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Kritik aus der Politik WTD 91: Jetzt auch Freiwillige Feuerwehren angefordert

Von Harry de Winter und und Daniel Gonzalez-Tepper

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Um dem Moor- und Flächenbrand auf der WTD 91 in Meppen Herr zu werden, hat die Feuerwehr der Bundeswehr am Donnerstag weitere Spezialkräfte vom THW angefordert. Foto: Matthias BrüningUm dem Moor- und Flächenbrand auf der WTD 91 in Meppen Herr zu werden, hat die Feuerwehr der Bundeswehr am Donnerstag weitere Spezialkräfte vom THW angefordert. Foto: Matthias Brüning

Meppen. Um des Moor- und Flächenbrandes auf dem Bundeswehrgelände WTD 91 in Meppen Herr zu werden, hat die Feuerwehr der Bundeswehr am Donnerstag weitere Spezialkräfte vom THW angefordert. Ziel ist es nun, ausreichend Wasser zu den Brandherden zu bekommen. Seit Freitagnachmittag helfen auch die Freiwilligen Feuerwehren.

Seit über einer Woche brennt es auf der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD) 91 in Meppen. Bislang brachten alle Löschversuche der Feuerwehr der Bundeswehr nicht den erhofften Erfolg. Um mehr Wasser an die Brandherde zu bekommen, wurde bereits am Mittwoch die Feuerwehr aus Osnabrück hinzugezogen. Diese verfügt über eine Hochleistungspumpe, ein sogenanntes "Hytrans Fire System", die bis zu 8000 Liter Wasser pro Minute über eine lange Strecke fördern kann. 

(Weiterlesen: Darum hat die WTD 91 den Waffentest trotz Trockenheit durchgeführt)

Unmengen an Wasser benötigt

Nun wurde am Donnerstag das THW aus dem Regionalbereich Lingen hinzugezogen, zu dem auch die Ortsverbände Meppen und Papenburg gehören, um die Wasserversorgung weiter auszubauen. Dies habe einen einfachen Grund: Die wasserführenden Gräben auf dem WTD-Gelände seien mittlerweile fast leer gepumpt, sagt Dieter Grönninger, Technischer Regierungsdirektor auf der WTD 91, auf Nachfrage unserer Redaktion. "Um den Moorbrand zu löschen, braucht die Feuerwehr Unmengen an Wasser. Diese gibt es aber nur in größerer Entfernung in ausreichenden Mengen. Dafür brauchen wir die Unterstützung der Spezialisten aus Osnabrück und vom THW."

Es sind auch Kräfte des THW aus den Landesverbänden Bremen, Niedersachsen und NRW in Meppen, um zwei Wasserförderstrecken mit insgesamt sechs Großpumpen aufzubauen und zu betreiben.   

(Weiterlesen: WTD ruft THW zur Unterstützung)

Löschwasser aus der Nordradde

Schon in der vergangenen Woche war das Technische Hilfswerk (THW) zur Unterstützung gerufen worden, um Fahrzeuge mit Kraftstoff zu versorgen, wurde dann aber nicht mehr benötigt. "Jetzt sind wir wieder voll dabei", sagt Michael Lüders, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerkes in Meppen. "Aus der Nordradde bei Stavern haben wir eine Wasserversorgung auf das WTD-Gelände hergestellt. Mit großen Pumpen wird das Löschwasser rund drei Kilometer weit gefördert." Wie lange das THW diesmal vor Ort sein wird, kann Lüders nicht sagen. "Wir sind auf Anforderung der Feuerwehr der Bundeswehr im Einsatz. Die entscheidet, wie lange sie uns braucht." Es sehe aber ganz danach aus, als könnte es ein längerer Einsatz werden. 

Freiwillige Feuerwehr hilft

Bei der Bekämpfung des Brandes kommt inzwischen auch die Freiwillige Feuerwehr zum Einsatz. Am Freitagnachmittag forderte die Bundeswehr diese Unterstützung an. Aus der Feuerwehrbereitschaft Emsland Nord kamen daraufhin in Sögel 60 Kräfte aus Werlte, Lorup, Lathen und Klein Berßen zusammen. Sie sollen bei der Wasserförderung unterstützten und stehen unter der Leitung von Bereitschaftsführer Torsten Stindt.

60 Kräfte aus der Feuerwehrbereitschaft Emsland Nord sind am Freitagnachmittag in Sögel zusammengekommen, um bei der Bekämpfung des Flächenbrandes auf dem WTD-Gelände zu helfen. Foto: Lambert Brand


Entscheidend ist die Technik

Das Feuer an sich habe sich indes nicht wesentlich ausgedehnt, sagt Grönninger. "Die Größe ist in etwa gleich geblieben. Probleme bereitet aber der immer wieder drehende und auffrischende Wind, der das Feuer vor sich her treibt." Derzeit seien etwa 50 Kräfte der Bundeswehrfeuerwehr plus die hinzugerufenen Spezialisten im Einsatz.

Zur Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort sind außerdem militärische Einheiten der Bundeswehr nach Meppen verlegt worden. So bauen Spezialpioniere der Streitkräftebasis eine langfristige Löschwasserversorgung mit Pipelines auf. Das Deutsche Heer unterstützt seit Donnerstag mit zwei Drohnensystemen vom Typ Aladin und des dazugehörigen Bedienungspersonals eines Aufklärungsbataillons. Die mit Wärmebildkameras ausgestatteten Aufklärungsdrohnen spüren Glutnester auf, die dann durch die Einsatzkräfte bekämpft werden können. Seitens der Bundeswehr sind zurzeit etwa 110 Kräfte im Einsatz. Diese werden durch die Bundeswehr regelmäßig ausgetauscht, da die Dauer des Brandereignisses noch nicht abzusehen ist. 

Entscheidend sei bei einem Moorbrand nicht die Mannschaftsstärke, sondern die Technik. Und die habe man jetzt vor Ort. Wann der Brand gelöscht sei, könne man aber nicht sagen.

Waffentests bei Trockenheit unverantwortlich

Dass der Moorbrand durch Schießtests der Bundeswehr ausgelöst wurde, kritisiert der Grüne Fraktionsvize und naturschutzpolitische Sprecher Christian Meyer. Es sei unverantwortlich, dass die Bundeswehr trotz extremer Trockenheit und auch noch mangelnder Brandschutzsicherheit Waffentests in Moorgebieten in Niedersachsen durchgeführt habe. "Das hat weitreichende Moorbrände ausgelöst, deren Qualm bis nach Oldenburg und Bremen reicht", so Meyer. "Auch die Umwelt wird massiv durch diese Fahrlässigkeit der Bundeswehr geschädigt. Wir Grüne erwarten, dass während extremer Trockenheit wie dieses Jahr keine Schießübungen in Moor- und Waldgebieten durchgeführt werden. Während die Bevölkerung in solchen Gebieten zurecht kein offenes Feuer machen oder Zigaretten wegwerfen darf, führt die Bundeswehr große Waffentests im Moor durch." Man wolle dies auch im Landtag thematisieren und die Landesregierung auffordern, bei Bundesverteidigungsministerin Von der Leyen für ein Schießverbot in Moorgebieten bei Trockenheit einzutreten.


Brände auf der WTD 91

In der Vergangenheit kam es auf der WTD 91 in Meppen immer wieder zu kleineren und größeren Bränden. 80 bis 100 Feuer verzeichnet die Dienststelle pro Jahr durch den Erprobungsbetrieb. Der letzte Großbrand ereignete sich im Juli 2010. Das Feuer wurde ebenfalls durch einen Testschuss verursacht und war erst nach mehreren Wochen gelöscht. Auch hier war die Rauch- und Geruchsbelästigung über weite Strecken groß.   

Da sich das Erprobungsgebiet der WTD über weite Teile des Naturschutzgebietes Tinner Dose erstreckt, setzt die Bundeswehr auf dem Gelände Feuer gezielt zur Landschaftspflege ein. Zum einen will man durch das Abbrennen die Vegetation verjüngen – darauf sind viele Tier- und Pflanzenarten angewiesen. Zu anderen soll so möglichst verhindert werden, dass die getestete Munition die Vegetation in Brand setzt.

Noch bis vor etwa 100 Jahren waren große Moorbrände im Emsland üblich. Die Bauern legten alle paar Jahre Feuer, um im teilweise trockengelegten Moor ein Aschebett zu schaffen. Darin säten sie Buchweizen, ein Knöterichgewächs, das unter anderem für Pfannkuchen verwendet wird. Diese Brände waren bis in große Entfernungen wahrzunehmen. (hdw)

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