Serie: Mein Job und Ich TÜV-Ingenieur über verrückte Umbauten, Tuning und Mängel an Fahrzeugen

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Timo Kock ist KFZ-Sachverständiger bei der TÜV-Station in Meppen. Er hat bereits unter unzählige Autos geschaut. Foto: Harry de WinterTimo Kock ist KFZ-Sachverständiger bei der TÜV-Station in Meppen. Er hat bereits unter unzählige Autos geschaut. Foto: Harry de Winter

Meppen. In der Regel müssen alle Autos jedes zweite Jahr zur Hauptuntersuchung. Auch wer seinen Wagen mit schicken Felgen veredeln möchte, kommt an einem Termin bei einem KFZ-Sachverständigen nicht herum. Timo Kock aus Meppen ist so ein KFZ-Sachverständiger. Der 34-Jährige arbeitet in der TÜV-Station in Meppen. Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert er, was er an seinem Beruf schätzt, was er von Tuning hält und wie gut der Zustand der Autos der Meppener ist.

Warum sind Sie TÜV-Ingenieur geworden?

Ich habe mich schon immer für Autos interessiert. Deshalb habe ich nach der Realschule eine Lehre zum KFZ-Mechaniker bei einem BMW-Händler in Meppen gemacht. Während meiner Ausbildung hatte ich oft Kontakt zu KFZ-Sachverständigen und fand deren Arbeit interessant. 2005 hatte ich den Gesellenbrief in der Tasche und wusste, dass ich wieder zur Schule muss. Also ging ich zur Fachoberschule und der Berufsoberschule, um die allgemeine Hochschulreife zu bekommen. Danach studierte ich in Emden Maschinenbau. 2011 war ich damit fertig und bewarb mich beim TÜV Nord. Seit 2016 bin ich in Meppen in der TÜV-Station.

Was schätzen Sie an ihrem Beruf besonders?

Am meisten mag ich den direkten Kontakt zu den Fahrzeughaltern, den man im Werkstattumfeld nicht so hat. Ich bin gerne Ansprechpartner, Anlaufpunkt und Berater. All das kann ich als KFZ-Sachverständiger sein.

Welche Autos nehmen Sie besonders gerne unter die Lupe?

Da gibt es keinen Favoriten. Ich schaue mir alle Fahrzeuge gerne an – vom Oldtimer über das neueste Elektroauto bis zum Motorrad. Momentan ist es so, dass ein Kunde mit seinem E-Auto kommt, der andere mit einem 50 Jahre alten Oldtimer und der nächste Kunde kommt mit seinem Wohnmobil. Dadurch ist die Arbeit spannend und abwechslungsreich.

Was halten Sie von Tuning?

Ich kann es gut nachvollziehen, wenn jemand sein Auto individualisieren möchte. Aber wir haben in Deutschland gesetzliche Grundlagen und Vorgaben, an die wir uns halten müssen. Es ist aber genug Spielraum da, um sich sein ganz persönliches Fahrzeug zu gestalten. Wir freuen uns immer, wenn die Schrauber zu uns kommen, bevor sie ihr Auto einem Komplettumbau unterzogen haben. So kann viel Ärger vermieden werden und eine Lösung gefunden werden. Das gilt aber nicht nur für Tuningumbauten, sondern für alle Veränderungen an Fahrzeugen.

Wie gut ist der Zustand der Autos der Meppener?

Meine Erfahrungen mit den Autos der Meppener ist durchweg positiv. Die meisten haben ihre Fahrzeuge gut gewartet. Es gibt eigentlich nur selten böse Überraschungen.


Schaut bei seiner Arbeit ganz genau hin: TÜV-Ingenieur Timo Kock. Foto: Harry de Winter


Was war der gravierendste Mangel, den Sie mal an einem Auto festgestellt haben?

Der bisher schlimmste Mangel war ein abgerissener Bremszylinder an einem LKW. In so einem gravierenden Fall wird die HU-Plakette von Kennzeichen entfernt und das Fahrzeug darf nicht weiterfahren bis der Mangel repariert ist. Es ist einfach zu gefährlich, so ein Auto wieder auf die Straße zu lassen. Wir unterscheiden in vier Kategorien bei Mängeln: geringer Mangel, erheblicher Mangel und gefährlicher Mangel und als schlimmste Diagnose: Verkehrsunsicher. Letzteres kommt aber nur sehr selten vor.

Was tun die Kunden, um trotzdem die Plakette zu bekommen?

Große Diskussionen gibt es eigentlich nicht. Wir nehmen uns für jeden Fahrzeughalter die nötige Zeit und erklären alle Mängel und deren Auswirkungen in Ruhe. Das klappt auch in der Regel. Einen echten Ausraster an der TÜV Station habe ich noch nicht erlebt. Wie überall, macht auch bei uns der Ton die Musik und man sollte respektvoll mit dem Gegenüber umgehen.

Was war der verrückteste Umbauwunsch, den ein Kunde bei Ihnen geäußert hat?

Es gibt immer wieder Anfragen zu Pick-Up-Umbauten von Kleinwagen. Solche Fälle sind immer etwas Besonderes, die einer genaueren Prüfung bedürfen. Der TÜV Nord hat spezielle Abteilungen, die so etwas prüfen können oder schon geprüft haben. Auf diese Daten können wir zurückgreifen. Sogenannte Kit-Cars, also Auto-Bausätze, fallen in die gleiche Kategorie. Der Erste, der einen speziellen Umbau macht, für den ist es am aufwändigsten. Aber auch hier empfehle ich, immer vorher zu uns zu kommen und mit uns zu sprechen. Für uns ist sowas ja auch interessant.

Was empfehlen Sie Autofahrern, bei denen sich der TÜV-Termin nähert?

Man sollte dem Termin gelassen entgegensehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und der Kunde hat die Wahl, ob er für die Prüfung zum Sachverständigen in seine Werkstatt fährt oder zu uns zur Durchsicht kommt. Hier an der TÜV Station kann man daneben stehen und sich genau alle eventuellen Mängel zeigen lassen. Angst vor der Hauptuntersuchung braucht keiner zu haben. Auftretende Mängel werden erklärt und besprochen.


Der Blick in den Motorraum gehört bei jeder Untersuchung mit dazu. Foto: Harry de Winter


War früher alles besser im Hinblick auf Autos?

Die Rostvorsorge ist deutlich besser geworden. Die Zugänglichkeit aber nicht. Überall sind Verkleidungen, unter die man schlecht drunter gucken kann. Aber mit Hebebühne, Grube und Rüttelplatte kommen wir eigentlich allen Mängeln auf die Spur. Wir besuchen regelmäßig Weiterbildungen, weil die Automobiltechnik ständig weiterentwickelt wird. Das ist oft eine Herausforderung, aber es macht Spaß und man lernt immer was Neues dazu.

Wenn Sie sich die Autos von heute ansehen, was könnte man besser machen?

Das ist eine schwere Frage und hängt von einzelnen Geschmäckern ab. Jedes Auto wird für eine bestimmte Käuferschicht entwickelt und ist auf deren Bedürfnissen zugeschnitten. Daraus ergeben sich manchmal kleinere Probleme, die aber lösbar sind. So werden Fahrzeuge heute oft von unten voll verkleidet, so dass der Unterboden nicht mehr so einfach einsehbar ist.

Drücken Sie auch mal ein Auge zu?

Nein. Das dürfen wir nicht. Es gibt genaue Rechtsvorschiften, nach denen zu prüfen ist. Davon dürfen wir nicht abweichen. Ansonsten könnten Mängel unterschiedlich ausgelegt und möglicherweise die Verkehrssicherheit gefährdet werden. Keiner will einem Auto begegnen, bei dem die Bremse nicht richtig funktioniert oder Öl abtropft.


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