Mit Gedenkmedaillen gewürdigt Friedensschluss nach Dreißigjährigen Krieg auch für das Emsland bedeutsam

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Mit Gedenkmedaillen und -münzen wurde der Friedensschluss gewürdigt. Foto: Carola AlgeMit Gedenkmedaillen und -münzen wurde der Friedensschluss gewürdigt. Foto: Carola Alge

Meppen. Am 15. Mai und 24. Oktober 1648 wurde in den Rathäusern Münster und Osnabrück der dreißig Jahre andauernde, erste große europäische Konflikt mit dem sogenannten Westfälischen Frieden beendet. Nach mühsamen Verhandlungen konnten sich nahezu alle großen europäischen Mächte endlich auf ein gemeinsames Vertragswerk einigen.

Die Verhandlungsparteien tagten an verschiedenen Orten, wo sie zwei sich ergänzende Verträge aushandelten. Beide Verträge wurden schließlich am 24. Oktober 1648 in Münster im Namen von Kaiser Ferdinand III., König Ludwig XIV. von Frankreich und Königin Christina von Schweden unterzeichnet.

Freies Geleit

Doch warum zwei Tagungsorte, zwei Verträge? Bereits 1637 hatten die Kriegsparteien vorsichtig ihre Fühler ausgestreckt und das Thema „Universalfriedenskongress“ in den Raum gestellt. Erst im Winter 1641 konnte man sich im sogenannten Präliminarfrieden von Hamburg auf Teilnehmer und Orte der Verhandlungen einigen. Währenddessen ging der Krieg unvermindert weiter, aber die Verhandlungsstädte Münster und Osnabrück wurden als entmilitarisiert erklärt, und alle Gesandten erhielten freies Geleit.

Rang und Titelstreitigkeiten der Gesandten der europäischen Großmächte verzögerten den Beginn der Verhandlungen, bis sie endlich vier Jahre später im Frühsommer 1645 beginnen konnten. Bei diesem ersten großen Treffen der Gesandten europäischer Staaten musste also zunächst die Etikette geregelt werden, während draußen im Land die Menschen starben und hungerten, das Land durch Schlachten und Plünderungen verwüstet wurde. In Osnabrück wurde dann zwischen Kaiser, Reichsständen und schwedischen Gesandten verhandelt. In Münster bedurfte es zusätzlich einer Vermittlung päpstlicher und venezianischer Gesandten zwischen den Delegationen des Kaisers und des französischen Königs.

Mit Gedenkmedaillen und -münzen wurde der Friedensschluss gewürdigt. Foto: Carola Alge

Die Trennung erfolgte, da nach 25 Jahren Krieg die Fronten dermaßen verhärtet, das Misstrauen so groß war, dass einzelne Kriegsparteien nicht Auge in Auge miteinander verhandeln wollten. Parallel zu den Gesprächen wurde eine Postlinie eingerichtet, auf der die sogenannten „Friedensreiter“ unterwegs waren und Depeschen zwischen den Verhandlungsorten austauschten. Ein erster Erfolg der Friedensbemühungen wurde schon am 30. Januar 1648 unterzeichnet, der sogenannte Friede von Münster zwischen Spanien und den Niederlanden.

Feierlich verlesen

Am 15. und 16. Mai 1648 wurden die Urkunden feierlich verlesen, die Souveränität der niederländischen Provinzen anerkannt. Die Niederlande schieden damit aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus. „Das war ein auch für das Emsland bedeutsames Ereignis, denn mit den Niederlanden schied auch die damalige Grafschaft Lingen, die zu den Niederlanden gehörte, aus dem Reichverbund aus“, sagte Silke Surberg-Röhr, Leiterin des Archäologiemuseums in Meppen. Erst als die Grafschaft durch Erbfolge an Preußen fiel, kehrte Lingen 1702 in den Reichsverbund zurück. Viele Zeitgenossen dürften nach dem Friedensschluss erleichtert aufgeatmet haben. Vor allem für die Protestanten waren die Verträge das Fundament ihrer Religionsfreiheit.

Noch 100 Jahre nach dem wegweisenden Friedensschluss wurde seine große Bedeutung mit Gedenkmedaillen und -münzen gewürdigt. „Die neueste Geschichtsforschung sieht in dem Vertragswerk den Beginn einer neuen Machtbalance, einen historischen Beitrag zu einer europäischen Friedensordnung zwischen gleichberechtigten Staaten und zum friedlichen Miteinander der Konfessionen sowie den Beginn einer Entwicklung, die zur Herausbildung des modernen Völkerrechts geführt hat“, betont Surberg-Röhr.

Die Ausstellung „Alter Schwede! Bauern, Bürger und Soldaten im Dreißigjährigen Krieg“ im Archäologie- Museum in Meppen ist bis Ende 2018 zu sehen.


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