Auch auf Menschen übertragbar Usutu-Virus befällt Vögel im Emsland

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Diese Amsel ist am Usutu-Virus erkrankt. Symbolfoto: NABU/Michael BeuschDiese Amsel ist am Usutu-Virus erkrankt. Symbolfoto: NABU/Michael Beusch

Meppen. Das Usutu-Virus hat das Emsland erreicht. Bislang wurden zwei Fälle des Erregers in der Region nachgewiesen. Vor allem Amseln sind von der Infektion betroffen. Auch auf den Menschen kann das Virus durch Stechmücken übertragen werden.

Das Vogelsterben durch das exotische Usutu-Virus betrifft in diesem Jahr erstmal auch das Emsland, das geht aus einer Pressemitteilung des Naturschutzbundes (NABU) und des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hervor. Niedersachsenweit wurden bislang zwölf Fälle nachgewiesen. Von weiteren Fällen sei auszugehen, da von 600 beim Institut eingeschickten Vögeln erst etwa 250 Tiere untersucht wurden. Auf Nachfrage beim Landkreis Emsland zum Usutu-Virus verweist dieser auf den NABU. Der Behörde selbst seien bislang keine Fälle bekannt. 

Genaue Daten für das Emsland konnte aber auch der NABU nicht mitteilen. Erst die Nachfrage beim Bernhard-Nocht-Institut brachte belastbare Zahlen ans Licht. "Wir konnten erstmals in zwei konkreten Fällen den Virus im Emsland nachweisen", sagt Virologe Renke Lühken. Die meisten Funde gab es bislang im Raum Hamburg (32) und Schleswig-Holstein (29).

Auch andere Vogelarten betroffen

Infizierte Vögel wirken auf den ersten Blick krank, apathisch, flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als "Amselsterben" bekannt ist. Allerdings werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können daran sterben. Besonders im Spätsommer breitet sich das von Stechmücken übertragene Virus aus. Der besonders warme Sommer habe die Ausbreitung weiter begünstigt, sagt  Lars Lachmann, Vogelexperte des NABU Bundesverbandes.

„Die 2018 bisher gemeldeten Fälle übertreffen die Zahlen aus den Vorjahren deutlich, was für ein besonders starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht“, so Lachmann weiter. Ornithologen und Tropenmediziner konnten seit 2011 feststellen, dass immer dann besonders viele Vögel verenden, wenn das Virus erstmals in einer Region auftritt.

Übertragung auf den Menschen

Die Übertragung von Usutu-Viren auf den Menschen erfolgt eher zufällig über Stechmücken und kann zum Usutu-Fieber führen. Zu den Symptomen gehören neben hoher Temperatur Kopfschmerzen und Hautausschläge. In seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen. Eine Infektion mit dem Usutu-Virus scheint in Deutschland möglich, ist aber noch kein Grund zu Sorge und wird von Blutspendezentren gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen weiter beobachtet.

Tote Vögel einsenden

Um das Vorkommen und die Ausbreitung des Virus zu dokumentieren, bittet der NABU und das Bernhard-Nocht-Institut darum, kranke und mutmaßlich an Krankheit verstorbene Amseln oder andere Vögel zu melden. Besonders wichtig ist der virologische Nachweis von Usutu-Viren in tot aufgefundenen Amseln und anderen Vögeln. Die Vögel sollten baldmöglichst eingesammelt und "frischtot" eingeschickt werden, heißt es. 

Dabei gilt es, folgende Punkt zu beachten:

  • Obwohl nach aktuellem Wissenstand keine Infektionsgefahr von den Vögel ausgeht, wird zum Hantieren mit toten Vögeln das Verwenden von Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte sowie eine anschließende Händereinigung empfohlen. 
  • Tote Vögel sollten direkt an das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg* geschickt werden.
  • Sorgen Sie bitte für einen zügigen Versand und eine sichere Verpackung. Idealerweise sollten die Vögel mit einem Tiefkühlakku versehen, gut gepolstert und wasserdicht verpackt versendet werden. In den Sommermonaten ist eine Isolation mit Styropor sinnvoll.
  • Ist ein sofortiger Versand nicht möglich, müssen die Vögel bis zum Versand gut verpackt tiefgefroren aufbewahrt werden.
  • Einsender sollten auf der Verpackung den Schriftzug „Freigestellte veterinärmedizinische Probe“ anbringen.
  • Genaue Informationen zum Absender sowie zu Fundort (mit PLZ) und Funddatum
  • Die Untersuchung der eingesandten Vögel wird kostenlos vorgenommen, und selbstverständlich erhält jeder Einsender vom BNI eine Rückmeldung über das Resultat der virologischen Untersuchung.


*Kontaktdaten Bernhard-Nocht-Institut:  

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Dr. Jonas Schmidt-Chanasit   
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Tel. 040-42818-862, Fax 040-42818-941 


Usutu-Virus

Das Usutu-Virus wird von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen, die als Hauptwirt fungieren. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika und vermutlich haben Zugvögel das Virus vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung des NABU Hamburg und des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre sorgt das Virus für kleinere, wiederkehrende Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen.

Auch wenn dazu bisher kaum belastbare Daten vorliegen, können sich auch Säugetiere (Pferde oder Fledermäuse) mit dem Usutu-Virus infizieren. Deren Krankheitsverlauf und Symptome sind jedoch noch unbekannt.


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