Dialog mit Verbrauchern Agrarscouts erläutern in Meppen moderne Landwirtschaft

Von Matthias Engelken

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Meppen. Den direkten Kontakt zu Verbrauchern haben am Dienstagnachmittag junge Landwirte aus dem gesamten Emsland und der Grafschaft Bentheim im und am Marktkauf in Meppen gesucht. Zuvor waren sie von einem Coach darauf vorbereitet worden.

„Ohne das richtige Image und ohne gesellschaftliche Akzeptanz können sich die Betriebe auf Dauer nicht weiterentwickeln“, sagt Peter Berndgen. Auf Einladung der Vereinigung des emsländischen Landvolkes hat der Geschäftsführer der Agentur agro-kontakt aus Köln am Montag junge Landwirte zu sogenannten Agrarscouts ausgebildet.

Diese sollen nach dem Willen des Forums moderner Landwirtschaft, einem deutschlandweiten Netzwerk für Landwirte und Menschen aus dem Umfeld der Landwirtschaft, im offenen Dialog mit Verbrauchern das Tun in der grünen Branche erläutern. Berndgen stattet dazu die Bauern mit dem nötigen Rüstzeug aus, bereitet sie auf Diskussionen vor. Seit gut vier Jahren werden Agrarscouts ausgebildet, meistens zentral in Berlin. Weil sich aber viele emsländische Landwirte bereits fortgebildet hatten und weitere mitmachen wollen, bot jetzt das Landvolk eine Schulung in Meppen an.

Großer Zuspruch

Der Zuspruch war enorm, im Nu hatten sich zehn Teilnehmer für das Seminar gemeldet. Intensiv bereitete nun Kommunikationstrainer Berndgen die vornehmlich jungen Landwirte auf ihre Gespräche vor. Motivierte sie, offen und ehrlich das Handeln auf dem Hof zu vermitteln und gleichsam der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben. Laut dem Rheinländer steht der Landwirtschaft eine neue Generation von Verbrauchern gegenüber, die sensibler und emotionaler auf Fragen des Tierschutzes, der Nachhaltigkeit oder der Herkunft von Lebensmitteln reagiert und moderne Produktionsverfahren kritisch betrachtet. „Die neuen Medien fördern diese Entwicklung“, sagt Berndgen und weist auf die komplexen Folgen hin, etwa das Informationsverhalten von Medien oder den Wettbewerb unter den Medien, die in einigen Fällen durchaus ein verzerrtes Bild darstellten. „Leider bilden sich Verbraucher ihre Meinung anhand von Medien und immer weniger durch die eigene Anschauung“, sieht er Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit im Agrarsektor.

„Die Landwirtschaft in Deutschland gehört zu den besten weltweit“, meint er aber und verweist etwa auf Tierwohlinitiativen, Hygienemaßnahmen oder der hohen Technisierung im Ackerbau. Um die Akzeptanz wieder zu steigern, müssen Landwirte ein Bewusstsein für Marketing und Marketingkommunikation entwickeln. „Jedes andere Unternehmen hat auch ein Logo“, sagt er. Zunächst aber sollten Landwirte Dialogbreitschaft zeigen, auch im eigenen Verein, beim Stammtisch und in der Nachbarschaft. Dabei sei es wichtig in der Sprache der Verbraucher zu sprechen, Fachbegriffe zu vermeiden.

Job besser erklären können

Auch die zukünftigen Agrarscouts mussten dies erst lernen. So etwa Matthias Hunfeld aus Börger. Der 20-jährige Junglandwirt hatte sich zum Workshop gemeldet, um seinen Job den Menschen besser erklären zu können. Und wurde auch gleich gefordert. Denn organisiert vom Landvolk durften sich am Dienstag alle Teilnehmer im und am Marktkauf positionieren und standen Verbrauchern für Fragen rund um den Agrarsektor zur Verfügung. Dabei wurde auch kritisch hinterfragt. So diskutierte Schweinemästerin Nicole Lohe aus Haselünne mit einem Verbraucher über Haltungsbedingungen der Tiere. Dabei zeigte sie die Entwicklung in den vergangenen Jahren auf. „Wir stellen uns den Herausforderungen und den Wünschen der Verbraucher, haben aber auch schon viel erreicht“, erläuterte sie.

Kaum noch Kontakt zu Landwirten

Dies sagt auch Niklas Pott aus Westrum. Der 21-Jährige war bereits im vergangenen Jahr auf der Grünen Woche in Berlin als Agrarscout tätig und hatte dabei Führungen auf dem Erlebnisbauernhof des Forums moderne Landwirtschaft gegeben. Durchaus positiv resümierte er die Gespräche am Dienstag. „Viele haben kaum noch Kontakt zu Landwirten, erfahren kaum noch etwas aus erster Hand. Im Gespräch konnte ich einiges erläutern und verdeutlichen.“ Dabei scheuten er und seine Mitstreiter sich auch nicht, Verbraucher auf den eigenen Betrieb zu einer Hofbesichtigung einzuladen. Auch das hatte ihnen Coach Berndgen ans Herz gelegt, um Verbrauchern ein umfassendes Bild vom Betriebsalltag auf den Höfen zu vermitteln.


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