Vier Verfahren beraten Emsland steht bei FFH-Gebieten kurz vor dem Ziel

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Blick ins Hahnenmoor: Hier rasten im Winter Tausende Zugvögel. Foto: Tobias BöckermannBlick ins Hahnenmoor: Hier rasten im Winter Tausende Zugvögel. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Der Landkreis Emsland steht bei der Sicherung seiner FFH-Naturschutzgebiete kurz vor dem Abschluss. Der Umweltausschuss hat die letzten vier Verfahren bearbeitet.

Die EU gibt vor, dass FFH-Gebiete in jedem Land eine nach dortigem Recht geltende Schutzgebietsverordnung erhalten müssen, die inhaltlich dem höher gestellten EU-Recht entspricht. Die Frist dafür ist längst abgelaufen – sollte Deutschland die Umsetzung bis Ende des Jahres nicht geschafft haben, drohen Bußgelder (wir berichteten). FFH steht für die „Flora Fauna Habitat“-Richtlinie, mit der ein europäisches Naturschutznetz geschaffen worden ist.

Die letzen Verfahren beschäftigen sich mit dem Langelt, einem Eichenmischwald nördlich der Gemeinde Vrees, dem Hahnenmoor südlich von Herzlake, dem Gutswald Stovern bei Salzbergen und dem „Stillgewässer bei Kluse“ in der Samtgemeinde Dörpen.

Der Langelt. Foto: Tobias Böckermann


Für alle vier war das Verfahren Anfang des Jahres begonnen worden und die träger öffentlicher Belange (Behörden, Verbände) sowie Privatleute hatten Gelegenheit, sich zu den Plänen zu äußern. Wie Kreisbaurat Dirk Kopmeyer dem Ausschuss berichtete, hat die Verwaltung nun einige Änderungen in den Verordnungen vorgenommen.

So hatte die Gemeinde Salzbergen darum gebeten, zu konkretisieren, dass Veranstaltungen rund um den den Walderlebnispfad im Stoverner Wald weiter möglich sein werden. Außerdem habe man klargestellt, dass in den Waldnaturschutzgebieten traditionell angebaute Baumarten wie Douglasie oder Roteiche weiterhin möglich sein werden.

Froschkraut. Foto: Tobias Böckermann


Ähnlich gelagerte kleinere Änderungen gab es auch bei den anderen drei Schutzgebieten. So bleibt im Stillgewässer bei Kluse, das viele extrem seltene Pflanzen beherbergt, das Anfüttern der Fische beim Angeln in geringem Maß erlaubt, ebenso die Ausbildung von Jagdhunden am Gewässer.

Die Debatte der Ausschussmitglieder ergab ein ähnliches Bild wie in den vergangenen Jahren bei früheren Verfahren dieser Art: CDU, SPD und Grüne stimmten dafür, AFD, FDP und UWG dagegen. Letzteren gehen die Einschränkungen von Privatleuten, Grundbesitzern oder Jägern zu weit, AFD-Vertreter Hartmut Krüger wollte gar eine Erpressung durch die EU erkannt haben, Hermann Meyer (UWG) eine Überregulierung.

Franz-Josef Evers (CDU) lobte dagegen ausdrücklich die sehr gute Arbeit der Kreisverwaltung, die extrem aufwendig und belastend gewesen sei. Dabei habe man stets Kompromiss und Aussprache mit den Betroffenen vor ort gesucht und stets einen fairen Umgang gefunden. „Das war sehr professionell“ lobte er. Allerdings habe er die jahrelange Arbeit am FFH-Thema als durchaus belastend und einschränkend auch für den Kreistag empfunden. Er sah hierin eine Aufgabe des Landes, das die Arbeit der Kreise zumindest honorieren müsse.

Vogelnestwurz - eine Orchidee im Stoverner Wald. Foto: Tobias Böckermann


Der Kreistag muss in seiner nächsten Sitzung über die vier Verfahren endgültig beschließen. Danach werden für jedes FFH- und Vogelschutzgebiet des Landkreises Managementpläne erarbeitet. Sie sollen ermöglichen, dass der aktuelle zustand der gebiete erhalten oder verbessert wird.


Bis Ende 2018

Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) bildet die Basis für die Schutzgebietsausweisung im Emsland. Sie verpflichtet die Staaten schon seit Langem dazu, ein Netz aus wertvollen Lebensräumen unter Schutz zu stellen, um so die Artenvielfalt erhalten zu können. Zahlreiche Gebiete wurden per FFH-Richtlinie nach europäischem Recht geschützt, die Umsetzung in nationales Recht ist vorgeschrieben, aber vielfach nicht erfolgt. Auch Deutschland hat sich bei der Umsetzung zu viel Zeit gelassen – die EU hat inzwischen ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, und Deutschland drohen Bußgelder. Im Emsland sind zwar zahlreiche FFH-Gebiete als Naturschutzgebiete ausgewiesen worden, vor allem mit der Ems fehlt aber ein entscheidendes.

Die vollständige nationale Sicherung aller FFH und EU-Vogelschutzgebiete soll bis 2018 abgeschlossen sein.

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