Flächenbrand im Emsland breitet sich nach Norden aus Darum hat die WTD 91 den Waffentest trotz Trockenheit durchgeführt

Von Harry de Winter und und Daniel Gonzalez-Tepper, 10.09.2018, 16:33 Uhr
Der Flächenbrand auf der WTD 91 in Meppen hat sich am Wochenende weiter ausgebreitet. Foto: Harry de Winter

Meppen. Der Flächenbrand auf der WTD 91 in Meppen ist nach fast einer Woche noch immer nicht gelöscht. Nun hat sich das Feuer weiter nach Norden ausgebreitet. Hätte wegen der Trockenheit der Waffentest überhaupt durchgeführt werden dürfen? Die Verantwortlichen nehmen dazu Stellung.

Seit Dienstagmorgen der vergangenen Woche brennen nach Waffentests Moor- und Heideflächen auf der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD) 91 der Bundeswehr in Meppen. Rauchschwaden zogen in der vergangenen Woche immer wieder über Meppen und andere Ortschaften im mittleren Emsland. Viele Anwohner machten sich Sorgen und riefen bei der Polizei und der Rettungsleitstelle an. Die Löscharbeiten in dem schwer zugänglichen Gelände stellte die Bundeswehrfeuerwehr vor eine große Herausforderung. So wurden zur Unterstützung auch Hubschrauber angefordert, die Wasser über den Brandstellen abwarfen.

(Weiterlesen: Waffentests sorgen für Flächenbrand auf WTD-Gelände)

Ein Helikopter der Bundeswehr wirft Wasser über der Brandstelle ab. Foto: Harry de Winter


Brand breitet sich aus

Am Freitag teilte die WTD-Leitung mit, dass der Brand noch nicht gelöscht sei, sich aber nicht weiter ausdehnen würde. Der Wind drehte und frischte am Wochenende jedoch auf und sorgte dafür, dass sich das Feuer weiter nach Norden ausbreiten konnte. "Der weitreichende Funkenflug konnte die eingerichtete Riegelstellung der Feuerwehr überwinden und die Brandausbreitung herbeiführen“, heißt es in einer am frühen Montagabend versendeten Mitteilung.

Durch den Süd-West-Wind sind aktuell Lathen, Dörpen und Sögel von Rauchschwaden betroffen. Der Brandherd liegt derzeit in etwa auf Höhe von Tinnen und Stavern. Selbst in Ostfriesland gingen mehr als 30 Anrufe bei der Kreisleitstelle ein, wie Dominik Janßen, Sprecher der Kreisfeuerwehr Leer, auf Anfrage mitteilte. „Der Brandgeruch war im Rheiderland, im Landkreis Leer, der Stadt Leer und auch im östlichen Kreisgebiet bis Rhauderfehn wahrnehmbar“, so Janßen.



Restrisiko

Unsere Redaktion konfrontierte den Technischen Regierungsdirektor der WTD, Dieter Grönninger, mit der Frage, ob der Waffentest, der den Flächenbrand verursacht hatte, wegen der Trockenheit überhaupt hätte durchgeführt werden dürfen. "Es ist unsere Hauptaufgabe, Versuche und Tests mit Waffensystemen durchzuführen", erklärt Grönninger. "Vor jedem Versuch wird eine Gefahrenanalyse gemacht. Wir hielten das Restrisiko für gering." Auch vor dem Hintergrund, dass man Beschaffungsprojekte der Bundeswehr nicht verzögern wolle, habe man den Test durchgeführt. 



Störungen und Geräteausfälle

Ob man das Gefahrenpotenzial unterschätzt habe, will Grönninger nicht kommentieren. Die Brandstellen befänden sich aber in nur schwer zugänglichem Gelände. Zusätzlich habe man mit Geräteausfällen bei der Feuerwehr zu kämpfen gehabt. Außer Kontrolle sei der Brand aber zu keiner Zeit geraten. Dass sich das Feuer am Wochenende weiter ausbreiten konnte, sei dem Umstand geschuldet, dass der Wind gedreht und es eine Störung bei der Löscheinrichtung gegeben habe. 


Der Heidebrand hat sich nach Norden ausgebreitet. Foto: Harry de Winter

Es brennt weiter

Derzeit sei die Feuerwehr laut Grönninger mit mindestens 30 Mann im Einsatz. Eine Prognose, wann der Flächenbrand gelöscht sei, sei schwierig. "Wir rechnen damit, dass die Löscharbeiten noch die ganze Woche andauern werden." So lange werde es auch keinen Schießbetrieb im Außenbereich geben, da die Feuerwehr derzeit voll ausgelastet sei. "Das oberste Ziel ist die Brandbekämpfung auf unserem Gelände."


Die Bundeswehrfeuerwehr ist auf der WTD im Dauereinsatz. Foto: Harry de Winter


Feuerwehrfahrzeug umgekippt

Der Unfall, der sich mit einem Fahrzeug der Bundeswehrfeuerwehr auf dem Gelände ereignet hatte, hätte keinen Einfluss auf die Löscharbeiten, erklärt Grönninger. "Das Fahrzeug ist beim Überqueren eines Sanddammes weggerutscht und auf die Seite gekippt. Verletzt wurde dabei niemand und es entstand nur leichter Schaden am Fahrzeug "

In der am frühen Montagabend versendeten Mitteilung der Bundeswehr heißt es wörtlich: „Für die Wasserentnahme aus einem Graben wurde dieser mit einem Schotterdamm angestaut. Das verunfallte Fahrzeug befand sich auf diesem Damm, als Teile des Schotters in Bewegung gerieten. Hierdurch hat das Fahrzeug den Halt verloren und ist in den angestauten Graben gerutscht.“ Eine für Montagnachmittag geplante Bergung des Fahrzeuges konnte nicht durchgeführt werden, da der „verstärkten Brandbekämpfung Vorrang gegeben wurde“. Die Bergung soll nun am Dienstag durchgeführt werden.


Während der Löscharbeiten ist es am Wochenende zu einem Unfall mit einem Fahrzeug der Bundeswehrfeuerwehr gekommen. Foto: WTD 91


Anzeige wegen Drohnenfoto?

Die WTD teilte am Abend zudem mit, dass sie eine Strafanzeige in Erwägung zieht wegen eines Fotos, das im Internet veröffentlicht und offenbar mit einer Drohne erstellt wurde. „Dieses Foto ist ohne Genehmigung der Bundeswehr entstanden. Aus diesem Grund erwägt die Dienststellenleitung der WTD, Strafanzeige zu erstatten. Wir weisen in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass das Überfliegen des Geländes der WTD sowie das Anfertigen von Fotoaufnahmen der vorherigen Genehmigung bedarf. Verstöße gegen dieses Verbot können straf- und zivilrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen“, heißt es in der Mitteilung.


Die Abbildung zeigt nach Angaben der Bundeswehr einen Teil einer Riegelstellung, hier im südlichen Bereich des Brandes. Zu erkennen ist im Vordergrund die Versorgungsleitung der Riegelstellung. Im Hintergrund (linker Bildrand) sind Pumpen und eine Leitungstrommel für Versorgung weiterer Riegelstellungen zu sehen. Foto: WTD


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