Gewässer soll zugeschüttet werden Lebt seltene Fischart in Graben in Meppen-Nödike?

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Setzen sich für den Erhalt des Grabens in Meppen-Nödike ein: Carsten Keetz, Kreistags- und Stadtratsmitglied der Grünen, und Martin Teckelnburg, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat für die Grünen. Foto: Harry de WinterSetzen sich für den Erhalt des Grabens in Meppen-Nödike ein: Carsten Keetz, Kreistags- und Stadtratsmitglied der Grünen, und Martin Teckelnburg, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat für die Grünen. Foto: Harry de Winter

Meppen. Lebt eine seltene Fischart, genauer der Schlammpeitzger, in einem Graben in Meppen-Nödike? Diese Frage beschäftigt die Grünen-Stadtratsfraktion sowie die Verwaltung. Denn der Graben soll bei der Erweiterung des Industriegebietes entlang der B 70 zugeschüttet werden.

Das geplante Gewerbegebiet soll südlich der Haarbrücke in Meppen-Nödike entstehen. Hier verläuft der Verbandsgraben Nummer 190 des Unterhaltungsverbandes. Das Gewässer selbst ist auf den ersten Blick recht unscheinbar. Schaut man sich den Graben aber genauer an, ist einiges an Leben zu entdecken. An und unter der Wasseroberfläche kreucht und fleucht es. Auf Nachfrage bei der Stadt Meppen teilt diese mit, dass hier tatsächlich ein Vorkommen des Schlammpeitzgers vermutet wird. 

Der Schlammpeitzger ist ein Fisch, der in Deutschland als stark gefährdet gilt. Foto: Wikipedia/George Chernilevsky

Graben soll abgefischt werden

Nach Inaugenscheinnahme des Gewässers vor einigen Wochen ist festzustellen, dass im diesem Graben ein Fischbestand vorliegt, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. Somit sei nicht auszuschließen, dass neben dem Schlammpeitzger weitere geschützte Fischarten wie der Steinbeißer vorkommen könnten. In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland soll der Graben vor der Verfüllung vollständig abgefischt werden und die Individuen in ein geeignetes Gewässer verbracht werden, um den Besatz zu erhalten. In der Ratssitzung am 13. September stehe diese Thematik auf der Agenda. 


Im Verbandsgraben Nr. 190 des Landesfischereiverbandes Weser-Ems wird das Vorkommen des Europäischen Schlammpeitzger vermutet. Foto: Harry de Winter

Kulturlandschaft geht verloren

"Wir haben einen Tipp von einem Sportfischer bekommen", sagt Carsten Keetz, Kreistag s und Stadtrats Mitglied für die Grünen. "Das hat uns veranlasst, genauer nachzuhaken bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreis." Die Antwort sei aber nicht zufriedenstellend gewesen. Für die Naturschützer geht durch die Erweiterung des Industriegebietes ein weiteres Stück intakter Kulturlandschaft verloren. Falls der seltene Schlammpeitzger tatsächlich in dem Graben vorkommen sollte, müsse das artenschutzrechtliche Vorgehen überdacht werden.  


Hier soll das Gewerbegebiet südlich der Haarbrücke erweitert werden. Der Graben soll dafür zugeschüttet werden. Foto. Harry de Winter

Vorhandenen Gewerbegebiete verdichten

Als "die Verweigerer" wollen die Grünen aber nicht wahrgenommen werden. Statt das Gewerbegebiet in Nödike zu erweitern, schlagen sie vor, die in Meppen vorhandenen Gewerbegebiete zu verdichten und freie und brachliegende Flächen zu nutzen. „Vielfach ist die Verwaltung den Vorgaben der Wirtschaft gefolgt", kritisiert Fraktionsvorsitzender Martin Teckelnburg die Behörde. "In Nödike fallen beispielsweise leerstehende Hallen und brachliegende Flächen ins Auge." Für wenig Geld hätten sich Unternehmer dort Land gekauft und auch Eigenheime gebaut. Man finde dort ebenfalls eine Wiese mit Straußengehegen sowie eine landwirtschaftlich genutzte Fläche.


Der Schlammpeitzger

Der Europäische Schlammpeitzger ist ein 15 bis 30 Zentimeter langer Süßwasserfisch. Er hat einen aalartig langgestreckten Körper, der vorne walzenförmig und im Querschnitt drehrund ist, hinten aber seitlich etwas abgeflacht. Seine Haut ist stark schleimig, die Schuppen sehr klein. Das unterständige Maul ist eng, der Oberkiefer trägt sechs Barteln, der Unterkiefer vier. Er bevorzugt den schlammigen Boden stehender oder langsam fließender Gewässer als Lebensraum. Er ist nachtaktiv und hält sich tagsüber verborgen. Seine Nahrung setzt sich aus Wirbellosen, Larven von Insekten, kleinen Krebsen, Schnecken und Muscheln, die am Gewässerboden gesucht werden, zusammen. In der Roten Liste für Deutschland wird der Schlammpeitzger in der Kategorie 2 ("stark gefährdet") aufgeführt.

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