimmung und missverstandenem Handeln bewegt sich ihr Wiedersehen. Von jugendlicher Leichtigkeit ist nicht mehr viel zu spüren.

Von Blues untermalt

Regisseur Christian Nickel lässt die Charaktere natürlich und ohne große dramaturgische Finessen auftreten, die das Stück und seine beiden Schauspieler aber auch wahrlich nicht benötigt. Einzig die Rückblenden, gekennzeichnet durch Lichtszenenwechsel und Strohhüte, bilden da eine Ausnahme. Zugute kommt der Inszenierung überdies auch die gelungene Übertragung ins Deutsche (Hardy Krüger), die direkt und zu passenden Momenten auch äußerst gefühlvoll erscheint. Finnegans Hütte und der Varietéwagen Grays dominieren die passend ausgestattete Bühne (Birgit Voß). Die Musikeinspielungen stammen vom in der Szene bekannten Bluesmusiker Abi Wallenstein. Er schafft mit seinen untermalenden Klängen in passenden Momenten Atmosphäre.

Insgesamt ist es den Kreativen gelungen, eine stimmige Gesamtinszenierung zu schaffen, die der größtenteils zwar unspektakulären, aber dadurch nicht uninteressanten Handlung zugutekommt. Schließlich beschwören die beiden eigensinnigen Charaktere nach mancher Differenz doch noch ihre neu aufgeflammte Freundschaft. Ein klein wenig versöhnt mit ihrer Vergangenheit, sich selbst und vor allem dem Anderen.


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