Konzert in der Gymnasialkirche Großes musikalisches Erzähltheater in Meppen

Von Daniel Lösker

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Musikalischer Dialog zweier Klassik-Weltstars: Hille Perl (Viola da Gamba) und Lee Santana (Theorbe). Foto. Daniel LöskerMusikalischer Dialog zweier Klassik-Weltstars: Hille Perl (Viola da Gamba) und Lee Santana (Theorbe). Foto. Daniel Lösker

dloe Meppen. Die Gambistin Hille Perl und der Lautenist Lee Santana haben in der Meppener Gymnasialkirche mit Werken des französischen Barock begeistert.

Dass Musiker, die sich der sogenannten Alten Musik verschrieben haben, zu Stars nicht nur der Szene, werden, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Inzwischen aber gibt es einige. Darunter sind Dirigenten, Ensembles oder Orchester, die mitunter auch auf einen dirigierenden „Pult-Gott“ verzichten, und natürlich die Solo-Instrumentalisten.

Hille Perl, auch schon mal die „Königin der Viola da gamba“ genannt, ist einer dieser weiblichen Stars. Die Renaissance der Kniegeige ist zweifellos eng mit ihrem Namen verbunden.

Musik vom Hofe des Sonnenkönigs

Warum dem so ist, beweist sie im Zusammenspiel mit dem Lautenisten Lee Santana. Im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage und in Verbindung mit der Sparkassenstiftung des Bundeslandes präsentieren die beiden Protagonisten Musik vom Hofe des legendären Sonnenkönigs Ludwigs XIV.

Ganz im Zentrum steht Marin Marais, seines Zeichens „Gambiste de la chambre du Roi“. Die „Suite in G“ aus dem dritten Buch von insgesamt fünf Sammlungen mit Kompositionen für Gambe, spielen Perl und Santana mit beinahe magischer Farbigkeit.

Beeindruckend ist der musikalische Dialog zweier Meister ihres Fachs. Virtuosität ist für sie selbstverständlich, wird aber nie zum Selbstzweck. Und was die Beiden in der „Sarabande“ mit kaum merkbaren Verzierungen an berückender Schönheit hervorzaubern, ist zum Niederknien.

Engel und Teufel

Zeitgenossen von Marais sagten über den Prinzipale, er spiele sein Instrument wie ein Engel – Antoine Forqueray aber, ebenfalls Gambist, spiele wie der Teufel. Wie auch immer dieser Vergleich gemeint war, spiegelt er doch die große Konkurrenz der Musiker und Komponisten wider. Deshalb wählen Perl und Santana auch zwei Werke des Letztgenannten und zeigen somit die Entwicklung des Gambenspiels anhand von „La Buisson“ und „La Leclair“

Ob teuflisch oder engelsgleich ist jedoch bei den Künstlern des Abends keine Frage von Temperament oder Können, beherrschen sie doch beiderlei Spielarten gleichermaßen.

Perl rast bisweilen über die Saiten ihres Instruments, als ob sie beweisen wolle, dass der Heavy Metal eine Erfindung des Barock sei; Santana, nicht nur in diesen Momenten wunderbar perkussiv, versinkt dann aber wieder eindringlich und meditativ in die Klangoase seiner Theorbe. Beinahe meint der Zuhörer, er höre Glockengeläut, es spritzten Wasserfontänen oder es käme gar ein Sturm auf.

Was Perl und ihr kongenialer Partner da zelebrieren, ist großes musikalisches Erzähltheater mit Leib und Seele. Und so werden reichlich zwei Stunden französischer Barockmusik zu einem wahren und erstaunlich abwechslungsreichen Vergnügen.


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