Bei Spannungen mit dem Westen die Zeche gezahlt Theologe referiert in Meppen über Christen im Nahen Osten

Von Heiner Harnack

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Martin Tamcke referierte in der Gustav-Adolf-Gemeinde zum Thema „Christsein im Nahen Osten“. Foto: Heiner HarnackMartin Tamcke referierte in der Gustav-Adolf-Gemeinde zum Thema „Christsein im Nahen Osten“. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Unter dem Titel „Christsein im Nahen Osten“ hat die Hauptgruppe Osnabrück des Gustav-Adolf-Werks ihr 175. Jahresfest in der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde abgehalten. Festredner Prof. Martin Tamcke von der Universität Göttingen berichtete ausführlich über die Arbeit vor Ort, konnte am Ende aber nicht wirklich aufzeigen, wie eine noch so kleine Lösung im Konflikt der Religionen in der Region aussehen könnte.

Der Theologe und Orientalist meinte, dass Ägypten sich heute in einer schwierigeren Situation befände als noch zu Zeiten des bis 2011 regierenden Präsidenten Hosni Mubarak. Es habe in den letzten Jahren auch immer wieder Anschläge gegen christliche Einrichtungen gegeben, was die Arbeit vor Ort nicht leichter mache.

„Es gibt eine psychische Verunsicherung, wenn ich als Christ in Ägypten lebe“, erklärte Tamcke den etwa 30 Gästen im Gemeindehaus. Damit dürfe man aber in Deutschland keine Islamophobie schüren, was auch definitiv nicht sein Anliegen sei. In Syrien hätten die Unruhen dazu geführt, dass der demokratische Aufbruchswille umgekippt sei. Die Auseinandersetzungen in der Region seien aber schon sehr viel älter als das heutige Spannungsverhältnis zwischen Islam und Christentum.

Phänomen des Übergangs

Der Arabische Frühling sei auch kein solcher gewesen, sondern lediglich ein Phänomen des Übergangs, behauptete Tamcke. Als der Islam die Vorherrschaft habe übernehmen können, seien den Christen Schutzverträge zugestanden worden, in denen geklärt worden sei, in welcher Form sie dort weiter hätten leben können. „Sie sollten erhöhte Steuern zahlen und sich durch ihre Kleidung kenntlich machen.“ In der Türkei habe es sogar eigene Gerichtshöfe für Christen gegeben.

(Lesen Sie auch: Nahostexpertin referiert in Meppen über syrischen Bürgerkrieg)

Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass Richard Löwenherz während der Kreuzzüge „richtig draufgeschlagen“ habe, erinnerte der Festredner an die Schuld der Christen im Nahen Osten. Später hätten die Christen versucht, aus dem gesellschaftlichen Getto heraus zu kommen. So hätten sie den arabischen Nationalismus und die Baath-Partei in Syrien mit begründet.

Bei Spannungen die Zeche gezahlt

„Die Christen gründeten eine freie Presse, Theater und taten viel für die Bildung“, sagte Tamcke und fügte an, dass sie es gewesen seien, die immer die Zeche bei Spannungen mit dem Westen hätten zahlen müssen. „Für mich repräsentieren diese Menschen vor Ort das Christentum“, zollte Tamcke den Menschen seinen Respekt für den seit 2000 Jahren anhaltenden Druck.

Martin Tamcke gefiel sich ein wenig zu sehr in der Rolle des Geschichtenerzählers, der über Jahrzehnte häufig vor Ort gewesen sei, zeigte aber nicht auf, welch noch so kleinen Ausweg es in der Krisenregion geben könnte. Für einen Nahost-Fachmann, der Erwartungshaltungen geweckt hatte, eigentlich zu wenig.


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