zuletzt aktualisiert vor

Was bedeutet das für die Bürger? Moorbrand im Emsland: Landkreis ruft Katastrophenfall aus

Der Landkreis Emsland hat wegen des Moorbrands auf dem Waffentestgelände WTD 91 der Bundeswehr bei Meppen am Freitag den Katastrophenfall ausgerufen. Foto: WTDDer Landkreis Emsland hat wegen des Moorbrands auf dem Waffentestgelände WTD 91 der Bundeswehr bei Meppen am Freitag den Katastrophenfall ausgerufen. Foto: WTD
WTD 91

Meppen. Der Landkreis Emsland hat wegen des Moorbrands auf dem Waffentestgelände WTD 91 der Bundeswehr bei Meppen am Freitagmorgen den Katastrophenfall ausgerufen. Was bedeutet das für die Bürger?

Der Deutsche Wetterdienst rechnet am Freitagmorgen mit einem Orkantief in der Region Emsland, das sich derzeit noch südlich von Irland befindet. Das Orkantief kann mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 Stundenkilometern über den Landkreis hinwegfegen, sagt ein Sprecher auf Nachfrage dieser Redaktion. Nicht förderlich für die Löschung des Feuers auf dem WTD-Gelände in Meppen, denn der Wind könnte den Moorbrand weiter befeuern. 

Evakuierung wird nicht ausgeschlossen

Aufgrund des Moorbrandes und der Wetterprognosen für diesen Freitag hat Landrat Reinhard Winter um 09:40 Uhr in enger fachlicher Abstimmung mit dem Niedersächsischen Innenministerium den Katastrophenfall ausgerufen. Dieser offizielle Akt sei eine wichtige Voraussetzung, um zum Beispiel auch mit überörtlicher Unterstützung planen und arbeiten zu können, insbesondere, wenn sich die Situation vor Ort nachhaltig verschärfe, erklärt Winter. „Wir wappnen uns für alle Eventualitäten und kommen hiermit vor die Lage“, unterstreicht der Landrat. „Mit Blick auf die neue Situation und die Prognosen der Bundeswehr können wir derzeit eine Evakuierung der Gemeinden Groß und Klein Stavern zudem nicht mehr ausschließen“, erläutert Winter.

Ausweispapiere einpacken

Man sei gut vorbereitet und wolle keine Unruhe erzeugen. Winter: "Da der Schutz der Bevölkerung für uns an erster Stelle steht, möchten wir aber die Staverner frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar ist.“ Bürger Staverns sind aufgefordert, sich grundsätzlich auf eine eventuelle Evakuierung vorzubereiten und vorsorglich die wichtigsten Dokumente wie Ausweispapiere und benötigte Medikamente zusammenpacken.

Messpunkte überwachen Rauch

„Eine ganz konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich, dennoch ist zu erwarten, dass sich Rauchbelästigung und Funkenflug verschärfen. Aber ob überhaupt evakuiert werden muss, ist natürlich abhängig vom Verlauf der Löscharbeiten auf dem Areal der Bundeswehr sowie den sich verändernden Wetterbedingungen“, sagt Winter. Der Landkreis befinde sich in enger Abstimmung mit der Bundeswehr, Experten sowie den Einsatzkräften vor Ort. Zudem werde derzeit ein engmaschiges Netz an Messpunkten eingerichtet, um die Belastung durch den Rauch permanent zu überwachen. Auch die Polizei im Emsland bereitet sich auf eine mögliche Evakuierung vor, sagt Sprecher Dennis Dickebohm.

Ab wann ein Katastrophenfall?

Treten Unwetter, Überschwemmungen oder andere Naturgewalten auf, ist das nicht automatisch ein Katastrophenfall. Von einer Katastrophe sprechen Behörden erst, wenn die Bedrohung von vielen Menschen, umfangreichen Sachwerten oder natürlichen Lebensgrundlagen so gravierend ist, dass die betroffene Kommune überfordert ist. Das bedeutet, dass die Lage nur beherrscht werden kann, indem überregional Einsatzkräfte alarmiert werden und ein Krisenstab eingerichtet wird. Ist das der Fall, wird der Katastrophenfall ausgerufen. Der Katastrophenfall ist dabei gleichlautend mit Katastrophenalarm.

Brand durch Raketentests

Wegen des Moorbrandes, der auf dem Übungsgelände der Bundeswehr bei Meppen am 4. September bei Raketentests ausgebrochen war und sich inzwischen auf eine Fläche von mehr als 1000 Fußballfeldern ausgedehnt hat, hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Derweil fordern Niedersachsens Grüne, dass die Messwerte über mögliche Schadstoffbelastungen unverzüglich veröffentlicht werden. Die Bevölkerung und die Feuerwehrkräfte vor Ort hätten ein Recht zu erfahren, wie gefährlich die Lage sei.

Rauchwolke im Emsland Gefahr für Gesundheit

Die deutschen Lungenärzte haben vor Gesundheitsgefahren durch den Großbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 in Meppen gewarnt. Der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner widerspricht der Einschätzung der Bundeswehr, von dem Brand gehe keine Gefahr aus.   „Die Rauchwolke führt zu einer massiven Feinstaubelastung und ist eine Gefahr für die Gesundheit", sagt Sprecher Dr. Michael Barczok. Je nachdem, wie der Wind gerade stehe, sei es für Anwohner so, als ob sie sich in einen komplett verräucherten Raum setzen, sagte Barczok. „Es ist, als ob sie fünf Zigaretten gleichzeitig rauchen – nur ohne Nikotin".

Bürgertelefon eingerichtet

Sollte es zur Evakuierung kommen, würden zeitnah Sammelplätze und Unterbringungsmöglichkeiten kommuniziert. Auch das eigenständige Verlassen der Gemeinden sei natürlich möglich. Ein Bürgertelefon des Landkreises für Betroffene ist eingerichtet unter den Telefonnummern 05931 44-5701, 44-5702 und 44-1431.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN