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Moorbrand auf WTD91-Gelände Feuerwehr Osnabrück rückt mit Spezialausrüstung in Meppen an

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13 Einsatzkräfte mit acht Fahrzeugen aus Osnabrück haben sich am Mittwoch mit einem Spezialgerät – einem sogenannten "Hytrans Fire System" – auf den Weg zur WTD gemacht. Foto: Jan Südmersen/Feuerwehr Osnabrück13 Einsatzkräfte mit acht Fahrzeugen aus Osnabrück haben sich am Mittwoch mit einem Spezialgerät – einem sogenannten "Hytrans Fire System" – auf den Weg zur WTD gemacht. Foto: Jan Südmersen/Feuerwehr Osnabrück

Meppen. Der Moorbrand auf einem Testgelände 91 der Bundeswehr in Meppen hat mittlerweile Auswirkungen weit über die Stadt hinaus. Durch den Westwind ist der Brandgeruch mittlerweile schon in Oldenburg wahrzunehmen. Nun wurde die Feuerwehr Osnabrück informiert – aus einem besonderen Grund.

Seit dem 4. September versuchen bis zu 50 Einsatzkräfte von sieben Bundeswehrfeuerwehren und einer Regionalen Koordinierungsstelle der Bundeswehrfeuerwehr, das Feuer auf dem Gelände zwischen Meppen und Börger zu löschen. Der Brand ist auf Tests von neuen Waffensystemen zurückzuführen, teilte Dieter Gröninger, Technischer Regierungsdirektor auf der WTD91, auf Nachfrage dieser Redaktion mit. (Weiterlesen: Brand auf der WTD 91 hat sich nach Norden ausgebreitet)

Spezialgerät aus Osnabrück

Bei der Brandbekämpfung gibt es jedoch ein Problem: Der teils böige Westwind trägt den Brandgeruch über Esterwegen bis ins rund 80 Kilometer entfernte Oldenburg und stellt die Bundeswehrfeuerwehr vor eine große Herausforderung. "Die aktuelle Lage vor Ort erfordert die dauerhafte Bereitstellung umfangreicherer Löschwassermengen. Aus diesem Grund erfolgte durch den Einsatzleiter vor Ort auch eine Abfrage der kommunalen Feuerwehren bezüglich Bereitstellung von leistungsstarken Spezialpumpen", teilte eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr mit.

Nun wurde die Feuerwehr Osnabrück alarmiert. 13 Einsatzkräfte mit acht Fahrzeugen aus Osnabrück haben sich am Mittwoch mit einem Spezialgerät – einem sogenannten "Hytrans Fire System" – auf den Weg zum Einsatzort gemacht. Die Hochleistungspumpe, über die die Feuerwehr verfügt, ist nur selten in Deutschland zu finden. Laut Jan Südmersen, Pressesprecher der Feuerwehr, kann das System pro Minute bis zu 8000 Liter Wasser über eine Strecke bis zu sechs Kilometer transportieren. (Weiterlesen: Feuer nach Plan: WTD setzt 300 Hektar in Brand)


Die Berufsfeuerwehr Osnabrück verfügt über ein "Hytrans Fire System". Hierbei handelt es sich um eine Hochleistungspumpe, die bis zu 8000 Liter Wasser pro Minute fördern kann. Foto: Jan Südmersen/Feuerwehr Osnabrück


Gelände schwer zugänglich

Optimal also für die Moor- und Vegetationsflächen im Emsland. Das Gelände im Naturschutzgebiet Tinner Dose ist laut David Bracke, Pressesprecher der Wehrtechnischen Dienststelle, zum Teil schwer zugänglich und kann nur über wenige Feldwege mit Fahrzeugen erreicht werden. Dauerhaft wird eine sehr große Menge Löschwasser benötigt, um nicht nur den Brand an der Oberfläche, sondern auch unterhalb der Oberfläche bekämpfen zu können. "Die Besonderheit bei einem Moorbrand ist, dass das Feuer bis tief in das Erdreich eindringen und unbemerkt weiter schwelen kann", sagt die Sprecherin. 

Die Frage, warum die Feuerwehr erst jetzt, knapp zehn Tage nach dem Vorfall zur Hilfe gerufen wird, blieb bisher seitens der Bundeswehr unbeantwortet. 

Waffentest trotz Trockenheit

Dass trotz Trockenheit überhaupt ein Waffentest durchgeführt wurde – für die Bundeswehr nicht  problematisch: "Es ist unsere Hauptaufgabe, Versuche und Tests mit Waffensystemen durchzuführen", erklärt Grönninger. "Vor jedem Versuch wird eine Gefahrenanalyse gemacht. Wir hielten das Restrisiko für gering." Auch vor dem Hintergrund, dass man Beschaffungsprojekte der Bundeswehr nicht verzögern wolle, habe man den Test durchgeführt. Bei Waffen- und Munitionstests sei immer die Betriebsfeuerwehr dabei. Laut Bundeswehr fiel bei diesem Test jedoch ein Spezialfahrzeug aus, das auf dem sumpfigen Boden fahren kann. Dadurch konnte sich das Feuer schnell ausbreiten. (Weiterlesen: Darum hat die WTD 91 den Waffentest trotz Trockenheit durchgeführt)

"Moorbrände kommen einfach vor"

In einem Interview mit dem NDR sagte Thomas Malyuß vom WTD: "Komplett ausschließen kann man Moorbrände nicht, wenn ich mich richtig informiert habe, hätte der Sommer nur zwei,drei Tage weiter bei den entsprechenden Temperaturen bleiben müssen und wir hätten auch ohne irgendwelche Munitionseinwirkungen den schönsten Moorbrand haben können." Auf die Aussage des NDR-Reporters, dass dies eine "steile These" sei, sagte er: "Zumindest berichtet mir so die Wikipedia. Moorbrände kommen einfach vor."


Brände auf der WTD 91

In der Vergangenheit kam es auf der WTD 91 in Meppen immer wieder zu kleineren und größeren Bränden. 80 bis 100 Feuer verzeichnet die Dienststelle pro Jahr durch den Erprobungsbetrieb. Der letzte Großbrand ereignete sich im Juli 2010. Das Feuer wurde ebenfalls durch einen Testschuss verursacht und war erst nach mehreren Wochen gelöscht. Auch hier war die Rauch- und Geruchsbelästigung über weite Strecken groß.  

Da sich das Erprobungsgebiet der WTD über weite Teile des Naturschutzgebietes Tinner Dose erstreckt, setzt die Bundeswehr auf dem Gelände Feuer gezielt zur Landschaftspflege ein. Zum einen will man durch das Abbrennen die Vegetation verjüngen – darauf sind viele Tier- und Pflanzenarten angewiesen. Zu anderen soll so möglichst verhindert werden, dass die getestet Munition die Vegetation in Brand setzt.

Noch bis vor etwa 100 Jahren waren große Moorbrände im Emsland üblich. Die Bauern legten alle paar Jahre Feuer, um im teilweise trockengelegten Moor ein Aschebett zu schaffen. Darin säten sie Buchweizen, ein Knöterichgewächs, das unter anderem für Pfannkuchen verwendet wird. Diese Brände waren bis in große Entfernungen wahrzunehmen. (hdw)

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