Hilfen für Landwirte im Emsland Landvolk: "Geld nur für die, die es auch brauchen"

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"Vor 100 Jahren hätte so ein Sommer für eine Hungersnot gesorgt", sagt Lambert Hurink, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL), im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: Patrick Pleul/dpa"Vor 100 Jahren hätte so ein Sommer für eine Hungersnot gesorgt", sagt Lambert Hurink, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL), im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: Patrick Pleul/dpa

Meppen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin, Julia Klöckner (CDU), hat den Landwirten in Deutschland Nothilfen in Höhe von 340 Millionen Euro zugesagt. Auch im Emsland hatten viele Bauern mit der Dürre zu kämpfen. Vor allem der Kartoffel- und Maisanbau hat die lange Trockenheit schlecht vertragen. Lambert Hurink, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL), redet Klartext über die Situation der Landwirte im Emsland.

Der Sommer 2018 wird vielen in Erinnerung bleiben. Hitze und Dürre haben ihn geprägt. Über zehn Wochen hat es nicht oder nur kaum geregnet. "Vor 100 Jahren hätte so ein Sommer für eine Hungersnot gesorgt", sagt Lambert Hurink im Gespräch mit unserer Redaktion. "Glücklicherweise sind die Märkte heutzutage gut vernetzt, sodass der Verbraucher davon im Supermarktregal nichts mitbekommt. Doch viele Landwirte haben mit den Folgen der langen Trockenheit zu kämpfen."

Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent

Getreide, Mais und Kartoffeln – das sind die drei Pflanzen, die am meisten im Emsland angebaut werden. Während Hurink beim Getreide nur wenig Verluste prognostiziert, steht es um Mais und Kartoffeln deutlich schlechter. "Bei Kartoffeln rechnen wir mit durchschnittlichen Ertragsausfällen von bis zu 50 Prozent. Beim Mais etwa mit 40 Prozent." Rund 500 Landwirte im Emsland bewirtschaften circa 20.000 Hektar Fläche mit Kartoffeln. Laut Hurink können pro Hektar in einem "normalen" Jahr etwa 45 Tonnen Kartoffeln pro Hektar geerntet werden. 2018 rechne man mit nur etwa 25 Tonnen pro Hektar. "Je nach Größe der Anbauflächen fehlen den einzelnen Landwirten schnell mal 100.000 Euro in der Kasse. Insgesamt rechnen wir nur bei der Kartoffel mit einem Schaden von 40 Millionen Euro im Emsland."

32.000 Milchkühe im Emsland

Beim Mais zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Pflanze wird vor allem von Milchbetrieben angebaut, um sie als Futtermittel zu nutzen. Für die rund 350 Höfe mit ihren 32.000 Milchkühen im Emsland wird es hier ebenfalls eng. Hier schätzt der Hauptgeschäftsführer die Schäden in der Summe ähnlich hoch wie bei der Kartoffel ein. Hinzu käme, dass auch der Grasschnitt schlecht war und somit weniger Futter für die Tiere geerntet werden konnte.


Lambert Hurink ist der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL). Foto: Harry de Winter

"Niemand ist stolz, wenn er Hilfen in Anspruch nehmen muss."

"Es war ein echter Extremsommer, den so keiner voraussehen konnte." Einige Betriebe im Emsland habe es hart erwischt und seien nun bedroht. Den Vorwurf, dass von den Landwirten schlecht gewirtschaftet wurde, will Hurink nicht gelten lassen. "Niemand ist stolz, wenn er Hilfen in Anspruch nehmen muss." Deshalb spricht sich der VEL-Hauptgeschäftsführer auch dafür aus, nicht mit der "Gießkanne" die Hilfen an alle Landwirte zu verteilen, sondern nur an die Betriebe, die es dringend benötigten. "Geld soll es nur für die geben, die es auch brauchen." Der Bund habe als Kriterien für Hilfen festgelegt, dass nur Höfe mit mindestens 30 Prozent Ernteverlust und damit verbundener Existenznot Gelder erhalten sollen. Wie dies im Detail dann aussehe, habe der Bund bislang aber noch nicht formuliert. Deshalb könne man auch nicht sagen, wie viele Betriebe im Emsland Hilfen bekommen könnten. Die Zeit dränge aber. So würden beispielsweise die Pachten am 1. November fällig.

Globaler Markt

Ob die zugesagten 340 Millionen Euro am Ende reichten, bleibe laut Hurink abzuwarten. "Ich kann nur für das Emsland und die Grafschaft Bentheim sprechen. Wir hoffen, dass der Markt ebenfalls mitreguliert. Dann könnten die Hilfen reichen." Das sei allerdings schwer zu prognostizieren, da man sich auf einem globalen Markt bewege. Wenn Kartoffelprodukte geringfügig im Preis steigen würden und das Geld beim Produzenten, also den Landwirten, landen würde, könnte dies vieles ausgleichen. "Wir sprechen hier beispielsweise von fünf bis zehn Cent pro Chipstüte. Das wäre ohne Probleme machbar." Für die Milchbauern würde eine Erhöhung des Milchpreises ähnlich positiv zu Buche schlagen.

Gesellschaftsfrage

Dass die ohnehin schon hoch subventionierte Landwirtschaft jetzt noch zusätzlich mit Finanzhilfen unterstützt werden muss, darin sieht Hurink die Konsequenz aus der gemeinsamen EU-Politik, möglichst günstige Lebensmittel zu produzieren. "Vor 40 Jahren hat ein Haushalt etwa 40 Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. Heute sind es nur noch zwölf bis 14 Prozent. Wenn wir da wieder hin zurückkehren, dann geht es auch ohne Subventionen. Die Frage ist nur, ob das die Gesellschaft will."

2019 muss besser werden

Für 2019 hofft der VEL auf ein wirtschaftlich gutes Jahr für die Landwirte. "Ich denke auch, dass der Sommer 2018 bei vielen Höfen für einen Lerneffekt gesorgt hat, mehr Vorräte anzulegen. Trotzdem ist der Investitionsdruck bei vielen hoch. Kredite müssen zurückgezahlt werden. Der Wettbewerb ist und bleibt hart." 


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